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Verbesserung der Nistmöglichkeiten -1-
Nisthilfen für Bewohner vorhandener Hohlräume - A -

Frage:
Sind Nisthilfen für Hohlraumbesiedler ein geeignetes Mittel, dem vieldiskutierten »Insektensterben« oder dem sogenannten »Bienensterben« entgegenzuwirken?

Antwort: Nein!
Das Anbieten solcher Nistmöglichkeiten ist kein wirksamer Beitrag zum Schutz bedrohter Arten. Grundsätzlich ist ein nachhaltiger Schutz der Wildbienen, vor allem der gefährdeten Arten, nur durch die Erhaltung, Pflege und Förderung der natürlichen oder naturnahen Nistplätze und Nahrungsräume möglich. Der Schutz der Lebensräume hat höchste Priorität.


Sind sie dennoch sinnvoll? Ja!
Nisthilfen für Hohlraumbesiedler sind, sofern sie etwas taugen (!), sehr gut für die Naturbeobachtung und für pädagogische Zwecke geeignet. So ähnelt diese Maßnahme dem Anbringen von Nistkästen für häufige höhlenbrütende Vögel wie z. B. Kohlmeisen oder Hausrotschwänze.

Die allermeisten Nisthilfen werden nur von zwei Arten genutzt, wobei es sich um die Frühlingsarten Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) und Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) handelt. Dies gilt vor allem für die käuflichen Pappröhrchen von 6–9 mm Durchmesser. Bei kleineren Durchmessern der Niströhren (Bambus, Schilf, Bohrungen in Holz) treten auch die Hahnenfuß-Scherenbiene (Chelostoma florisomne) und die Gewöhnliche Löcherbiene (Heriades truncorum) auf. Auch wenn es immer wieder behauptet wird: das Anbieten solcher Nistmöglichkeiten ist kein wirksamer Beitrag zum Schutz bedrohter Arten. Denn die Bienenarten, die dieses Angebot in der Regel annehmen, sind weit verbreitet, häufig und ungefährdet und brauchen diese Art von Förderung nicht. Dies gilt mehr oder weniger auch für einige weitere an diesen Nistmöglichkeiten auftretende Arten. Vereinzelt nutzen auch gefährdete Arten dieses Angebot. Sie treten aber nur auf, wenn auch andere Ansprüche in der Umgebung erfüllt sind wie ein ganz spezielles Pollenangebot, das man durchaus bereitstellen kann.

Nisthilfen dieses Typs werden seit langem auch für die faunistische und tierökologische Forschung (Artenspektrum, Larvenfutter, Baumaterialien, Parasitierung) erfolgreich eingesetzt (Stichwort: »trap-nesting«).

Regal mit Nisthilfen

Eine einfache Möglichkeit, gleichzeitig mehrere Typen von Nisthilfen (Bambusröhrchen, Bündel von Schilfstengeln, Strangfalzziegel und Holzblöcke mit Bohrungen) anzubieten ist, sie auf einem Holzregal unterzubringen. Als Windschutz für eine raschere Erwärmung des Nistplatzes wurde das Regal mit einer Rückwand versehen. Die Lücken bieten Platz für weitere Nisthilfen, sobald die vorhandenen besiedelt sind. Es empfiehlt sich, auch seitlich als Windschutz gegen Westwinde eine Stegdoppelplatte anzubringen. Damit Sonne und Wärme auch in die höchste Etage gelangen, wurde das Regal mit einer transparenten Stegdoppelplatte aus Polycarbonat als Regenschutz versehen. Solch ein lichtdurchlässiges Dach kann durchaus 30–60 cm überstehen. Ein weit nach vorne ragendes Dach aus Ziegeln oder Holz – wie vielfach zu sehen – wirft jedoch im Sommer einen weit nach unten reichenden Schatten, der die Besiedlung vor allem durch wärmeliebende Arten deutlich reduziert (siehe Abbildungen auf dieser und der folgenden Seite oben).

Es kommt nicht darauf an, daß ein Wildbienenhaus den ästhetischen Ansprüchen der Menschen gefällt, sondern daß es die natürlichen Ansprüche der Besiedler erfüllt!

