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Verbesserung des Nahrungsangebots -1-
Bäume und Sträucher

Salix caprea

Prunus spinosa, Schlehe

Blühende Schlehe (Prunus spinosa)

Nadelgehölze bieten Wildbienen keine Nahrung. An ihrer Stelle pflanzen wir besser solche Blütengehölze, die sich als attraktiv für Wildbienen erwiesen haben. Gute Futterquellen sind z. B.

  • Weißdorn (Crataegus)
  • Schlehe (Prunus spinosa)
  • Süßkirsche (Prunus avium)
  • Japanische Zierkirschen, ungefüllt (Prunus subhirtella, Prunus serratula)
  • Kirschpflaume (Prunus cerasifera 'nigra')
  • Wildrosen (Rosa)
  • Berberitze (Berberis vulgaris)
  • Alpen-Johannisbeere (Ribes alpinum), Johannis- und Stachelbeere (Ribes)
  • Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Feld-Ahorn (Acer campestre) und Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus)
  • Eichen (Quercus)
  • Weiden (Salix), vor allem Sal-Weide (Salix caprea), aber auch Mandel-Weide (Salix triandra) und Purpur-Weide (Salix purpurea)
  • Ginster (Cytisus scoparius) und Pfriemenginster (Spartium junceum)
Andrena haemorrhoa auf Schlehe

An blühenden Schlehen kann man vor allem Frühlingsarten der Gattungen Andrena (Sandbienen) und Nomada (Wespenbienen) beobachten. Hier besucht ein frisch geschlüpftes Weibchen von Andrena haemorrhoa eine Schlehenblüte.

Prunus serratula

Die Japanischen Zierkirschen (Prunus serrulata, Prunus subhirtella) sind zwar nicht heimisch, liefern aber für die Weibchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) und für die ersten Hummelköniginnen (Bombus pratorum, Bombus terrestris/lucorum) reichlich Pollen, wenn auch nur für wenige Tage und nur bei trockenem Wetter. Varianten mit gefüllten Blüten sind für die Bienen allerdings wertlos. Auch die verwandten Aprikosen (Prunus armeniaca) und Mandeln (Prunus dulcis) sowie die Kirschpflaume (Prunus cerasifera) sind für Frühlingsbienen sehr attraktiv.

Salix caprea Männchen

Männliche Blüten der Sal-Weide (Salix caprea) und ein Weibchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta).

Salix caprea Weibchen

Weibliche Blüten der Sal-Weide (Salix caprea).

Andrena fulva Weibchen an Johanniesbeere

Weibchen von Andrena fulva (Fuchsrote Sandbiene) beim Besuch von Blüten der Roten Johannisbeere (Ribes rubrum).

Bombus hypnorum an Brombeere

Arbeiterinnen von Bombus hypnorum (Baumhummel) besuchen sehr gerne die Blüten von Brombeeren (hier) und Himbeeren (Rubus).

Spartium junceum

Der in Mitteleuropa schon lange im Weinbauklima kultivierte Pfriemenginster oder Binsenginster (Spartium junceum) ist bei der Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violacea) als Pollenquelle sehr beliebt.

Tetradium

Eine mächtige Stinkesche (Tetradium daniellii) im Schaugarten für Duftpflanzen und Kräuter der Gärtnerei Syringa in Binningen (Hegau). Im Jahr 1997 hatte Bernd Dittrich (†) begonnen, die inzwischen weithin bekannte Anlage aufzubauen.

Die Samthaarige Stinkesche (Tetradium daniellii), von Imkern auch Bienenbaum oder Honigesche genannt, ist bei der Honigbiene äußerst beliebt. Deswegen sind an seinen Blüten im Juli und August oft Hunderte von Honigbienen zu beobachten. Wildbienen sind bislang kaum als Besucher bekannt geworden. Am ehesten sind Schmalbienen (Lasioglossum) zu erwarten. Bisher wurde nur die adventive Asiatische Mörtelbiene (Megachile sculpturalis) im Tessin bei der Pollenernte festgestellt. Auch in Deutschland kommt dieser Baum als Pollenquelle dieser Bienenart in Frage. Der ursprünglich im nördlichen China und in Korea heimische Baum, ein Vertreter der Familie der Rautengewächse (Rutaceae), kann eine Höhe von 20 Metern erreichen. Seine Blüten durften angenehm, ganz im Gegenteil zu zerriebenen Blättern, die intensiv riechen. Daher auch der Name Stinkesche.

