Nach oben
logo

Blütenprodukte und Bienennahrung -2

Pollen

Pollen ist der essentielle Bestandteil der Larvennahrung von Wildbienen.

Alle Blütenpflanzen liefern Pollen, allerdings in von Art zu Art unterschiedlicher Menge und manchmal (bei Orchideen) in einer von den Bienen nicht als Futter verwertbaren Form. Bei den zweihäusigen Pflanzen wie z. B. bei der Rotfrüchtigen Zaunrübe (Bryonia dioica) können naturgemäß nur männliche Individuen als Pollenspender fungieren, da Pollenkörner dazu dienen, die männlichen Keimzellen auf die weiblichen Organe zu übertragen.

Manche Pflanzenarten liefern in ihren Blüten nur Pollen, aber keinen Nektar. Solche Pflanzen, die bisweilen riesige Pollenmengen beherbergen, bezeichnen wir als »Pollenblumen«. Bekannte Pollenblumen sind Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas), Rosen (Rosa), Tüpfel-Hartneu (Hypericum perforatum) und Besenginster (Cytisus scoparius). Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) sollen zumindest geringe Mengen an Nektar anbieten.

Eine einzige Blüte des Klatsch-Mohns soll über 2,6 Millionen Pollenkörner enthalten. Eine Blüte des Heidekrauts (Calluna vulgaris) bietet hingegen »nur« 17000 Pollenkörner. Eine große Pollen- und sehr geringe Nektarmenge ist auch für Hahnenfuß (Ranunculus) und viele Anemone-Arten charakteristisch. Pollenkörner sind extrem klein. Ihr Durchmesser beträgt nur zwischen 3 tausendstel Millimeter (Vergißmeinnicht) und 250 tausendstel Millimeter (Kürbis). Durchschnittlich messen sie 30–40 tausendstel Millimeter. Bei windblütigen (durch den Wind bestäubten) Pflanzen, z. B. Nadelbäumen oder Haselsträuchern, fliegen die in ungeheurer Menge produzierten Pollenkörner beim leichtesten Luftzug wie Mehlstaub davon. Bei vielen insektenblütigen (durch Insekten bestäubten) Pflanzen macht ein ölartiger Stoff, der sogenannte Pollenkitt, den Pollen klebrig und läßt ihn verklumpen. Im Pollenkitt enthalten sind auch die Erkennungsproteine für die Narbe (Stigma), die zusammen mit Griffel und Fruchtknoten die weiblichen Blütenteile, Stempel genannt, bilden.

Halictus scabiosae

Die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae) bei der Pollenernte in der Blüte des Klatsch-Mohns (Papaver rhoeas), einer Pollenblume.

Lasioglossum prasinum

Ein Weibchen der in weiten Teilen Deutschlands sehr seltenen Schmalbienenart Lasioglossum prasinum sammelt Pollen in der Blüte des Gewöhnlichen Sonnenröschens (Helianthemum nummularium), einer Pollenblume.

Pollen enthält viele Inhaltsstoffe wie Proteine, Lipide, Kohlenhydrate, Mineralstoffe und Vitamine, deren Art und Menge bei den einzelnen Pflanzenfamilien unterschiedlich ist. Sein Gehalt an Proteinen ist besonders hoch. Der Proteingehalt von Eichen-Pollen (Quercus robur) beträgt ca. 30%, von Hahnenfuß (Ranunculus acris, R. repens) 28%, von Weiden (Salix) zwischen 20 und 29% und der von Obstbäumen zwischen 27% bei der Birne (Pyrus communis) und 33% beim Apfel (Malus).

Der Inhalt der Pollenkörner ist fast stets von zwei Hüllen umgeben, einer zarteren Innenwandung (Intine), die bei der Keimung zum Pollenschlauch auswächst, und einer dickeren Außenwandung (Exine). Die nur rund ein tausendstel Millimeter starke Exine ist ungemein dauerhaft. Sie kann Jahrmillionen überdauern, wird selbst von stärksten Säuren nicht angegriffen und ist härter als Diamant. Dies alles hat sie dem Gehalt an sogenanntem Sporopollenin zu verdanken.

Auch die Oberflächenstruktur der Exine hat ihre Besonderheiten: sie ist komplex gebaut und oft reich strukturiert, weil durch ungleichmäßige Ablagerung der Sporopollenine auf der Pollenwandung stachel-, warzen-, leisten- und dachförmige Erhebungen entstehen. Die Struktur der Exine sowie Größe und Form des Pollenkorns sind jeweils für eine bestimmte Pflanzengruppe oder gar eine Pflanzenart charakteristisch und können daher auch zur Bestimmung herangezogen werden (Pollenanalyse). Auch die Farbe der Pollenkörner ist für jede Pflanzenart charakteristisch. Sie ist sehr oft gelb, kann aber auch weiß, grün, blau, rot, violett, grau oder schwarz sein.
Die Pollenmorphologie ermöglicht es dem Bienenkundler, die pflanzliche Herkunft und Zusammensetzung der Pollenladungen der Wildbienenweibchen, des Brutzelleninhalts und des Larvenkots zu ermitteln. Methoden und Anwendungsgebiete der Pollenanalyse bei Wildbienen sind bei Westrich & Schmidt (1986) beschrieben.

