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Dasypoda hirtipes

(Fabricius 1793)

Wegwarten-Hosenbiene

Synonyme: Dasypoda altercator (Harris 1776), Dasypoda plumipes (Panzer 1797)

male Dasypoda hirtipes, Männchen

male Dasypoda hirtipes, Weibchen.

  • s-01
    male Dasypoda hirtipes, Männchen
  • s-01
    male Dasypoda hirtipes, Weibchen

Kennzeichen

Männchen 11–14 mm. Mit denen von Melitta leporina zu verwechseln. Weibchen 12–15 mm. Dank der Haarbürsten der Hinterbeine, der schwarzbraun behaarten Endfranse, der schmalen weißen Haarbinden an den Endrändern der Tergite und bei Beachtung des Blütenbesuchs leicht im Feld als Hosenbiene zu erkennen und von anderen Dasypoda-Arten zu unterscheiden.

Verbreitung

In Deutschland weit verbreitet und v. a. in Sandgebieten. Überwiegend in Lagen unter 300 m. Mäßg häufig. – Österreich, Schweiz.

Lebensraum

Siedlungsschwerpunkt in Sandgebieten: Sand- und Kiesgruben, Flugsandfelder, sandige Ruderalstellen, sandige Hochwasser- und Bahndämme, Lößböschungen im Weinbauklima (Kaiserstuhl), vereinzelt auch sonnige und blütenreiche Waldwege und -lichtungen, bei günstigen Lebensraumbedingungen auch im Siedlungsbereich. Die Nester werden an vegetationsfreien oder nur sehr schütter bewachsenen Stellen von meist horizontalen oder nur schwach geneigten Flächen angelegt; auf Dämmen werden auch alte Maulwurfshügel genutzt. Im Siedlungsbereich (nur in Sandgebieten) liegen die Nesteingänge bisweilen in breiten Fugen zwischen Pflastersteinen oder Gehwegplatten. Die Art nistet fast ausschließlich in Fein- bis Mittelsanden (Flugsand, Schwemmsand), gelegentlich (Kaiserstuhl) auch in sandigem Lößlehm. Der Boden kann im Nistbereich durch Begehen oder Befahren etwas verdichtet sein. Nistplatz und Nahrungsraum können bis zu 300 m auseinanderliegen, sind aber meist räumlich eng verzahnt. Klausnitzer (1957) zitiert eine Beobachtung von Schütze, der ein Vorkommen bei Bautzen (Ostsachsen) bereits 1915 erwähnt. Demnach hat die von Klausnitzer wiedergefundene, aus ca. 50 Nestern bestehende Kolonie zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung bereits 50 Jahre bestanden.

Ruderalstelle

Ruderalstelle im Mannheimer Rheinhafen im Jahr 2009. An den nicht oder nur schütter bewachsenen Stellen nisteten hier zahlreiche Hosenbienen der Art Dasypoda hirtipes, bevor das gesamte Gebiet überbaut und der Nistplatz samt Pollenquellen zerstört wurde. [Für Großansicht auf Bild klicken]

Nistplatz Dasypoda hirtipes

Lückige Ruderalstelle im Hegau. An den unbewachsenen Stellen fanden sich zahlreiche Nester von Dasypoda hirtipes, erkennbar an den Erdauswürfen.

  • Ruderalstelle
    Ruderalstelle im Mannheimer Rheinhafen im Jahr 2009. An den nicht oder nur schütter bewachsenen Stellen nisteten hier zahlreiche Hosenbienen der Art Dasypoda hirtipes, bevor das gesamte Gebiet überbaut und der Nistplatz samt Pollenquellen zerstört wurde.
  • Wiese
    Lückige Ruderalstelle im Hegau. An den unbewachsenen Stellen fanden sich zahlreiche Nester von Dasypoda hirtipes, erkennbar an den Erdauswürfen.

Nistweise

Nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen in der Erde, meist in kleineren bis größeren Kolonien (unter günstigen Umständen Ansammlungen von mehreren hundert Nestern). Am Ende eines 20–60 cm langen Hauptganges liegen kurze, horizontale Stollen, die zur Brutzelle erweitert sind. Die Brutzellen sind ebenso wie der Hauptgang nicht mit einem Sekret ausgekleidet. Die zu den Brutzellen führenden Gänge werden  mit Sand gefüllt. Die Pollenballen ruhen auf drei Vorsprüngen. (Zu den zahlreichen Publikationen zur Nistweise siehe Westrich 2019: 575).

Kleiner Erdhügel mit Nest von Dasypoda hirtipes. Ein Weibchen ist gerade dabei, sein Nest zu verlassen.
Ein mit Pollen der Wegwarte reich beladenes Weibchen von Dasypoda hirtipes vor dem Nesteingang.
Hier hat das Weibchen an Gewöhnlichem Bitterkraut Pollen gesammelt und wird gleich die Brutzelle damit verproviantieren.
  • Ruderalstelle
    Kleiner Erdhügel mit Nest von Dasypoda hirtipes. Ein Weibchen ist gerade dabei, sein Nest zu verlassen.
  • Wiese
    Ein mit Pollen der Wegwarte reich beladenes Weibchen von Dasypoda hirtipes vor dem Nesteingang.
  • Wiese
    Hier hat das Weibchen an Gewöhnlichem Bitterkraut Pollen gesammelt und wird gleich die Brutzelle damit verproviantieren.

