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Ceratina cyanea

(Kirby 1802)

Gewöhnliche Keulhornbiene

male Ceratina cyanea - Männchen

male Ceratina cyanea - Weibchen.

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    male Ceratina cyanea - Männchen
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    male Ceratina cyanea - Weibchen

Kennzeichen

Größe: 6–7 mm. Männchen mit weißem Clypeus; dieser ist beim Weibchen schwarz. Im Feld durch die geringere Größe von der ebenfalls metallisch blaugrün gefärbten, aber wesentlich selteneren C. chalybea zu unterscheiden.

Halictus scabiosae

Die elfenbeinweiße Färbung der Oberlippe (Labrum) und des Kopfschilds (Clypeus) ist für das Männchen von Ceratina cyanea typisch.

Verbreitung

Nordwestafrika, fast ganz Europa, nordwärts bis Südschweden, ostwärts bis zum Kaukasus und Ural. – In ganz Deutschland verbreitet und häufig. – Österreich, Schweiz.

Lebensraum

Ruderalstellen, alte (Weinberg-)Brachen, Waldränder und Waldlichtungen, Feldhecken; auch im Siedlungsbereich an Ruderalstellen und in Parks.

Lathyrus latifolius

Eine seit 900 Jahren bewirtschaftete Weinberglandschaft im Oberen Neckartal mit brachgefallenen Terrassen am Oberhang (NSG »Hirschauer Berg«). Die große Strukturvielfalt liefert außer guten Nistmöglichkeiten auch ein reiches Nahrungsangebot für Ceratina cyanea und viele weitere Bienenarten. [Für Großansicht auf Bild klicken]

  • Wiese
    Eine seit 900 Jahren bewirtschaftete Weinberglandschaft im Oberen Neckartal mit brachgefallenen Terrassen am Oberhang (NSG »Hirschauer Berg«). Die große Strukturvielfalt liefert außer guten Nistmöglichkeiten auch ein reiches Nahrungsangebot für Ceratina cyanea und viele weitere Bienenarten.

Nistweise

Nistet in selbstgenagten Hohlräumen in dürren markhaltigen Stengeln und Zweigen von Disteln (Carduus, Onopordum), Königskerzen (Verbascum), Beifuß (Artemisia), Brombeere (Rubus fruticosus), Himbeere (Rubus idaeus), Holunder (Sambucus). (Balles 1939, Daly 1983, Else 1995, Westrich 1989).

Ceratina cyanea

Ein Weibchen am Nesteingang in einem dürren Brombeerstengel.

Ceratina cyanea

Ein Weibchen beim Ausnagen eines Nistganges im Mark eines dürren Brombeerstengels.

Ceratina cyanea Nest

Nest von Ceratina cyanea in einem dürren Brombeerstengel.

Ceratina cyanea Larve

Eine erst wenige Tage alte Larve von Ceratina cyanea auf ihrem Futter.

video Das folgende kurze Video (4 min 40 sec, 198 MB) zeigt Aktionen an einem dürren, von mir als Nisthilfe angebotenen Brombeerstengel, der bereits von einem Weibchen von Ceratina cyanea besiedelt wurde. Allerdings hat sich ein fremdes Weibchen in das Nest gesetzt, offenbar, um sich den Nistplatz selbst anzueignen. Der Nestinhaber versucht, das fremde Weibchen durch Attacken mit den Mandibeln zum Verlassen zu bewegen, was ihm aber während der Zeit der Filmaufnahmen nicht gelingt. Zwischendurch kommt ein Männchen, das gut an seinem weißen Clypeus zu erkennen ist, und versucht, das im Nesteingang sitzende Weibchen zur Paarung zu bewegen, hat aber keinen Erfolg. Während das bereits mit der Verproviantierung beschäftigte Weibchen sich erneut bemüht, das andere Weibchen zu vertreiben, versucht das Männchen, sich mit dem Weibchen zu paaren. Dieses hat schon Pollen gesammelt, was an dem gelben Pollen in der Schienenbürste zu erkennen ist. [Da die Keulhornbienen recht klein sind, empfehle ich hier den Vollbildmodus; ohne Ton]

Blütenbesuch

Polylektische Art (10 Pflanzenfamilien).