Pollenfarbe weiß: Andrena bicolor sammelt hier den Pollen der Ranken-Glockenblume (Campanula poscharskyana).

Pollenfarbe gelb:Andrena polita bei der Pollenernte auf dem Blütenstand des Gewöhnlichen Bitterkrauts (Picris hieracioides).

Pollenfarbe rosa: Andrena hattorfiana bei der Pollenernte auf einer Wiesen-Witwenblume (Knautia arvensis).

Bei den Heidekrautgewächsen (Ericaceae) und den meisten ihrer Verwandten bleiben immer vier Pollenkörner zu einem Viererverband, der sogenannten Pollentetrade zusammen. Die Pollenkörner werden bei den letzten Teilungsschritten nicht vollständig voneinander getrennt. Bei den Nachtkerzengewächsen wie der Nachtkerze (Oenothera) oder dem Weidenröschen (Epilobium) und einigen Heidekrautgewächsen sind einzelne Pollenkörner durch Fäden miteinander verbunden. Diese sogenannten Viscinfäden sind mehr oder weniger lange, fädige Fortsätze der Exine, die die Pollenkörner miteinander verbinden. Die blütenökologisch wesentliche Funktion der Viscinfäden ist die Bildung von großen Pollenaggregaten, Pseudopollinien, wodurch der Inhalt eines Pollenfachs in großen Klumpen auf einmal aufgenommen werden kann. Bei den schon erwähnten Heidekrautgewächsen (Ericaceae) treten Viscinfäden nur bei aufrechten Blüten (z. B. Rhododendron) auf, während sie bei jenen mit mehr oder weniger hängenden Blüten (z. B. Erica, Calluna) fehlen. Bei den Orchideen (Orchidaceae) und Schwalbenwurzgewächsen (Asclepiadaceae) sind die Pollenkörner einer Staubblatthälfte zu Paketen, den sogenannten Pollinien verklebt.

Wie beim Nektar besteht auch in der Darbietung des Pollens bei den meisten Pflanzen eine Tagesrhythmik, indem die Staubbeutel zu bestimmten Tageszeiten aufplatzen. Die Pollenpräsentation kann allerdings durch ungünstige Witterungsverhältnisse (niedrige Temperatur, hohe Luftfeuchte) verschoben werden. Bei den meisten Pflanzen erfolgt sie vormittags, so z. B. beim Klatschmohn (Papaver rhoeas) von 5.30 bis 10.00 Uhr, bei der Kriechenden Rose (Rosa arvensis) von 6.30 bis 10.00 Uhr; auch beim Löwenzahn (Taraxacum), beim Gewöhnlichen Bitterkraut (Picris hieracioides) und anderen zungenblütigen Korbblütlern (Cichorieae) sowie beim Raps (Brassica napus) kann der Bienenbesuch nur am Vormittag beobachtet werden. Bei anderen Pflanzenarten wird der Pollen gleichmäßig über den ganzen Tag verteilt präsentiert, z. B. bei den Obstbäumen und den Brombeeren (Rubus fruticosus). Manche Pflanzen wie die Schwarze Flockenblume (Centaurea nigra) erreichen das Maximum ihrer Pollendarbietung erst am Nachmittag. Bei einigen Arten wird der Pollen während der Nacht dargeboten, so z. B. beim Kürbis (Cucumis).

Ein Weibchen der Wegwarten-Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) sammelt bereits am Morgen den Pollen der Wegwarte (Cichorium intybus). Aufnahmezeitpunkt: 8:27 h.

Ein Weibchen der Großen Keulhornbiene (Ceratina chalybea) sammelt am Vormittag Pollen an der Brombeere (Rubus fruticosus). Aufnahmezeitpunkt: 10:45 h.

Ein Weibchen der Furchenbienenart Halictus simplex am Nachmittag bei der Pollenernte an der Schwarzen Flockenblume (Centaurea nigra). Aufnahmezeitpunkt: 13:33 h.

Für weitere Details und die darauf basierenden Publikationen sei auf mein Werk »Die Wildbienen Deutschlands« verwiesen.

Zur nächsten Seite dieses Kapitels >

Sporopollenine sind oxydative Polymere aus Carotinoiden und Carotinoid-Estern.