Schilfhalme, Bambus- und Pappröhrchen

Am leichtesten und mit größtem Erfolg können wir solchen Arten eine Nistanlage bieten, die vorhandene Hohlräume verschiedenster Form und Größe besiedeln. Die einfachste Möglichkeit besteht darin, Stücke aus Bambusrohr anzubieten, das in Baumärkten oder beim Gartenbedarfs-Handel erhältlich ist. (Leider sind die Bambusstäbe manchmal durch und durch verholzt. Dann sind sie ungeeignet.) Dazu wird Bambusrohr mit einem Innendurchmesser von 3–9 mm jeweils hinter den Knoten (Verdickungen) so durchgesägt, daß das hintere Ende durch diesen Knoten einen natürlichen Abschluß hat, während das vordere Ende für den Nestbau zugänglich bleibt. (Ein Durchmesser von 2 mm wird nur von besonders kleinen Arten und nur selten genutzt.) Werden die Knoten ebenfalls abgesägt, dann muß das offene hintere Ende z.B. mit Watte verschlossen werden, damit der Gang völlig dunkel ist. Das Mark wird vom Eingang her mit Hilfe eines entsprechend langen Bohrers, dessen Bohrweite etwas geringer als die des Bambusröhrchens ist oder mit Hilfe eines stärkeren Drahtes oder mit Hilfe einer Flaschenbürste (5 mm) ausgeräumt. Ziel sollte sein, eine möglichst glatte Innenwandung zu schaffen. Vor allem für die Gehörnte Mauerbiene sind solche Hohlräume sehr attraktiv, vor allem, wenn sie mindestens (!) 10 cm tief sind. Die 10–20 cm langen Bambusstücke kann man einzeln in die Löcher von Lochziegeln, die es in jedem Baumarkt zu kaufen gibt, stecken. (Leere Lochziegel haben keinerlei Nistplatzfunktion!) Ebenso kann man sie als Bündel dicht gepackt in Resten von Kunststoff-Rohren (hinten offen wegen der Luftzufuhr) oder Konservendosen regensicher unterbringen. Notfalls kann man die fest zusammengeschnürten Bündel auch ohne diesen Schutz an einer Wand, einem Pfosten oder an der Balkonbrüstung anbringen.

Bambusröhrchen mit Osmia cornuta

Diese Bambusröhrchen waren bereits im Vorjahr auf meinem Balkon reichlich durch die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) bebaut worden. Im kommenden März sind zahlreiche Männchen (ich habe 61 gezählt) geschlüpft und schwärmen vor den Röhrchen, wo sie ihre einige Tage später erscheinenden Weibchen erwarten. Bei einigen Röhrchen ist der Nestverschluß noch unversehrt. Aus ihnen sind demnach bisher weder Männchen noch Weibchen geschlüpft.

Bambusröhrchen

Auch dies sind Möglichkeiten, Bambusröhrchen waagrecht und stabil unterzubringen. Die Verwendung von Lochziegeln hat nur auf diese Weise Sinn.

Bambusröhrchen

Auf jeden Fall sollten die Bambusröhrchen waagrecht orientiert sein.


Zur Not kann man auch Schilf- und Strohhalme oder (käufliche) Pappröhrchen verwenden. Die Rolle aus Schilfhalmen wurde auf folgende Weise gefertigt: Eine als Sichtschutz im Baumarkt erhältliche Schilfmatte wurde mit einer scharfen Rebschere auf Längen von ca. 30 cm gekürzt und die Teilstücke wurden aufgerollt. Besser, weil schärfer, ist die Verwendung einer elektrisch getriebenen Laubsäge (Dekupiersäge). Auf diese Weise erhält man schnell viele Röhrchen, die vorne nicht zerfasert sind. Einige Arten nehmen aber auch Schilfhalme an, die »nur« mit einer Rebschere geschnitten wurden und daher vorne etwas zerfasert sind. In der nachstehend abgebildeten Rolle und in dem käuflichen Nistkasten nisten Mauerbienen, Scherenbienen, Löcherbienen, Maskenbienen und diverse Grab- und Faltenwespen mit ihren Gegenspielern. Es besteht allerdings die Gefahr, daß Meisen oder Spechte während des Winters die relativ dünnen Stengelwände aufhacken und die Brut fressen. Für Gelbhals- oder Waldmäuse zugängliche Halme erleiden manchmal das gleiche Schicksal. Ein Maschendraht kann die Nester in der kalten Jahreszeit schützen.

Schilfrolle

Schilfrolle

Schwegler-Schilfkasten

Käuflicher Nistkasten mit Schilfhalmen (Fa. Schwegler)

Osmia cornuta an Schilfhalmen

Teil eines käuflichen Nistkastens (Fa. www.Wildbienenschreiner.de) mit besiedelten Schilfhalmen und aus den vorjährigen Nestern frisch geschlüpften Männchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta).

