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Megachile ericetorum

Lepeletier 1841

Platterbsen-Mörtelbiene

male Megachile ericetorum - Männchen

male Megachile ericetorum - Weibchen.

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    male Megachile ericetorum - Männchen
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    male Megachile ericetorum - Weibchen

Kennzeichen

Größe: 13–15 mm. Beide Geschlechter durch die Größe und die nicht unterbrochenen hellen Haarbinden auf den Tergiten 2–5 im Feld gut kenntlich. [Großansichten: auf Bild klicken]

Halictus scabiosae

Megachile ericetorum, Männchen frontal

Megachile ericetorum

Megachile ericetorum, Weibchen frontal

Verbreitung

In Deutschland weit verbreitet, auch im Norddeutschen Tiefland. Mäßig häufig. – Österreich, Schweiz.

Lebensraum

Magerrasen, Sand- und Lehmgruben, Flugsandfelder, Großböschungen im Kaiserstuhl, strukturreiche, alte Weinbergbrachen, trockenwarme Ruderalstellen; in den wärmebegünstigten Gebieten regelmäßig auch im Siedlungsbereich (Ruderalstellen, Gärten). Als Nistplätze dienen v. a. Abbruchkanten, Steilwände, Gemäuer sowie Nisthilfen für Hohlraumbesiedler.

Lathyrus latifolius

Eine brachgefallene Streuobstwiese mit größerem Bestand der Breitblättrigen Platterbse (Lathyrus latifolius), hier ein Gartenflüchter. An solchen Stellen können während der Blütezeit regelmäßig Männchen und Weibchen von Megachile ericetorum beobachtet werden. [Für Großansicht auf Bild klicken]

  • Wiese
    Eine brachgefallene Streuobstwiese mit größerem Bestand der Breitblättrigen Platterbse (Lathyrus latifolius), hier ein Gartenflüchter. An solchen Stellen können während der Blütezeit regelmäßig Männchen und Weibchen von Megachile ericetorum beobachtet werden.

Nistweise

Nistet in vorhandenen Hohlräumen von Steilwänden und Abbruchkanten (Sand, Löß, Lehm), in verlassenen Nestern von Pelzbienen (Anthophora plagiata, Anthophora quadrimaculata), in altem Schilfrohr, in Hohlräumen in den Mörtelfugen von Gemäuern, in Ritzen von Trockenmauern, in Hohlziegeln sowie regelmäßig auch in künstlichen Niströhren. Bonelli berichtet von einem Nest, dessen 14 Brutzellen in den verlassenen Kokons eines Nestes der Mauerbienenart Osmia mustelina angelegt waren. Die zylinderförmigen, auffallend dickwandigen, in der Regel linear angeordneten Brutzellen werden aus Mörtel (Lehm, Sand) gebaut und innen mit Harz bislang unbekannter Herkunft ausgekleidet, wobei das Harz eine glasige Schicht bildet. Bei den meist linear angeordneten Zellen ist der Deckel einer Zelle zugleich der Boden der nächstfolgenden. Der Kokon der Larve ist häutig, braun und schwach durchscheinend. (Bellevoye 1884, 1897, Benoist 1940, Bonelli 1969, Ferton 1896, Gerstäcker 1869, Grandi 1954, Grozdanić & Mućalica 1968, Höppner 1899, Hoop 1971, Malyshev 1936, Niemelä 1936, Schütze 1921, Westrich 2019).

Megachile ericetorum
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    Ein Weibchen beim Reinigen eines Nistganges in einem Schilfhalm. Im Rückwärtsflug wird der in den Mandibeln gesammelte Schutt fallengelassen.

Ein Weibchen beim Reinigen eines Nistganges in einem Schilfhalm. Im Rückwärtsflug wird der in den Mandibeln gesammelte Schutt fallengelassen. [Großansicht durch Klick auf Bild]

Megachile ericetorum

Ein Weibchen von Megachile ericetorum mit pollengefüllter Bauchbürste im Anflug an das Nest in einem Bambusröhrchen.

