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Die Steinhummel - Das Insekt des Jahres 2005
Gegenspieler

Hummeln sind wie andere Insekten Gegenspielern ausgesetzt, deren Aktivitäten sich auf die verschiedenste Weise auswirken. Unter den Bienen selbst sind es die Arten der Bombus-Untergattung Psithyrus, die von manchen Autoren immer noch als eigene Gattung geführt wird. Sie leben als Sozialparasiten bei Hummeln und werden daher auch Schmarotzerhummeln oder Kuckuckshummeln genannt. Die Weibchen haben keine Pollentransporteinrichtungen an ihren Hinterbeinen und produzieren auch kein Wachs. Sie erscheinen aus ihrem Winterquartier etwas später als ihre Hummelwirte und verbringen anfangs viel Zeit auf Blüten, z. B. des Löwenzahns (Taraxacum officinale), wo sie von Nektar und Pollen leben. Sie sind weniger lebhaft. ihr Flug ist schwerfälliger und sie erzeugen beim Fliegen einen deutlich tieferen Brummton als der ihrer Wirte.

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Um für Nachkommen zu sorgen, muß das Weibchen in das Nest einer Hummelkönigin eindringen. Um die Eroberung zum Erfolg zu führen, hat das Kuckuckshummel-Weibchen kräftigere Stachel und mächtigere Kiefer als der Wirt. Auch für die Verteidigung ist es besser gerüstet: Wird es im Hummelnest attackiert, zieht es die Beine eng an seinen Körper und verharrt fast bewegungslos. Sein besonders hartes Außenskelett schützt es meist vor Stichen. Dennoch wird manches Weibchen getötet oder aus dem Nest getrieben. Sobald das Eindringen ist das Hummelnest erfolgreich war, nimmt das Kuckuckshummel-Weibchen den Nestgeruch an, indem es sich zwischen den Kokons oder im Nestmaterial versteckt. In den meisten Fällen, in denen eine Nestübernahme erfolgreich verläuft, leben Wirt und Sozialparasit friedlich miteinander. Das Weibchen legt in der Folge seine Eier in ziemlich dickwandige Zellen, die es auf bereits vorhandenen Kokons errichtet. Es baut jede einzelne Zelle selbst und benützt dazu das mit Pollen vermischte Wachs anderer Teile der Hummelwabe. Die Brutzellen des Wirtes werden geöffnet und ihr Inhalt verzehrt. Das zurückbleibende Baumaterial kann von dem Kuckuckshummel-Weibchen dann zum Bau der eigenen Brutzelle verwendet werden. Die noch vorhandenen Wirtsarbeiterinnen füttern und pflegen die Larven des Eindringlings.

Die einzelnen Kuckuckshummel-Arten sind in der Wahl ihrer Wirte mehr oder weniger stark spezialisiert. Manche Arten scheinen nur eine einzige Wirtsart zu besitzen, während andere bei mehreren Hummelarten leben. Der typische Gegenspieler von Bombus lapidarius ist Bombus (Psithyrus) rupestris, dessen Weibchen dem Wirt durch die schwarzrote Färbung stark ähnelt, die Flügel sind jedoch deutlich dunkler.

 

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