Pappröhrchen

Käufliche Pappröhrchen mit einem Innendurchmesser von 6-9 mm werden meistens nur von der Gehörnten und der Rostroten Mauerbiene (Osmia cornuta, O. bicornis) genutzt. Sie müssen nach dem Schlüpfen der Mauerbienen ausgetauscht werden, da sie sich nicht reinigen lassen.

Hartholz mit Bohrgängen

Für eine weitere Art von Nisthilfen benötigen wir abgelagertes, entrindetes Hartholz , in das wir Gänge mit unterschiedlicher Weite bohren und damit die natürlichen Gänge holzbewohnender Käfer, Schmetterlinge oder Hautflügler nachahmen. Geeignet sind das Holz von Esche, Buche, Hainbuche oder Eiche, wobei Eschenholz zu bevorzugen ist, weil es weniger leicht reißt. Die Trocknung entspricht der von Brennholz. Keinesfalls darf es mit Holzschutzmitteln behandelt sein. Nadelholz (Fichte, Tanne, Kiefer) ist nicht einmal als Notbehelf geeignet, da sich seine Fasern nach dem Bohren bei Feuchtigkeit wieder aufrichten, die Bienen aber glatte Innenwandungen bevorzugen. Nadelholz-Blöcke bleiben daher meistens nur sehr schwach oder gar nicht besiedelt. Ich selbst bevorzuge Eschenholz. Eichenholz kann man auch nehmen, es wird allerdings um so härter, je älter es ist und führt leicht zur Überhitzung der Bohrer bei der Anfertigung der Bohrgänge. Buchenholz ist zwar ebenfalls geeignet, es neigt aber eher zum Reißen als Eschenholz. Die Abstände zwischen den Bohrungen sollten deshalb etwas größer sein als z. B. bei Eschenholz. Zum Bohren nehmen wir eine elektrische Bohrmaschine oder – falls verfügbar – einen Bohrständer.

Größe und Form der Nisthilfen sind eigentlich unerheblich, Blöcke können aber die Handhabung deutlich erleichtern, vor allem beim Glätten der Bohrungen. Etwa ziegelsteingroße Hartholzreste (von einer Schreinerei, einer Sägerei oder einer Stielfabrik) sind besonders gut zu handhaben. Dicke Äste, wie man sie im Wald findet oder beim Förster bekommt, sind nur geeignet, wenn sie nach der »Ernte« lange genug getrocknet wurden. Sie sind aber eher ein Notbehelf. Ich selbst bevorzuge 7 cm starkes Dielenholz, das mindestens 2 Jahre trocken gelagert wurde und lasse es vom Schreiner in entsprechend große Blöcke sägen (z. B. 7 cm breit, 20 cm hoch, 15 cm tief). In das Holz werden Gänge von 5–10 cm Tiefe und eine Durchmesser von 2–8 mm (oder 9 mm für die Gehörnte Mauerbiene) gebohrt. Die Bohrungen sind so tief, wie der Bohrer aus dem Bohrfutter herausschaut. Das heißt, Bohrungen mit kleinem Durchmesser sind weniger tief als solche mit großem Durchmesser. Durchmesser von 8–9 mm sollten aber mindestens 9–10 cm tief sein, weil ansonsten zu viel Licht in die Gänge fällt und die Bohrungen weniger attraktiv sind. Wenn man den Holzblock durchbohrt, dann muß man die Löcher mit Watte verschließen oder auf der Rückwand eine Platte anbringen. Die Gänge müssen immer völlig dunkel sein, da sie ansonsten nicht von den Wildbienen genutzt werden.

Empfehlenswert ist die Kombination verschieden weiter Gänge in einer Nisthilfenanlage, doch sollten Durchmesser von 3–6 mm überwiegen, weil diese von mehr Arten besiedelt werden als Gänge mit größerem Durchmesser. Die Abstände zwischen den Bohrungen sollten mindestens 10 mm (bei Bohrungen von 8–6 mm Durchmesser) bzw. 6 mm (bei Bohrungen von 3–5 mm Durchmesser) betragen. Die einzelnen Arten wählen dann die ihrer eigenen Größe (Kopfbreite) entsprechenden Bohrgänge zum Nestbau aus. Wenn beim ersten Bohrgang die Bohrungen nicht sauber sind und noch querstehende Fasern aufweisen, bohrt man nach dem Abschleifen nochmals nach. Dies wird erleichtert durch die Verwendung eines Bohrständers.