Megachile ericetorum

Das Weibchen in am Bambusröhrchen gelandet und wird nun zunächst den im Vorderdarm mitgebrachten Nektar abgeben und anschließend den Pollen aus der Bauchbürste kämmen.

Megachile ericetorum

Ein Weibchen vor dem Nest in der Höhlung einer Lößwand.

Megachile ericetorum

Ein Weibchen beim Verschließen seines Nestes in einer Bohrung eines Holzblocks. Baumaterial: Lehm.

Megachile ericetorum Nest

Nest in einem Schilfhalm. Nesteingang rechts.

Megachile ericetorum Nest

Nest in einem röhrenformigen Hohlraum in Holz. Nesteingang rechts.

Megachile ericetorum Harzauskleidung

Der Blick in eine im Bau befindliche Brutzelle zeigt die glasige Auskleidung mit Harz, dessen Herkunft ungeklärt ist.

Megachile ericetorum Ei

Geöffnete Brutzelle von Megachile ericetorum mit dem Ei auf dem Larvenproviant.

Megachile ericetorum Larve

Geöffnete Brutzelle von Megachile ericetorum mit einer wenige Tage alten Larve neben dem zähflüssigen Futterbrei.

video Das folgende kurze Video (6 min 24 sec, 265 MB) zeigt zunächst den Bau einer Brutzelle in einem röhrenförmigen Hohlraum und die Verwendung von Lehm als Baumaterial. Es folgt die Auskleidung der Brutzelle mit Harz. Diese Tätigkeit ist im Detail wegen der Lehmwandung nicht zu sehen, doch kann man für einen Moment die Verarbeitung des Harzes mit den Mandibeln am Rand der Brutzelle sehen. Dann folgt die Abgabe des Nektars aus dem Vorderdarm und die Verproviantierung der Brutzelle mit dem in der Bauchbürste gespeicherten Pollen. [Auch im Vollbildmodus (1920x1080px) möglich; ohne Ton]

Blütenbesuch

Oligolektische, auf Fabaceae (Schmetterlingsblütler) spezialisierte Art.

  • Pollenquellen
  • Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus)
  • Breitblättrige Platterbse (Lathyrus latifolius)
  • Verschiedenblättrige Platterbse (Lathyrus heterophyllus)
  • Wald-Platterbse (Lathyrus sylvestris)
  • Knollen-Platterbse (Lathyrus tuberosus)
  • Gartenwicke (Lathyrus odoratus)
  • Dornige Hauhechel (Ononis spinosa)
  • Kriechende Hauhechel (Ononis repens)
  • Bunte Kronwicke (Securigera  varia)
  • Weißer Steinklee (Melilotus albus)
  • Felderbse (Pisum sativum)
  • Feuerbohne (Phaseolus coccineus)
  • Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus)
  • Schwarzwerdener Geißklee (Cytisus nigricans).

Sehr vereinzelt werden auch Lamiaceae (Lippenblütler) als Pollenquellen genutzt. – Die Weibchen verhalten sich meist blütenstet, wenn sie an Lotus oder Lathyrus sammeln. Gleiches gilt für Ononis. Da aber Ononis keinen Nektar bietet, enthalten die Ononis-Pollenladungen in geringer Menge (1–5 %) Pollen eines Nektar bietenden Schmetterlingsblütlers, z. B. Lathyrus. Die Männchen patrouillieren oft Blütenstände von Lamiaceen, z. B. vom Aufrechten Ziest (Stachys recta) oder Woll-Ziest (Stachys byzantina). Die Paarung findet beim ersten Nektarbesuch der Weibchen statt, die außer Fabaceae auch Lamiaceae als Nektarquellen besuchen.

Ein Männchen von Megachile ericetorum trinkt Nektar an einer Blüte von Rhodiola wallichiana (= Sedum crassipes), einer Fetthenne aus asiatischen Gebirgen (Botanischer Garten Tübingen). [Großansichten: Klick auf Bild]
Ein Männchen von Megachile ericetorum beim Blütenbesuch an Katzenminze (Nepeta fassenii).

