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Pollensammeln: Oligolektie

Definition: Bienenarten werden dann als oligolektisch bezeichnet, wenn sämtliche Weibchen im gesamten Verbreitungsgebiet auch beim Vorhandensein anderer Pollenquellen ausschließlich Pollen einer Pflanzenart oder nah verwandter Pflanzenarten sammeln.

Man kann zwischen »streng oligolektisch« und »oligolektisch« unterscheiden (siehe nachfolgende Tabelle mit den Definitionen). Es bleibt allerdings ein Wunschtraum, die Grenzen der Oligolektie und der Polylektie einfach, unkompliziert und allgemeingültig zu ziehen und mit leicht verständlichen Begriffen in bestimmte »Schubladen« zu packen. Die Grenzen zwischen ausgesprochen polylektischen (extremen Generalisten wie Andrena flavipes) auf der einen Seite und streng oligolektischen Arten (extremen Spezialisten wie Andrena nasuta) auf der anderen Seite sind fließend. Deshalb ist eine exakte Quantifizierung kaum möglich, was auch Michener (The Bees of the World, 2007: 19) betont.
Streng oligolektische Arten beginnen erst dann mit dem Nestbau und der Verproviantierung der Brutzellen, wenn ihre spezifische Pollenquelle zu blühen begonnen hat. Dies gilt z. B. für Osmia adunca, eine Art, die ausschließlich Vertreter der Gattung Echium (Boraginaceae) nutzt.

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    Die Geißklee-Sandbiene (Andrena aberrans) ist eine streng oligolektische, auf Vertreter der Gattung Chamaecytisus als Pollenquellen spezialisierte Art. Hier erntet das Weibchen den orange gefärbten Pollen des Purpur-Geißklees (Chamaecytisus purpureus).
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    Die Ochsenzungen-Sandbiene (Andrena nasuta) ist an Vertreter der Gattung Anchusa gebunden und daher streng oligolektisch. Hier erntet das Weibchen den weißen Pollen der Gewöhnlichen Ochsenzunge (Anchusa officinalis).
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Da sich die Spezialisierung immer auf das Pollensammeln bezieht, können wir bei oligolektischen Bienen auch von Pollenspezialisten sprechen. Die Oligolektie ist im Normalfall auf Arten einer Pflanzengattung (streng oligolektisch) oder mehrerer Pflanzengattungen oder auf eine Pflanzenfamilie beschränkt. Polylektische Arten zeigen beim Pollensammeln keine Bindung an bestimmte Pflanzenarten.

Osmia adunca - Brutzelle mit Pollen

Der Larvenproviant in einer Brutzelle von Osmia adunca besteht zu 100% aus dem Pollen des Natterkopfs (Echium vulgare). Diese Mauerbienen-Art ist auf Arten der Gattung Echium (Natterkopf) in der Familie Boraginaceae (Rauhblattgewächse) als Pollenquelle spezialisiert.

Systropha planidens - Brutzelle

Der kugelförmige Larvenproviant in einer Brutzelle im Erdboden stammt ausschließlich von der Ackerwinde (Convolvulus arvensis). Auf der Pollenkugel liegt bereits eine junge Larve der Spiralhornbienenart Systropha planidens.

Oligolektische Arten finden wir in Mitteleuropa in folgenden 23 Bienengattungen (Näheres zur Klassifikation):

  • Andrena
  • Anthidium
  • Anthophora
  • Bombus
  • Camptopoeum
  • Chelostoma
  • Colletes
  • Dasypoda
  • Dufourea
  • Eucera
  • Heriades
  • Hylaeus
  • Lithurgus
  • Macropis
  • Megachile
  • Melitta
  • Melitturga
  • Osmia
  • Panurgus
  • Panurginus
  • Rophites
  • Rhophitoides
  • Systropha

Von 430 nestbauenden Bienenarten Deutschlands sind 136 (ca. 32%) oligolektisch. In Mitteleuropa gibt es Beziehungen oligolektischer Bienenarten zu insgesamt 27 Pflanzenfamilien, die nachfolgend aufgeführt sind, wobei die Pflanzengattungen, auf die sich innerhalb der jeweiligen Familie noch engere Spezialisierungen beziehen, in Klammern genannt sind.