Wenn bestimmte Arten die Nisthilfen nicht besiedeln, kann dies daran liegen, daß der von ihnen bevorzugte Durchmesser nicht (mehr) vorhanden ist. Ich empfehle hinsichtlich des Durchmessers zwei unterschiedliche Typen von Nisthilfen: Nistblöcke mit Gängen mit einem Durchmesser von 2–5 mm und solche mit Gängen von 6–9 mm Durchmesser; die Kombinationen von Bohrweiten werden also auf verschiedene Nistblöcke verteilt. Dies erleichtert die Kontrolle und spätere Pflege und Reinigung der verlassenen Nester v. a. von Gehörnter und Rostroter Mauerbiene. Natürlich sind auch Blöcke geeignet, die jeweils nur Bohrungen ein und desselben Durchmessers aufweisen.

Die Holzoberfläche wird nach dem Bohren mit feinem Sandpapier geglättet, damit die Nesteingänge nicht durch eventuell querstehende Fasern versperrt werden.

»Profis« nehmen hierzu einen elektrischen Schwingschleifer. Leider wird gerade das Abschleifen allzuoft vernachlässigt. Wer eine Kreissäge zur Verfügung hat, kann nach dem Bohren das Holzstück nochmals 2 mm tief absägen. Dann erhält man besonders glatte Eingänge. Das Bohrmehl wird herausgeklopft. Bei Buchenholz kommt es bei Bohrungen von 8 oder 9 mm Durchmesser durch Witterungseinflüsse gerne zu Rissen. Gespaltene Gänge werden aber von den Bienen kaum angenommen, weil hier die Gefahr einer Parasitierung viel höher ist. Wer also Buchenholz verwendet und viele Gänge nebeneinander bohren will, sollte die Bohrgänge nicht zu dicht (Abstand 15 mm) anordnen. Bei Durchmessern von 2–4 mm können die Gänge dichter (Abstand 6 mm) nebeneinander gesetzt werden. In der Regel erweist es sich außerdem immer als besser, nicht in das Stirnholz (Hirnholz) zu bohren, sondern quer zur Holzmaserung, also von der Seite, auf der vorher die Rinde war (Längsholz). Zwar nisten in Bohrgängen, die sich im Hirnholz befinden, bisweilen auch einzelne Exemplare von Gehörnter oder Rostroter Mauerbiene. Wer aber ein größeres Artenspektrum zum Ziel hat, der sollte grundsätzlich ins Längsholz bohren.

Nistblock

Zwei Nisthilfen aus gut abgelagertem Eschenholz, das ich von einer Stielfabrik bezogen habe. Der linke Holzblock enthält Bohrungen von 3,5 mm Durchmesser speziell für Arten wie die Hahnenfuß-Scherenbiene (Chelostoma florisomne) und die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi) sowie die Gewöhnliche Löcherbiene (Heriades truncorum). Diese Arten bevorzugen diesen Durchmesser.

Der rechte Block enthält Bohrungen von 8 mm Durchmesser für die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta). 9 mm Bohrweite ist für diese Art besonders attraktiv. Die Weibchen dieser Art erzeugen dann große und auch mehr Weibchen als Männchen, wenn sie solche Hohlräume zur Verfügung haben.

Je unterschiedlicher demnach die von uns hergestellten Bohrungen in Holz sind, desto mehr Arten können wir damit anlocken und fördern. Die Bohrungen können in Reih und Glied angeordnet werden oder unregelmäßig verteilt sein.

Bohrungen für Nisthilfe

Teil einer Nisthilfe aus Buchenholz.

So glatt wie auf diesem Bild sollten die Gänge bzw. Eingänge sein und zwar bei allen Durchmessern. Gut getrocknetes, massives Eschen- oder Buchenholz sind hierfür besonders geeignet. Gute Bohrer und Schmirgelpapier sind ebenfalls Vorausssetzung für die Fertigung attraktiver Gänge. Für die zusätzliche Zeit wird man mit einer besseren Besiedlung belohnt. Bitte stets die Bohrung ins Längsholz durchführen (auf Maserung achten)! Hier wurden kleine und große Durchmesser in ein und demselben Block geschaffen. Ich empfehle aber, Bohrungen von 2–5 mm und Bohrungen von 6–8 mm auf verschiedene Blöcke zu verteilen, weil dies die spätere Kontrolle der Besiedlung und Reinigung erleichtert.