Ein Weibchen von Megachile ericetorum trinkt Nektar in der großen Blüte des Muskateller-Salbeis (Salvia sclarea). Beachte die langen Staubfäden mit den großen Staubbeuteln.

Megachile ericetorum, Weibchen bei der Pollenernte an der Breitblättrigen Platterbse (Lathyrus latifolius).

Die Kriechende Hauhechel (Ononis repens) ist eine bei Megachile ericetorum beliebte Pollenquelle.

Wenn das Weibchen von Megachile ericetorum Pollen von der Breitblättrigen Platterbse (Lathyrus latifolius) erntet, klappt es seinen Hinterleib oft nach oben, möglicherweise als Reaktion auf den kräftigen, deutlich hervortretenden Griffel. Bei der rechten Blüte sind die Verletzungen zu sehen, die die Sporne der Bienenbeine beim Herunterdrücken des Schiffchens verursachen. Um die Blüte bedienen zu können, ist das Herunterdrücken erforderlich. Die Bauchbürste ist bereits gut mit Pollen gefüllt.

Weibchen von Megachile ericetorum bei der Pollenernte am Gewöhnlichen Hornklee (Lotus corniculatus).

Megachile ericetorum bei der Pollenernte an der Breitblättrigen Platterbse (Lathyrus latifolius). Auch hier sind die Spuren des Blütenbesuchs am Schiffchen zu sehen.

  • Halictus scabiosae

    Ein Männchen von Megachile ericetorum trinkt Nektar an einer Blüte von Rhodiola wallichiana (= Sedum crassipes), einer Fetthenne aus asiatischen Gebirgen (Botanischer Garten Tübingen).

  • Halictus scabiosae
    Ein Männchen von Megachile ericetorum beim Blütenbesuch an Katzenminze (Nepeta fassenii).
  • Halictus scabiosae
    Ein Weibchen von Megachile ericetorum trinkt Nektar in der großen Blüte des Muskateller-Salbeis (Salvia sclarea). Beachte die langen Staubfäden mit den großen Staubbeuteln.
  • Halictus scabiosae
    Megachile ericetorum, Weibchen bei der Pollenernte an der Breitblättrigen Platterbse (Lathyrus latifolius).
  • Halictus scabiosae
    Die Kriechende Hauhechel (Ononis repens) ist eine bei Megachile ericetorum beliebte Pollenquelle.
  • Halictus scabiosae
    Wenn das Weibchen von Megachile ericetorum Pollen von der Breitblättrigen Platterbse (Lathyrus latifolius) erntet, klappt es seinen Hinterleib oft nach oben, möglicherweise als Reaktion auf den kräftigen, deutlich hervortretenden Griffel. Bei der rechten Blüte sind die Verletzungen zu sehen, die die Sporne der Bienenbeine beim Herunterdrücken des Schiffchens verursachen. Um die Blüte bedienen zu können, ist das Herunterdrücken erforderlich. Die Bauchbürste ist bereits gut mit Pollen gefüllt.
  • Halictus scabiosae
    Weibchen von Megachile ericetorum bei der Pollenernte am Gewöhnlichen Hornklee (Lotus corniculatus).
  • Halictus scabiosae
    Megachile ericetorum bei der Pollenernte an der Breitblättrigen Platterbse (Lathyrus latifolius). Auch hier sind die Spuren des Blütenbesuchs am Schiffchen zu sehen.

Kuckucksbienen

Die Kegelbienenart Coelioxys aurolimbata.

Phänologie

Univoltin. Flugzeit von der ersten Juni-Hälfte bis Ende Juli, stellenweise bis weit in den August.

