Nach oben
logo

Rophites algirus

Pérez 1895

Frühe Schlürfbiene

male Rophites algirus, Männchen

male Rophites algirus, Weibchen.

Kennzeichen

Größe: 8–10 mm. Im Feld anhand des äußeren Erscheinungsbilds (Habitus) nicht von R. quinquespinosus zu unterscheiden. Allerdings liefern die frühere Flugzeit und der spezielle Blütenbesuch Hinweise zur Artzugehörigkeit. [Großansichten: auf Bild klicken]

Rophites algirus

Rophites algirus, Männchen in Frontalansicht.

Verbreitung

In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt südlich des nördlichen Mittelgebirgsrandes, darüber hinaus nur im Osten des Norddeutschen Tieflands. Nur sehr zerstreut und selten. – Österreich, Schweiz.

Lebensraum

Siedlungsschwerpunkt in Magerrasen sowie an Wegrändern, Böschungen und Brachen der Ebene, aber auch der Gebirge. Dort am ehesten an wärmebegünstigten Stellen. Nester vermutlich vor allem an schütter bewachsenen Stellen an Waldrändern und auf Böschungen, in Lößlehm und in sandigem Boden.

Magerrasen

Magerrasen und Säume trockenwarmer Standorte sind die Lebensräume von Rophites algirus. In dieser Landschaft im Kaiserstuhl bei Alt-Vogtsburg kommen neben dieser Art noch weit über 100 weitere Bienenarten vor. [Für Großansicht auf Bild klicken]

  • Wiese
    Magerrasen und Säume trockenwarmer Standorte sind die Nahrungsräume von Rophites algirus. In dieser Landschaft im Kaiserstuhl bei Alt-Vogtsburg kommen neben dieser Art noch weit über 100 weitere Bienenarten vor.

Nistweise

Nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen in der Erde, meist in kleinen Kolonien. Der Nestbau ähnelt dem von Rophites quinquespinosus. Mir ist es einmal geglückt, im Wallis (Schweiz) Nester von R. algirus zu finden (Westrich et al. 1992). Als Nistplatz diente eine SO- bis S-exponierte, recht steile Böschung (ca. 45 ° Hangneigung) mit sandigem Untergrund zwischen anstehendem Fels aus geschieferten Malm-Kalken. Die Vegetation war im Bereich des Nistplatzes recht lückig und setzte sich aus Gräsern und Kräutern folgender Arten zusammen: Festuca spec. (Schwingel), Stipa pennata (Federgras), Artemisia campestris (Feld-Beifuß), Ononis natrix (Gelbe Hauhechel), Stachys recta (Aufrechter Ziest), Dianthus sylvestris (Stein-Nelke), Sedum rupestre (Felsen-Fetthenne), Linum tenuifolium (Schmalblättriger Lein), Trifolium campestre (Feld­ Klee), Euphorbia seguierana (Steppen-Wolfsmilch), Centaurea vallesiaca (Walliser Flockenblume). Teilweise befanden sich die Nesteingänge von R. algirus an offenen Bodenstellen, größtenteils lagen sie aber am Grunde von Grasbüscheln oder im Wurzelhalsbereich krautiger Pflanzen.

Nistplatz

Ein Nistplatz von Rophites algirus in der Felsensteppe des Wallis (Schweiz). Zahlreiche Nester befanden sich hier an nicht oder nur wenig bewachsenen Stellen.

Blütenbesuch

Oligolektische, auf kleinblütige Lamiaceae (Lippenblütler) spezialisierte Art. Hauptpollenquelle in Mitteleuropa ist der kalkliebende Aufrechte Ziest (Stachys recta). Nur ganz vereinzelt werden auch Heilziest (Betonica officinalis) und Wirbeldost (Clinopodium vulgare) genutzt. – Die Männchen fand ich bei trübem Wetter und nachts an Ziest-Blüten hängend, teils zu mehreren.

Rophites algirus. Ein Männchen trinkt Nektar in einer Blüte des Aufrechten Ziests (Stachys recta). Beachte die langen Fühler, die auf der Unterseite orange gefärbt sind.

Dieses Männchen besucht den gleichen Lippenblütler wie auf dem vorigen Bild, doch ist seine Behaarung bereits etwas ausgebleicht.

Ein Weibchen von Rophites algirus trinkt Nektar in einer Blüte des Aufrechten Ziests (Stachys recta), der für die Art typischen Nektar- und Pollenquelle.

Die Staubbeutel des Ziests haben sich auf den Kopf des Weibchens gesenkt. Dadurch wird der Pollen auf den Stirnstacheln abgeladen.

Der weiße Pollen wird mit den Vorderbeinen aus den Stirnstacheln und -haaren ausgekämmt und in die Transporteinrichtung der Hinterbeine umgelagert.

Das Weibchen reinigt auch den Fühler, hier den linken, mit einem speziellen Haarkamm der Vorderbeine. Der Pollen wird nicht befeuchtet und trocken transportiert.

  • Melitta haemorrhoidalis
    Rophites algirus. Ein Männchen trinkt Nektar in einer Blüte des Aufrechten Ziests (Stachys recta). Beachte die langen Fühler, die auf der Unterseite orange gefärbt sind.
  • Melitta haemorrhoidalis
    Dieses Männchen besucht den gleichen Lippenblütler wie auf dem vorigen Bild, doch ist seine Behaarung bereits etwas ausgebleicht.
  • Melitta haemorrhoidalis
    Ein Weibchen von Rophites algirus trinkt Nektar in einer Blüte des Aufrechten Ziests (Stachys recta), der für die Art typischen Nektar- und Pollenquelle.
  • Melitta haemorrhoidalis
    Die Staubbeutel des Ziests haben sich auf den Kopf des Weibchens gesenkt. Dadurch wird der Pollen auf den Stirnstacheln abgeladen.
  • Melitta haemorrhoidalis
    Der weiße Pollen wird mit den Vorderbeinen aus den Stirnstacheln und -haaren ausgekämmt und in die Transporteinrichtung der Hinterbeine umgelagert.tta haemorrhoidalis, Weibchen sonnt sich auf der Blüte der Rundblättrigen Glockenblume (Campanula rotundifolia).
  • Melitta haemorrhoidalis
    Das Weibchen reinigt auch den Fühler, hier den linken, mit einem speziellen Haarkamm der Vorderbeine. Der Pollen wird nicht befeuchtet und trocken transportiert.

Kuckucksbienen

Biastes emarginatus.

Phänologie

Univoltin. Flugzeit von Mitte Juni bis Mitte Juli. Fliegt rund 4 Wochen früher als Rophites quinquespinosus.

Gefährdung und Schutz

Die im heimischen Verbreitungsgebiet seltene und meist in individuenarmen Beständen auftretende Art kann zwar noch regelmäßig in einigen Naturschutzgebieten nachgewiesen werden, doch bedeutet die starke Abhängigkeit von ausreichend großen Vorkommen des Aufrechten Ziests ein Risiko für die Bestandsentwicklung. Schutzmaßnahmen sollten daher vor allem auf die Unterschutzstellung der Lebensräume und deren sachgerechte Pflege abzielen. Darüber hinaus sollte der Aufrechte Ziest auch an Gebüschrändern und in Brachen gefördert werden, weil auch kleine Teilpopulationen besonders schützenswert sind.

Literatur

 Westrich, P., Westrich, L. & Müller, A. (1992): Beobachtungen zur Nachtruhe der Kraftbiene Biastes emarginatus (Schenck) (Hymenoptera, Apoidea, Anthophoridae). – Linzer biol. Beitr. 24: 3–12. 

Rophites algirus