Blütenbesuch

Oligolektische, auf Asteraceae (Korbblütler) spezialisierte Art mit deutlicher Bevorzugung von Cichorieae und in geringerem Umfang auch Cynareae. Bereits Müller (1884: 34) hat den Asteraceen-Pollen im Larvenkot nachgewiesen.

    Belegte Pollenquellen:
  • Wegwarte (Cichorium intybus)
  • Gewöhnliches Bitterkraut (Picris hieracioides)
  • Acker-Gänsedistel (Sonchus arvensis)
  • Rauhe Gänsedistel (Sonchus asper)
  • Herbst-Löwenzahn (Leontodon autumnalis)
  • Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochaeris radicata)
  • Doldiges Habichtskraut (Hieracium umbellatum)
  • Binsen-Knorpelsalat (Chondrilla juncea)
  • Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare)
  • Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea)
  • Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa)

Je nach Blütenangebot verhalten sich die Weibchen mehr oder weniger blütenstet. Sie nutzen bevorzugt große Bestände von Cichorieae und sammeln dann blütenstet. Bei sehr heterogen zusammengesetzter Vegetation werden auch Cynareae genutzt. In solchen Fällen werden bis zu drei Arten auf einem Sammelflug besucht, z. B. Cirsium, Centaurea und Picris. Beide Geschlechter ruhen gerne in den Blüten der Wegwarte.

Ein frisches Männchen von Dasypoda hirtipes trinkt Nektar im Blütenstand des Jakobs-Greiskrauts (Senecio jacobaea). [Großansichten: Klick auf Bild]
Durch den Einfluß des Sonnenlichts bleichen die Haare allmählich aus und nehmen eine gräuliche Färbung an, wie bei diesem Männchen.
Hier besucht ein Männchen von Dasypoda hirtipes das Köpfchen der Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa).
Ein Weibchen hat gerade erst mit der Pollenernte begonne und hat noch wenig Pollen in seinen Haarbürsten gespeichert.
Die Wegwarte ist bei Dasypoda hirtipes besonders beliebt. Die mit dem weißen Pollen dieses Korbblütlers schon gut befüllten Haarbürsten lassen erkennen, daß das Weibchen schon viele Wegwarten-Blütenstände besucht hat.
Auch das Doldige Habichtskraut (Hieracium umbellatum) gehört zu den Pollenquellen von Dasypoda hirtipes.
  • Dasypoda hirtipes
    Ein frisches Männchen von Dasypoda hirtipes trinkt Nektar im Blütenstand des Jakobs-Greiskrauts (Senecio jacobaea).
  • Dasypoda hirtipes
    Durch den Einfluß des Sonnenlichts bleichen die Haare allmählich aus und nehmen eine gräuliche Färbung an, wie bei diesem Männchen.
  • Dasypoda hirtipes
    Hier besucht ein Männchen von Dasypoda hirtipes das Köpfchen der Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa).
  • Dasypoda hirtipes
    Ein Weibchen hat gerade erst mit der Pollenernte begonne und hat noch wenig Pollen in seinen Haarbürsten gespeichert.
  • Dasypoda hirtipes
    Die Wegwarte ist bei Dasypoda hirtipes besonders beliebt. Die mit dem weißen Pollen dieses Korbblütlers schon gut befüllten Haarbürsten lassen erkennen, daß das Weibchen schon viele Wegwarten-Blütenstände besucht hat.
  • Macropis fulvipes
    Auch das Doldige Habichtskraut (Hieracium umbellatum) gehört zu den Pollenquellen von Dasypoda hirtipes.

Kuckucksbienen

Bisher sind keine Kuckucksbienen von D. hirtipes bekannt.

Phänologie

Univoltin. Flugzeit von Mitte Juni bis Ende September. Überwinterung als Ruhelarve.

Gefährdung und Schutz

Vor allem im Umfeld von Dörfern und Städten sind viele Lebensräume durch Überbauung (z. B. Gewerbegebiete) zerstört worden. Im der Nördlichen Oberrheinebene war diese Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren besonders deutlich und für viele andere im Sand nistende Wildbienenarten bedrohlich. Die Förderung von Ruderalstellen und die Duldung unbewachsener Bodenstellen ist im Offenland wie im Siedlungsraum für die Erhaltung der Art besonders wichtig.

Rote Liste Deutschland: Vorwarnliste.

Literatur

Klausnitzer, B. (1957): Zur Biologie von Dasypoda plumipes Panz. (Hym.). – Mitt. Dtsch. Ent. Ges. 16: 32.

Müller, Hermann (1884): Ein Beitrag zur Lebensgeschichte der Dasypoda hirtipes. – Verh. naturhist. Ver. preuß. Rheinl. Westphalens 41: 1–52.

Westrich, P. (1990): Die Wildbienen Baden-Württembergs. 2. Auflage, 2 Bände, 972 S., 496 Farbfotos; Stuttgart (E. Ulmer).