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Colletes cunicularius

(Linnaeus 1761)

Frühlings-Seidenbiene

male Colletes cunicularius, Männchen.

male Colletes cunicularius, Weibchen.

11–14 mm. Im Gegensatz zu allen anderen heimischen Colletes-Arten ohne deutliche, helle Haarbinden auf den Tergiten. Auch wenn die Art der Honigbiene und manchen größeren Andrena-Arten ähnelt, läßt sie sich im Feld durchaus ansprechen, zumal die charakteristische kurze, zweilappige Zunge auch mit bloßem Auge sichtbar ist.

Hylaeus communis

Colletes cunicularius, Männchen in Frontalansicht

Colletes daviesanus

Colletes cunicularius, Weibchen in Frontalansicht

Colletes cunicularius

Sobald ein Weibchen aus dem Erdnest geschlüpft ist, stürzen sich zahlreiche Männchen darauf, aber nur einem gelingt es, sich mit dem Weibchen zu paaren.

Colletes cunicularius Paarung

Paarung von Colletes cunicularius am Nistplatz.

Verbreitung

In Deutschland in allen naturräumlichen Großlandschaften verbreitet und mäßig häufig. Auf der Schwäbischen Alb besiedelt die Art mittlerweile auch die montane Stufe (z. B. Truchtelfingen, 750 m üNN). Stellenweise in hoher Populationsdichte.

Lebensraum

Da die Art als Pionier bevorzugt neu entstandene Sandflächen in den Flußauen besiedelt, liegen ihre Hauptvorkommen in Sandgebieten und dort in Sand- und Kiesgruben, auf Binnen- und Meeresdünen sowie auf Flugsandfeldern, auf Hochwasserdämmen und sandigen Bahndämmen sowie in strukturreichen Feldfluren. Vorkommen auf Löß und lehmigem Substrat gibt es auch, sind aber nicht häufig. In den vergangenen Jahren wurden vermehrt Kolonien im Siedlungsbereich gefunden, wo die Art Beachvolleyball-Plätze oder die von Gemeinden angelegten sandigen Bolzplätze (kleine Fußballplätze für Kinder und Jugendliche) und sogar Sprunggruben auf Sportplätzen in großer Zahl besiedelt hat. Dadurch entstanden auch artenschutzrechtliche Probleme für die Betreiber, die durch kurzzeitige Absperrungen gelöst wurden. – Nistplätze sind nicht oder nur schütter, gelegentlich auch dichter bewachsene horizontale oder schwach geneigte Bodenstellen auf lockeren Sanden, sandigem Löß oder Lehm. Nistplatz und Nahrungsraum (Weichholzauen, Weidengebüsche, Ahornalleen, Obstwiesen) können räumlich weit auseinander liegen.

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  • Listhof_P16_0124.jpg
    Eine alte Panzerspur auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz dient als Nistplatz für über 300 Weibchen. Die Nester befinden sich an vegetationsarmen, aber auch dichter bewachsenen, jedoch kurzrasigen Stellen (Mittleres Vorland der Schwäbischen Alb).
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    Ein Beachvolleyballplatz auf der Schwäbischen Alb wird seit Jahren von einer individuenreichen Population von Colletes cunicularius besiedelt. Die Nester befinden sich sowohl im Sand des Spielfelds als auch in den schütter bewachsenen angrenzenden Bereichen.
  • colletes_cunicularius_nistplatz_2007_1175.jpg
    Auch Kiesgruben werden regelmäßig als Nistplatz genutzt. Bevor die Böschung abgebaggert wurde, waren hier ca. 200 Nester zu finden.
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    Auch in Siedlungen kommt Colletes cunicularius vor. Etwa 300 Nester befinden sich auf der mit Zwergmispeln bepflanzten Böschung eines Gartens (Obere Gäue).
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    Nester von Colletes cunicularius werden oft dicht nebeneinander angelegt. Wenn sich der Nistplatz besonders eignet, entstehend Kolonien mit mehreren hundert bis mehreren tausend Nestern.

Nistweise

Nistet in selbstgegrabenen Gängen in der Erde, auf ebenen oder schwach geneigten, vegetationsfreien oder nur mäßig dicht bewachsenen, eher kurzrasigen Flächen; unter günstigen Bedingungen große Kolonien (Ansammlungen von mehreren tausend Nestern). (Bischoff 2000, 2001, Cane & Tengö 1981, Larsson 1989, Malyshev 1923, 1927, Nelson 1975, Nielsen 1934, eig. Beob.)

Colletes cunicularius

Ein Weibchen am Nistplatz.