  1. Alliaceae (Allium) - Lauchgewächse*
  2. Apiaceae (Eryngium) - Doldengewächse
  3. Araliaceae (Hedera) - Efeugewächse
  4. Asparagaceae (Asparagus) - Spargelgewächse*
  5. Asteraceae - Korbblütler
  6. Boraginaceae (Anchusa, Cerinthe, Echium, Symphytum) - Boretschgewächse
  7. Brassicaceae - Kreuzblütler
  8. Campanulaceae (Campanula, Jasione, Phyteuma, Adenophora) - Glockenblumengewächse
  9. Caprifoliaceae (früher Dipsacaceae) - (Knautia, Scabiosa, Succisa) - Geißblattgewächse*
  10. Cistaceae (Helianthemum) - Zistrosengewächse
  11. Convolvulaceae (Convolvulus) - Windengewächse
  12. Cucurbitaceae (Bryonia) - Kürbisgewächse
  13. Ericaceae (Calluna, Erica, Vaccinium) - Heidekrautgewächse
  14. Fabaceae (Vicia, Lathyrus, Chamaecytisus) - Schmetterlingsblütler
  15. Hyacinthaceae (Ornithogalum) - Hyazinthengewächse*
  16. Lamiaceae - Lippenblütler
  17. Linaceae (Linum) - Leingewächse (außerhalb Deutschlands, z.B. Österreich)
  18. Lythraceae (Lythrum) - Blutweiderichgewächse
  19. Malvaceae - Malvengewächse
  20. Onagraceae (Epilobium) - Nachtkerzengewächse
  21. Orobanchaceae (Odontites) - Sommerwurzgewächse*
  22. Plantaginaceae (Veronica) - Wegerichgewächse
  23. Primulaceae (Lysimachia) - Primelgewächse
  24. Ranunculaceae (Ranunculus) - Hahnenfußgewächse
  25. Resedaceae (Reseda) - Resedengewächse
  26. Rosaceae (Potentilla) - Rosengewächse
  27. Salicaceae (Salix) - Weidengewächse

Im westlichen Südeuropa kommt mit den Xanthorrhoeaceae (Grasbaumgewächse) (vormals Asphodelaceae) eine weitere Familie hinzu, in der eine Spezialisierung auf Asphodelus bekannt wurde.

* Die Alliaceae, Asparagaceae, Asphodelaceae und Hyacinthaceae wurden früher als Teil der Liliengewächse i.w.S. (Liliaceae) im weiteren Sinne betrachtet, werden heute jedoch aufgrund neuer Forschungsergebnisse (Dahlgren et al. 1985) als eigenständige Familien aufgefaßt (siehe auch die Exkursionsflora von Österreich von Adler et al. 1994 und die Flora von Deutschland von Schmeil-Fitschen 2006).
* Auch die Scrophulariaceae wurden neu bewertet. Die früher darin enthaltenen Gattungen Odontites und Veronica wurden hinsichtlich ihrer Familienzugehörigkeit neu beurteilt und gehören nun zu den Familien Orobanchaceae bzw. Plantaginaceae.
* Die Kardengewächse wurden früher als eigene Familie Dipsacaceae betrachtet, werden aber heute als Unterfamilie Dipsacoideae zu den Caprifoliaceae gestellt.

Beispiele oligolektischer Arten und ihrer Spezialisierung finden Sie in diesen beiden Bildergalerien, die in alphabetischer Reihenfolge nach den Pflanzenfamilien angeordnet sind:

» Galerie 1: Alliaceae bis Caprifoliaceae
» Galerie 2: Convolvulaceae bis Salicaceae


In der Regel sind die Blühzeiten der spezifischen Pollenquellen mit den Flugzeiten der entsprechenden oligolektischen Arten synchronisiert, die daher meist nur eine Generation besitzen (univoltine Arten).

In unseren Breiten könnten als Beispiele hierfür die Arten angeführt werden, die an Salix (Weide), Echium (Natterkopf) oder Bryonia (Zaunrübe) oligolektisch sind. Bei uns gibt es fast keine oligolektische Arten, die zwei oder mehr Generationen haben. Ich konnte bisher nur bei Hylaeus signatus (Reseden-Maskenbiene) eine zumindest partielle zweite Generation mit Hilfe von Nisthilfen nachweisen. Für Bienenarten, die lang blühende Pflanzenarten oder nahverwandte Pflanzenarten mit langer Blühzeitfolge als Pollenquellen nutzen (Familien-Spezialisten), ist eine zumindest partielle zweite Generation nicht auszuschließen.

Zu der Liste aus Deutschland bekannter oligolektischer Arten >

Morphologische Anpassungen zum Pollensammeln lassen sich bei oligolektischen Arten nur in den wenigsten Fällen nachweisen.

Die Stirnstacheln von Rophites-Arten, die auf kleinblütige Lamiaceen (Lippenblütler) spezialisiert sind, können als eine Anpassung an das Pollenernten angesehen werden. Die Pollentransporteinrichtungen hingegen zeigen fast keine Anpassungen an die spezifischen Pollenquellen. Die Ausgestaltung der Pollenspeicher ist meist verwandtschaftsbedingt, was sich besonders gut an den Arten zeigen läßt, die auf Campanula (Glockenblumen) spezialisiert sind. Die Sandbienenarten Andrena curvungula, Andrena pandellei und Andrena rufizona besitzen wie alle Andrena-Arten eine Schienenbürste zum Pollentransport. Die Mauerbienenart Osmia mitis transportiert den Campanula-Pollen wie alle anderen, teils oligolektischen, teils polylektischen Osmia-Arten mit Hilfe einer Bauchbürste. Die Sägehornbienenart Melitta haemorrhoidalis speichert den Campanula-Pollen feucht in der Schienenbürste und Behaarung der Ferse, in der gleichen Art und Weise wie Melitta nigricans, die aber auf Lythrum (Blutweiderich) und Melitta tricincta, die auf Odontites (Zahntrost) spezialisiert ist. Aufgrund der Pollentransporteinrichtung kann also nicht auf Oligolektie oder Polylektie geschlossen werden.

 

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