Die Tendenz, auch nichtheimische Bäume in den Städten zu pflanzen, wird durch den Klimawandel und dadurch verursachte größere Hitze und Trockenheit befördert. Heimische Baumarten leiden unter dem zunehmenden Wassermangel und werden anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Fremdländische Baumarten bzw. -sorten werden in Zukunft also zunehmen. Auf die Pflanzung der für Hummeln problematischen Silber-Linden (Tilia tomentosa) sollte jedoch verzichtet werden (siehe hierzu das entsprechende Kapitel in »Die Wildbienen Deutschlands« S. 353).

Japanischer Schnurbaum

In Reutlingen wurden vor einigen Jahren über 100 Schnurbäume rund um die neue Stadthalle gepflanzt.

Der auch in Deutschland seit Jahrzehnten in Parks und Alleen als Zierpflanze kultivierte Japanische Schnurbaum (Styphnolobium japonicum) ist in Europa die am häufigsten genutzte Pollenquelle der Asiatischen Mörtelbiene (Megachile sculpturalis). Die Weibchen sammeln den dunkelgelben Pollen an den charakteristischen Blüten dieses zu den Schmetterlingsblütlern (Fabaceae) gehörenden Baums. Auch aus Nordamerika wurde diese Baumart als »Wirtspflanze« (»host plant«) gemeldet. Betrachtet man das gesamte Verbreitungsgebiet der Art, fällt auf, daß offensichtlich Bäume und Sträucher als Pollenquellen bevorzugt werden, die auch in Mitteleuropa in Gärten und Parks gepflanzt werden: Blasenesche (Koelreuteria paniculata) (Herkunft: China), Glänzender Liguster (Ligustrum lucidum) (Herkunft: China und Japan), Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) (Mittelmeerraum und Eurasien bis Pakistan). Mehr als die Hälfte der bislang bekannt gewordenen Pollenquellen stammt aus Asien und wurde in viele Länder eingeführt. Möglicherweise ist es gerade dieser Umstand, der die Etablierung und Ausbreitung dieser adventiven Bienenart gefördert hat und weiterhin fördern wird.

Buddleja

Zwei wegen ihres auffälligen Erscheinungsbildes beliebte und besonders häufig gepflanzte Sträucher sind die Forsythie (Forsythia) und der Sommerflieder (Buddleja davidii). An den gelben Blüten der aus China stammenden Forsythie kann man – jedenfalls hierzulande – so gut wie nie Wildbienen als Pollensammler beobachten. Ihre Bedeutung geht daher nicht über die für das menschliche Auge gelbe, aber kurzlebige Pracht im Frühling hinaus. Die orangefarbenen, weißen oder rosa- bis puprpurfarbenen Blüten des Sommerflieders, der außer in Gärten auch auf aufgelassenen Bahngleisen und Industrieflächen wächst, dienen verschiedenen Tagfaltern als beliebte Nektarquelle. Daher auch der Name Schmetterlingsflieder. Gelegentlich wird der Nektar im Juli und August auch von verschiedenen Hummelarten (z. B. Bombus hypnorum, Bombus terrestris) getrunken. Völlig ungeeignet ist der Sommerflieder allerdings als Pollenquelle heimischer Wildbienen. Er stammt aus China und Tibet und wird als (potentiell) invasiver Neophyt eingestuft.

Acer platanoides

Auch der Ahorn, hier Spitz-Ahorn (Acer platanoides), ist vor allem im Siedlungsraum eine wichtige Pollenquelle des Frühlings, vor allem für Sandbienen (Andrena) und die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta).

Gehölze und als Pollensammler daran als Pollensammler festgestellte solitäre Wildbienen

  • Weißdorn (Crataegus): 21 Arten (Gattungen Andrena, Halictus, Osmia).
  • Schlehe (Prunus spinosa): 19 Arten (Gattungen Andrena, Lasioglossum, Osmia).
  • Kirschen und verwandte Gehölze (Prunus): 20 Arten (Gattungen Andrena, Anthophora, Halictus, Lasioglossum, Osmia).
  • Wildrosen (Rosa): 12 Arten (Gattungen Andrena, Megachile, Osmia).
  • Berberitze (Berberis vulgaris): 5 Arten (Gattung Andrena).
  • Johannis- und Stachelbeere (Ribes): 7 Arten (Gattungen Andrena, Anthophora).
  • Ahorn (Acer): 16 Arten (Gattungen Andrena, Colletes, Lasioglossum, Osmia).
  • Eichen (Quercus): 13 Arten (Gattungen Andrena, Lasioglossum, Osmia).
  • Weide (Salix): 54 Arten (Gattungen Andrena, Colletes, Halictus, Lasioglossum, Osmia).

Die genannten Gehölze werden auch von den Königinnen einiger Hummelarten (Bombus) als Pollenquellen genutzt.


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Lediglich einmal fand ich eine Königin von Lasioglossum malachurum, einer ausgesprochen polylektischen Art, bei der Pollenernte.