Weitere Beispiele

Diese Nisthilfen wurden mir zur Beurteilung geschickt.

Links: 28,5 x 8,6 cm; Nisthilfe aus Eschenholz mit Bohrgängen von 3,5 bis 8 mm Durchmesser. Mehr Bohrungen mit 6 und 8 mm wären hier sinnvoll. Auch die Abstände könnten etwas kleiner sein. Mitte: 20 x 8 cm; Nisthilfe aus Buchenholz mit Bohrgängen von 8 mm (oben) bis 3 mm (unten); Abstand der Bohrungen zu groß. Rechts: 14 x 7,5 cm; käufliche Nisthilfe aus Buchenholz (von Manfred Frey). Bohrgänge von 3 mm bis 8 mm; richtiger Abstand der Bohrungen. [Großansicht: auf die Abbildung klicken.]

  • Ammobates punctatus
    Links: 28,5 x 8,6 cm; Nisthilfe aus Eschenholz mit Bohrgängen von 3,5 bis 8 mm Durchmesser. Mehr Bohrungen mit 6 und 8 mm wären hier sinnvoll. Auch die Abstände könnten etwas kleiner sein. Mitte: 20 x 8 cm; Nisthilfe aus Buchenholz mit Bohrgängen von 8 mm (oben) bis 3 mm (unten; Abstand der Bohrungen zu groß). Rechts: 14 x 7,5 cm; käufliche Nisthilfe aus Buchenholz (von Manfred Frey). Bohrgänge von 8 mm bis 3 mm; richtiger Abstand der Bohrungen

Mein Tip: Wenn man eigens für die frühfliegenden Mauerbienen (Gehörnte und Rostrote Mauerbiene), die die alten Nester nur ausnahmeweise (<1%) und nur auf den letzten Zentimetern reinigen, Nistblöcke herstellt (gilt nur für Bohrungen mit 6–9 mm Durchmesser), kann man diese nach zwei Brutperioden vor dem nächsten Schlüpftermin im zeitigen Frühling in einen allseits geschlossenen Karton legen, in dessen Seite man ein Ausflugsloch von 1–2 cm Durchmesser geschnitten hat. Wenn dann die Mauerbienen schlüpfen, verlassen sie den Karton durch das Ausflugsloch, kehren aber meistens nicht wieder in diesen zum Nisten zurück. Dann hat man die Gewähr, daß aus den Nestern alle Bienen geschlüpft sind und die Bohrungen somit keine Nestinsassen mehr beherbergen. Dann kann man die Bohrungen säubern und im kommenden Frühling (dem Jahr 4 seit dem ersten Anbieten) den Nistblock wieder als Nistgelegenheit verwenden.
Ein Beispiel:
2020: Erstbesiedlung
2021: Schlüpfen und vereinzelt Zweitbesiedlung im vordersten Teil des Hohlraums
2022: In Karton legen und nach dem Schlüpfen reinigen
2023: Gesäuberte Bohrungen wieder anbieten

Auf diese Weise verwende ich hölzerne Nistblöcke schon seit über 20 Jahren. So können sich auch Diebskäfer und Buntkäfer als Nutznießer und besonders geschützte (!) Gegenspieler entwickeln, die zur Lebensgemeinschaft der Mauerbienen zählen. Vereinzelt kann es aber vorkommen, daß ein geschlüpftes Mauerbienenweibchen auf seiner Suche nach einer Nistmöglichkeit durch das Ausflugsloch in den Karton schlüpft und entgegen unserer Erwartung doch im Innern ein Nest baut. Wenn das Weibchen nicht mehr auftaucht und seine Arbeit beendet hat, kann man dann im Innern einen frischen Nestverschluß finden, den man dann natürlich unversehrt läßt.

Ist eine Reinigung notwendig?

