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Camptopoeum friesei

(Fabricius 1804)

Salz-Buntbiene

male Camptopoeum friesei, Männchen (Neusiedlersee, Österreich)

male Camptopoeum friesei, Weibchen (Neusiedlersee, Österreich)

Kennzeichen

9–10 mm. Durch den glatten, gelbbandierten Hinterleib kann man beide Geschlechter gut den Buntbienen zuordnen. Das Weibchen ist kurz und dicht, das Männchen lang und dicht gelbbraun behaart. Bei letzterem sind die Fühler rostrot. Neben der charakteristischen Färbung ist auch der spezielle Blütenbesuch hilfreich für die Bestimmung.

Verbreitung

In Deutschland bislang nur in Sachsen-Anhalt und dort an mehreren Lokalitäten (Jansen & Saure 2021). Ein durch Fotos belegter Fund in Berlin im Jahr 2020 bedarf noch der Prüfung einer Bodenständigkeit. Extrem selten.

Lebensraum

Offenlandsart, die Binnenlandsalzstellen besiedelt.

Camptopoeum friesei

Lebensraum von Camptopoeum friesei in Sachsen-Anhalt (Foto: D. Rolke).

Lacke

Eine Salzlacke am Neusiedlersee (Österreich) im Juli 2005.

Salzlacke

Trockengefallene Salzlacke, aus deren Boden bereits zahlreiche Buntbienen geschlüpft sind.

Nistweise

Nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen in der Erde. Die Nester werden in ebenen Flächen, schwach geneigten Böschungen oder in vertikalen Strukturen (Steilwände) angelegt. Dorn (1969) fand die Nester im  lehmigen Sand einer Anschüttung in  einem stark mit Cirsium arvense (Acker-Kratzdistel) besiedelten Auwiesengelände. Koppitz et al. (2017) haben (unter dem Namen C. frontale) bei Latdorf eine individuenreiche Population (mehrere tausend Exemplare) gefunden. Die Art siedelt hier auf »deponierten Kalkschlämmen, die durch ein Sedimentationsverfahren aus Abwässern der Sodaproduktion (Solvay-Verfahren) aufgeschlämmt und terrassiert abgelagert werden. Hiernach trocknet der Boden ab und es entsteht ein staubfeiner Sedimentboden, der zwar gut grabbar, im Gegensatz zu feinem Sand jedoch relativ schluffig und formstabil ist.«

Im österreichischen Burgenland nistet die Art stellenweise in Kolonien mit bis zu 200 Nestern auf vegetationslosen oder nur schütter mit Salzkresse bewachsenen Sodaböden, den sogenannten Salzlacken des Neusiedler Sees. Die Männchen schlüpfen vor den Weibchen und patrouillieren über den vorjährigen Nestern. Sobald ein Weibchen schlüpft, stellt sich über dem Schlupfloch sofort ein Schwarm paarungswilliger Männchen ein.

Über die Nestarchitektur ist bislang nichts bekannt.

Systropha

Frisch geschlüpfte Männchen von Camptopoeum friesei am Nistplatz (Neusiedlersee, Österreich). [Für Großansicht auf Bild klicken]

Camptopoeum friesei

Ein Männchen von Camptopoeum friesei inspiziert ein Nest in Erwartung eines schlüpfenden Weibchens (Neusiedlersee, Österreich).

Systropha Nest

Ein Weibchen von Camptopoeum friesei gräbt im Boden der trockenen Salzlacke einen Hohlraum für das Nest (Neusiedlersee, Österreich).

Camptopoeum friesei

Ein Weibchen von Camptopoeum friesei ist mit reichlich Pollen vom Sammelflug heimgekehrt und ist vor dem Nesteingang gelandet (Neusiedlersee, Österreich).

  • Camptopoeum friesei
    Frisch geschlüpfte Männchen von Camptopoeum friesei am Nistplatz (Neusiedlersee, Österreich).
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    Ein Männchen von Camptopoeum friesei inspiziert ein Nest in Erwartung eines schlüpfenden Weibchens (Neusiedlersee, Österreich).
  • Camptopoeum friesei
    Ein Weibchen von Camptopoeum friesei gräbt im Boden d der trockenen Salzlacke einen Hohlraum für das Nest (Neusiedlersee, Österreich).
  • Camptopoeum friesei
    Ein Weibchen von Camptopoeum friesei ist mit reichlich Pollen vom Sammelflug heimgekehrt und ist vor dem Nesteingang gelandet (Neusiedlersee, Österreich).
  • Camptopoeum friesei
    Ein Männchen von Camptopoeum friesei trinkt Nektar im Blütenstand einer Flockenblume (Neusiedlersee, Österreich).
  • Camptopoeum friesei
    Ein Männchen von Camptopoeum friesei im Blütenstand einer Flockenblume (Neusiedlersee, Österreich).
  • Camptopoeum friesei
    Zwei Weibchen von Camptopoeum friesei haben mit der Pollenernte begonnen (Neusiedlersee, Österreich).
  • Camptopoeum friesei
    Ein Weibchen von Camptopoeum friesei mit gut gefüllten Pollenladungen (Neusiedlersee, Österreich).

Blütenbesuch

C. friesei ist oligolektisch und nutzt zum Pollensammeln ausschließlich bestimmte Korbblütler (Asteraceae), insbesondere Flockenblumen (Centaurea), v. a. die Rispen-Flockenblume (C. stoebe) und Disteln (Cirsium, Carduus).

Systropha

Ein Männchen von Camptopoeum friesei trinkt Nektar im Blütenstand einer Flockenblume (Neusiedlersee, Österreich). [Für Großansicht auf Bild klicken]

Camptopoeum friesei

Ein Männchen von Camptopoeum friesei im Blütenstand einer Flockenblume (Neusiedlersee, Österreich).

Systropha Nest

Zwei Weibchen von Camptopoeum friesei haben mit der Pollenernte begonnen (Neusiedlersee, Österreich).

Camptopoeum friesei

Ein Weibchen von Camptopoeum friesei mit gut gefüllten Pollenladungen (Neusiedlersee, Österreich).

Kuckucksbienen

Als Kuckucksbiene gilt die in Österreich vorkommende, in Deutschland jedoch noch nicht nachgewiesene Kurzhornbienenart Pasites schmidti.

Phänologie

Univoltin. Flugzeit im Juli und August. Überwinterung als Ruhelarve.

Literatur

Dorn, M. (1969): Erneuter Nachweis von Camptopoeum frontale (F.) im Raum Halle/Saale (Hym. Apoidea). – Deutsche Entomologische Zeitschrift (Neue Folge) 16: 55–57.

Jansen, E. & Saure, C. (2021): Über Camptopoeum aus Sachsen-Anhalt (Hymenoptera, Apiformes). – Eucera 16: 1 – 10.

Koppitz, C., Schubert, L.F., Jung, M. & Schmid-Egger, C. (2017): Neue Funde der Steppen-Buntbiene Camptopoeum frontale (Fabricius, 1804) in Sachsen-Anhalt (Hymenoptera, Apoidea, Panurginae). – Ampulex 9: 32–35.