Bisher belegte Pollenquellen

  • Asteraceae
  • Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea)
  • Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe)
  • Gewöhnliche Kratzdistel (Cirsium vulgare)
  • Kornblume (Centaurea cyanus)
  • Gewöhnliches Bitterkraut (Picris hieracioides)
  • Campanulaceae
  • Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia)
  • Ausdauernde Sandrapunzel (Jasione laevis)
  • Caryophyllaceae
  • Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum)
  • Crassulaceae
  • Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre)
  • Fabaceae
  • Weißklee (Trifolium repens)
  • Hyacinthaceae
  • Pannonischer Milchstern (Ornithogalum pannonicum)
  • Lamiaceae
  • Gewöhnlicher Dost (Origanum vulgare)
  • Wald-Ziest (Stachys sylvatica)
  • Plantaginaceae
  • Großer Ehrenpreis (Veronica teucrium)
  • Resedaceae
  • Wilde Reseda (Reseda lutea)
  • Rubiaceae
  • Echtes Labkraut (Galium verum)
Ein Männchen von Ceratina cyanea trinkt Nektar im Blütenstand eines Korbblütlers. [Großansichten: Klick auf Bild]
Ein Männchen von Ceratina cyanea beim Blütenbesuch auf Flohkraut (Pulicaria dysenterica).

Pollensammeln an Großen Ehrenpreis (Veronica teucrium).

Ceratina cyanea, Weibchen bei der Pollenernte am Wald-Ziest (Stachys sylvatica).

Ceratina cyanea beim Pollensammeln in der Blüte des Scharfen Mauerpfeffers (Sedum acre).

Ceratina cyanea erntet Pollen im Blütenstand der Gewöhnlichen Kratzdistel (Cirsium vulgare). Beachte die Speicherung des Pollens in den Hinterbeinen.

  • Ceratina cyanea
    Ein Männchen von Ceratina cyanea trinkt Nektar im Blütenstand eines Korbblütlers.
  • Ceratina cyanea
    Ein Männchen von Ceratina cyanea beim Blütenbesuch auf Flohkraut (Pulicaria dysenterica).
  • Ceratina cyanea
    Pollensammeln an Großen Ehrenpreis (Veronica teucrium).
  • Halictus scabiosae
    Ceratina cyanea, Weibchen bei der Pollenernte am Wald-Ziest (Stachys sylvatica).
  • Ceratina cyanea
    Ceratina cyanea beim Pollensammeln in der Blüte des Scharfen Mauerpfeffers (Sedum acre).
  • Ceratina cyanea
    Ceratina cyanea erntet Pollen im Blütenstand der Gewöhnlichen Kratzdistel (Cirsium vulgare). Beachte die Speicherung des Pollens in den Hinterbeinen.

Kuckucksbienen

Bislang keine bekannt.

Phänologie

Univoltin. Beide Geschlechter überwintern als unverpaarte Imagines einzeln oder in Gruppen in hohlen Stengeln. Das Ausfliegen und die anschließende Paarung erfolgen erst im darauffolgenden Frühling und je nach Witterung von Ende April bis Anfang Juni. Die Nistaktivitäten beginnen meist im Juni und erstrecken sich bis weit in den Hochsommer.

Gefährdung und Schutz

Die nach wie vor regelmäßig anzutreffende Art ist die am wenigsten wärmeliebende und häufigste Keulhornbienenart. Sie kommt sogar auf Waldlichtungen und auf Kahlschlägen vor, sofern sie dort geeignete Nistmöglichkeiten vorfindet. Im Garten läßt sie sich ebenfalls durch Anbieten geeigneter Nisthilfen (dürre markhaltige Stengel) ansiedeln. Sie ist aktuell im Bestand nicht gefährdet.

Literatur

Balles, L. (1939): Hymenopterologische Beiträge zur Bienenfauna Badens. 7. Zur Kenntnis der Biologie einiger badischer Ceratina-Arten. – Mitt. bad. Landesver. Naturk. Naturschutz, N.F. 4: 105–119.

Daly, H. V. (1983): Taxonomy and ecology of Ceratinini of North Africa and the Iberian Peninsula (Hymenoptera: Apoidea). – Syst. Ent. 8: 29–62.

Else, G. R. (1995b): The distribution and habits of the small carpenter bee Ceratina cyanea (Kirby, 1802) (Hymenoptera: Apidae). – Br. J. Ent. Nat. Hist. 8: 1–6.

Westrich, P. (1989): Die Wildbienen Baden-Württembergs. 2 Bände, 972 S., 496 Farbfotos; Stuttgart (E. Ulmer). [1990 2., verb. Auflage].