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Megachile rotundata

(Fabricius 1787)

Luzerne-Blattschneiderbiene

male Megachile_rotundata - Männchen

male Megachile_rotundata - Weibchen

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    male Megachile_rotundata - Männchen
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    male Megachile_rotundata - Weibchen

Verbreitung

Süd- und Mitteleuropa, nordwärts bis Süd-Finnland, aber nicht in Schweden. Vermutlich in den dreißiger oder vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in die USA eingeschleppt. – In Deutschland vor allem im Süden, aber auch im Norden, dort aber nur vereinzelt.

Lebensraum

Binnendünen, Sand- und Lehmgruben, Trockenhänge sowie Böschungen und Hohlwege im Weinbauklima, Hochwasserdämme in Kontakt zu Auwäldern, südexponierte und strukturreiche Waldränder, auch im Siedlungsbereich in Parkanlagen, an Ruderalstellen und in Gärten.

Nistweise

Nistet in vorhandenen, oberirdischen Hohlräumen, v.a. in Fraßgängen in totem Holz und in hohlen Pflanzenstengeln; auch in Hohlräumen in Löß- und Lehmwänden. Besiedelt auch Nisthilfen, z.B. Bohrungen in Holz, Bambusrohr, Trinkhalme (Durchmesser 6 mm, Gangtiefe 8-10 cm). Ausgesprochen geselliges Nistverhalten, wodurch unter künstlichen Bedingungen eine außerordentlich große Populationsdichte erreicht werden kann. Als Baumaterial für die Brutzellen dienen sowohl Ausschnitte von Blüten verschiedener Pflanzen, z. B. von Pelargonium zonale, Hortensia, Rosa, aber auch Laubblätter von Wolfsmilch (Euphorbia), Luzerne (Medicago), Reseden (Reseda), Flieder (Syringa), Weinrebe (Vitis) und Granatapfel (Punica granatum). Die Nester sind Linienbauten. Die Weibchen zeigen unter günstigen Bedingungen eine hohe Reproduktionsrate und können maximal 39 Brutzellen versorgen.

Megachile rotundata

Die Blattausschnitte werden in den Oberkiefern im Flug zum Nest gebracht.


Megachile rotundata am Nest

Ein Weibchen ist am Nesteingang in einer hölzernen Nisthilfe gelandet und wird damit die Brutzelle bauen. Längliche Blattauschnitte werden für die Seitenwände, rundliche für den Boden und den Deckel verwendet.

Die folgenden Fotos zeigen die Materialstelle und das Schneiden eines Blattausschnittes für den Brutzellenbau. Die Aufnahmen entstanden bereits 1990 südlich von Karlsruhe.

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    Diese langsam verwelkende Wolfsmilch (Euphorbia spec.) diente einem Weibchen von Megachile rotundata als Lieferant für Baumaterial.

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    Das Weibchen beginnt mit dem Ausschneiden aus einem welken Laubblatt der Wolfsmilch.

  • Scan-19900730-29.jpg

    Wie mit einer Schere schneidet das Weibchen in das Blättchen.

  • Scan-19900730-30.jpg

    Entscheidend ist der richtige Radius, damit das Blattstückchen die passende Form für den Bau der Brutzelle hat.

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    Gleich wird das Weibchen mit dem Blattausschnitt zum Nest fliegen.

Megachile rotundata Nest

Ein Nest von Megachile rotundata in einem Bambusröhrchen mit vier Brutzellen.

Megachile rotundata Nestverschluß

Das Nest wird nach außen mit runden Blattausschnitten verschlossen.


Blütenbesuch

Die Art ist polylektisch. Bislang sind Vertreter von 6 Pflanzenfamilien als Pollenquellen bekannt.

  • Amaryllidaceae
  • Gelber Lauch (Allium flavum)
  • Apiaceae
  • Feld-Mannstreu (Eryngium campestre)
  • Flachblättriger Mannstreu (Eryngium planum)
  • Asteraceae
  • Zwerg-Alant (Inula ensifolia)
  • Rauher Alant (Inula hirta)
  • Crassulaceae
  • Felsen-Fetthenne (Sedum reflexum)
  • Fabaceae
  • Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus)
  • Weißer Steinklee (Melilotus alba)
  • Hasen- Klee (Trifolium arvense)
  • Weißklee (Trifolium repens)
  • Luzerne (Medicago sativa)
  • Liliaceae
  • Kugel-Lauch (Allium spaerocephalon)

Die Blütenstetigkeit der Weibchen variiert. Zahlreiche von mir untersuchte Pollenladungen enthielten ausschließlich Pollen einer Pflanzenart aus einer der 3 Familien. Andere waren Mischladungen von 2 Arten aus 1–2 Pflanzenfamilien, meist Fabaceen und Lamiaceen. –
Die Männchen zeigen ein charakteristisches interspezifisches Territorialverhalten. Als Territorium dienen die Nektar- und/oder Pollenquellen der Weibchen, die gegen »Eindringlinge«, das sind andere Blütenbesucher, verteidigt werden.

Die Art ist zum bedeutendsten Bestäuber der Luzerne in den USA und in anderen Ländern geworden. Nach einer Beobachtung von Tepedino (1983) waren die Weibchen in der Lage, auch 500 m weit weg vom Nistplatz zu sammeln.

Megachile rotundata

Ein Weibchen bei der Pollenernte am Zwerg-Alant (Inula ensifolia).

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Kuckucksbienen

Bisher wurde lediglich Coelioxys echinata (= Coelioxys rufocaudata) aufgrund zahlreicher Zuchten und Beobachtungen als Futterparasit bekannt. Diese Art ist jedoch weitaus seltener als der Wirt.

Phänologie

Univoltin. Flugzeit von Ende Juni bis Mitte August (Anfang September).

Gefährdung und Schutz

Die Art ist in den vergangenen zwanzig Jahren nicht nur lokal häufiger geworden, sondern hat sich auch (Klimawandel?) ausgebreitet. Sie besiedelt in blütenreichen Gärten gerne Nisthilfen. Sie ist derzeit nicht im Bestand bedroht.

Ein Männchen trinkt Nektar im Blütenstand des Feld-Mannstreus (Eryngium campestre).

Ein Männchen im Blütenstand des Zwerg-Alants (Inula ensifolia).

Ein Weibchen verköstigt sich in einer Blüte des Scharfen Mauerpfeffers (Sedum acre) mit Nektar. Das Foto entstand auf einem begrünten Flachdach.