Brutzelle von Colletes cunicularius mit Ei auf dem zähflüssigen Larvenproviant.

video Das folgende Video (3 min 20 sec, 190 MB) zeigt das Schwärmen der Männchen über dem vorjährigen Nistplatz, eine Paarung, das Graben des Nistganges und das Eintragen von Pollen. [Full-HD-Modus möglich, ohne Ton.]

Blütenbesuch

Polylektische Art (6 Pflanzenfamilien) mit einer deutlichen Bevorzugung von Weiden (Salix) (vgl. Bischoff et al. 2003, Müller & Kuhlmann 2008).

Bisher bekannt gewordene Pollenquellen:

  • Adoxaceae: Holunder (Sambucus niger)
  • Aquifoliaceae: Stechpalme (Ilex)
  • Fagaceae: Eiche (Quercus)
  • Rosaceae: Eberesche (Sorbus aucuparia), Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus), Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus), Birne (Pyrus), Apfel (Malus)
  • Salicaceae: Grau-Weide (Salix cinerea), Sal-Weide (Salix caprea), Ohr-Weide (Salix aurita), Korb-Weide (Salix viminalis), Kriech-Weide (Salix repens), Bruch-Weide (Salix fragilis)
  • Sapindaceae: Ahorn (Acer)

Die Angabe von Schlichting (2007) zu Taraxacum officinale (Asteraceae) als Pollenquelle ist methodisch unzureichend belegt. – Die Männchen werden überwiegend an Salix angetroffen, trinken Nektar gelegentlich auch an den Blüten anderer Pflanzen.

Kuckucksbienen

Sphecodes albilabris kann regelmäßig an den Nestern angetroffen werden.

Phänologie

Univoltin. Flugzeit von Mitte März bis Mai. Überwinterung als Imago.

Literatur

Bischoff, I. (2000): Untersuchungen zur Nisthabitatwahl von Andrena vaga und Colletes cunicularius (Apidae) in der Wahner Heide (Rheinland). – Beitr. Hymenopt.-Tagung Stuttgart 2000: 31–36.

Bischoff, I. (2001): Populationsdynamik, Sammelstrategien und Nisthabitatwahl ausgewählter Wildbienen (Hymenoptera, Apidae) in der Wahner Heide (Rheinland). – Dissertation, Universität Bonn 2000, 267 S., Aachen (Shaker).

Bischoff, I., Feltgen, K. & Breckner, D. (2003): Foraging Strategy and Pollen Preferences of Andrena vaga (Panzer) and Colletes cunicularius (L.) (Hymenoptera: Apidae). – J. Hym. Res. 12(2): 220–237.

Cane, J. H. & Tengö, J. (1981): Pheromonal cues direct mate-seeking behavior of male Colletes cunicularius (Hymenoptera: Colletidae). – J. Chem. Ecol., 7: 427–436.

Larsson, F. (1989): Insect mating patterns explained by microclimatic variables. – J. thermal Biology, 14: 155–157.

Malyshev, S. I. (1923): La nidification des Colletes Latr. (Hymenoptera Apodea). – Revue Russe Ent. 18: 103–124; Moskau.

Malyshev, S. I. (1927b): Lebensgeschichte des Colletes cunicularius L. – Z. f. Morphol. u. Ökol. d. Tiere 9: 390–409.

Müller, A. & Kuhlmann, M. (2008): Pollen hosts of western palaearctic bees of the genus Colletes (Hymenoptera: Colletidae): The Asteraceae paradox. – Biol. J. Linnean Soc. 95: 719–733.

Nelson, M. (1975): Colletes cunicularius and  other aculeate Hymenoptera from Sandscale Dunes, North Lancashire. – Entomologist’s Gazette, 26: 133–134.

Nielsen, E. T. (1934): Sur les habitudes des Hyménoptères aculéates-solitaires. IV. (Apidae). – Ent. Meddr., 18: 421–472.

Schlichting, U. (2007): Beitrag zur Pollenpräferenz der Seidenbiene Colletes cunicularius (Linnaeus, 1761) (Hymenoptera: Apidae). – Mitt. ArbGem. westf. Ent. 23 (3): 45–48.

Westrich, P. (1989): Die Wildbienen Baden-Württembergs. 2 Bände, 972 S., 496 Farbfotos; Stuttgart (E. Ulmer). [1990 2., verb. Auflage].

Westrich, P. (2019): Die Wildbienen Deutschlands.– 2., aktualisierte Auflage, 824 S., 1700 Farbfotos. Stuttgart (E. Ulmer).