Wenn im Winter die Brutröhren der Gehörnten bzw. der Rostroten Mauerbiene aufgebrochene Nestverschlüsse aufweisen, kann dies das Ergebnis von Kohl- oder Blaumeisen sein, die (vergeblich) versucht haben, an die Larven heranzukommen. Es kann aber auch heißen, daß der Hohlraum im Vorjahr nicht erneut besiedelt wurde. Dann sollte man die Gänge von den darin befindlichen Resten von Kokons, Lehm und Kot reinigen und für die nächste Saison wieder anbieten (siehe »Mein Tip«). Diese Arbeiten sollten aber bis Ende Februar abgeschlossen sein, weil Anfang März schon die ersten Mauerbienen geschlüpft sein können und dann ebenfalls die vorher intakten Nestverschlüsse aufgebrochen sind. Später fliegende Arten wie Scherenbienen (Chelostoma) und Löcherbienen (Heriades) sowie Osmia adunca reinigen alte Nester meist, um sie erneut zu nutzen. Um wirklich sicher zu sein, welche Arten welche Bohrungen wann besiedelt haben, empfiehlt sich eine kontinuierliche Beobachtung der Nistaktivitäten. Aber dies sollte eigentlich bei einem seriösen Einsatz von Nisthilfen ohnehin selbstverständlich sein.

Nisthilfen lediglich anzubieten und danach dauerhaft sich selbst zu überlassen, verschlechtert die Bedingungen für die Bewohner und mindert die Beobachtungsmöglichkeiten.

Charakteristische Arten der Nisthilfen für Hohlraumbewohner und ihre bevorzugten Durchmesser


  • Chelostoma campanularum (Scherenbienen-Art) — Bevorzugter Durchmesser: 2 mm
  • Chelostoma distinctum (= Osmia cantabrica) (Scherenbienen-Art) — Bevorzugter Durchmesser: 2 mm
  • Chelostoma florisomne (= Osmia florisomnis) (Hahnenfuß-Scherenbiene) [Steckbrief] — Bevorzugter Durchmesser: 3,5–4 mm
  • Chelostoma rapunculi (= Osmia rapunculi) (Glockenblumen-Scherenbiene) [Steckbrief] — Bevorzugter Durchmesser: 3,5–4 mm
  • Hylaeus communis und weitere Hylaeus-Arten (Maskenbienen) [Steckbrief] — Bevorzugter Durchmesser: 3–4 mm
  • Heriades truncorum (= Osmia truncorum) (Gewöhnliche Löcherbiene) [Steckbrief] — Bevorzugter Durchmesser: 3–3,5 mm
  • Heriades crenulatus (= Osmia crenulata) (Gekerbte Löcherbiene) * — Bevorzugter Durchmesser: 3–3,5 mm
  • Megachile centuncularis (Blattschneiderbienenart) — Bevorzugter Durchmesser: 5 mm
  • Megachile ericetorum (Platterbsen-Mörtelbiene)* [Steckbrief] — Bevorzugter Durchmesser: 6 mm
  • Megachile rotundata (Luzerne-Blattschneiderbiene) * [Steckbrief] — Bevorzugter Durchmesser: 5–6 mm
  • Megachile sculpturalis (Asiatische Mörtelbiene) * [siehe hier] (in Ausbreitung, bislang nur im Süden Deutschlands) — Bevorzugter Durchmesser: 8–10 mm
  • Megachile versicolor (Blattschneiderbienenart) — Bevorzugter Durchmesser: 5 mm
  • Megachile willughbiella (Garten-Blattschneiderbiene) — Bevorzugter Durchmesser: 6 mm
  • Osmia adunca (Glänzende Natterkopf-Mauerbiene) [Steckbrief] (nur bei artgerechtem Futterangebot) — Bevorzugter Durchmesser: 5–6 mm
  • Osmia bicornis (= Osmia rufa) (Rostrote Mauerbiene) [Steckbrief] — Bevorzugter Durchmesser: 5–7 mm
  • Osmia brevicornis (Schöterich-Mauerbiene) * [Steckbrief] (selten und nur bei artgerechtem Futterangebot) — Bevorzugter Durchmesser: 5 mm
  • Osmia caerulescens (Stahlblaue Mauerbiene) [Steckbrief] — Bevorzugter Durchmessern: 4–5 mm
  • Osmia cornuta (Gehörnte Mauerbiene) [Steckbrief] — Bevorzugter Durchmesser: 7–9 mm
  • Osmia leaiana (Distel-Mauerbiene) (selten und nur bei artgerechtem Futterangebot) — Bevorzugter Durchmesser: 5 mm
  • Osmia niveata (Mauerbienenart) (selten und nur bei artgerechtem Futterangebot) — Bevorzugter Durchmesser: 5 mm

Anmerkung: Die mit * gekennzeichneten Arten kommen in Deutschland nicht in allen Bundesländern vor oder treten als Besiedler seltener auf.

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