Gefährdung und Schutz

Die auffällige Art ist im Siedlungsraum heute häufiger als im intensiv genutzten, vielfach ausgeräumten Offenland, weil sie hier bessere Existenzbedingungen vorfindet. Wichtig sind vor allem Schmetterlingsblütler an Ruderalstellen oder in Gärten. Insbesondere mit der Kultur von Lathyrus-Arten und anderen Schmetterlingsblütlern kann man diese Mörtelbiene wirksam fördern. Außerhalb des Siedlungsbereichs ist M. ericetorum nur dort anzutreffen, wo Magerrasen oder ein Netz von Kleinstrukturen in Form von Ruderalstellen oder trockenwarmen Böschungen, Abbruchkanten und Feldrainen Nist- und Nahrungsmöglichkeiten bieten. Durch die Ausräumung der Landschaft im Zuge von Flurbereinigungen (»Flurneuordnungen«) mit anschließender Intensivierung der Nutzung sind die Bestände vielerorts zurückgegangen oder ganz erloschen. Ein wirksamer Schutz der noch existierenden Populationen braucht daher die Erhaltung und Pflege noch bestehender (Klein-)Lebensräume. Neu- bzw. Wiederbesiedlungen können gegebenenfalls durch eine Neuschaffung von Kleinstrukturen dort, wo sie im Zuge der Landnutzung beseitigt wurden, unterstützt werden.

Literatur

Bellevoye, A. (1884): Observations sur le Chalicodoma muraria, le Megachilus centuncularis et l’Osmia bicornis aux environs de Metz. – Bull. Soc. Hist. Natur. Metz, 16: 113–131.

Bellevoye, A. (1897): Sur quelques abeilles maconnes. – Bull. Soc. Sci. Nat. Reims, 6: 111–113.

Benoist, R. (1940): Remarques sur quelques espèces de Mégachiles principalement de la Faune Française. – Ann. Soc. ent. France 109: 41–88.

Bonelli, P. B. (1969b): Osservazione biologiche sugli Imenotteri melliferi e predatori della Val di Fiemme. 35. – Boll. Ist. Entomol. Univ. Studi Bologna, 29: 197–206.

Ferton, C. (1896): Nouvelles observations sur l’instinct des Hyménoptères gastrilégides de la Provence. – Actes Soc. Linn. Bordeaux, 48: 241–249; Bordeaux.

Gerstäcker, A. (1869): Beiträge zur näheren Kenntnis einiger Bienen-Gattungen. – Ent. Ztg. Ent. Ver. Stettin, 30: 139–184, 315–367.

Grandi, G. (1954): Contributi alla conoscenza degli Imenotteri Aculeati XXVI. – Boll. Ist. Entomol. Univ. Studi Bologna, 20: 81–255.

Grozdanić, S. & Mućalica, Z. (1968): Über den Nestbauinstinkt bei Megachile ericetorum Lep. (Apoidea, Hymenoptera). – Arh. biol. Nauka, 20 (1–2): 7PP; Beograd.

Höppner, H. (1899): Zur Biologie nordwestdeutscher Hymenopteren. I Das Werben der Männchen bei Hymenopteren. II Megachile analis Nylander. – Ill. Z. Ent. 4(24): 374–378; Berlin.

Hoop, M. (1971): Zur Verbreitung der holsteinischen Goldwespen und Stechimmen (Dritte Ergänzung). – Schr. Naturw. Ver. Schlesw.-Holst. 41: 81-87.

Malyshev, S. I. (1936): The nesting habits of solitary bees. – Eos, 11: 201–309.

Niemelä, P. (1936): Mitteilungen über die Apiden (Hym.) Finnlands. 1. Die Gattung Megachile Latr. – Ann. Ent. Fenn. 2: 86–96, 140–149.

Schütze, K. T. (1921): Die Apiden (Bienen) der Lausitz. – Festschrift zur Feier des 75jährigen Bestehens der naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Bautzen, zugleich Bericht über deren Tätigkeit in den Jahren 1919/1920: 81–90.

Westrich, P. (2019): Die Wildbienen Deutschlands.– 2., aktualisierte Auflage, 824 S., 1700 Farbfotos. Stuttgart (E. Ulmer).

Negachile ericetorum