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Anthophora pubescens

(Fabricius 1781)

Schuppen-Pelzbiene

male Anthophora pubescens, Männchen

male Anthophora pubescens, Weibchen.

Kennzeichen

Männchen: 8–9 mm. Gesicht ausgedehnt weiß gefärbt. Behaarung auf Gesicht und Thorax-Unterseite weißlich, auf dem Mesonotum mitten bräunlich mit schwarzen Haaren durchmischt. Metatarsus 2 an der Vorderkante und Krallenglied 2 beiderseits mit einer schwarzen Haarfranse. Weibchen: 8–9 mm. Kopfschild und Oberlippe mit weißer Zeichnung. Hinterleib mit kurzen, weißen, schuppenartigen Haaren schimmelartig bedeckt. Schienenbürste und Metatarsus 3 weißlich lang behaart. Die kleinste heimische Anthophora-Art. [Großansichten: auf Bild klicken]

Anthophora pubescens

Anthophora pubescens, Männchen in Frontalansicht.

Anthophora pubescens

Anthophora pubescens, Weibchen in Frontalansicht.

Verbreitung

Aus Deutschland liegen Meldungen vor aus Rheinland-Pfalz (Loreley nach Aerts 1950 und Bad Kreuznach nach Morawitz 1872), aus Bayern (Erlangen nach Stoeckhert 1919), aus Brandenburg (hier bei Oderberg die Nordgrenze der Verbreitung in Deutschland, Saure & Berger 2006, Flügel 2010, eigene Beobachtung 1994) und aus Baden-Württemberg (Westrich 1990, 2019, Fellendorf & Mohra 1997, Treiber 2016). – Extrem selten, am Kaiserstuhl und am Tuniberg aktuell jedoch in Ausbreitung mit individuenreichen Vorkommen an mehreren Lokalitäten. Zudem gibt es weitere Nachweise in den Jahren 2019 und 2020 an der Mosel (Fotobelege von Bernhard Jacobi bei Flickr.com).

Lebensraum

Trockenwarme Hänge, Weinberge. Nistplätze sind Löß- und Lehmwände, in Südeuropa auch lehmverfüllte Fugen von Mauern. Möglicherweise nistet die Art auch in ebenen Flächen und in sandigem Substrat.

Magerrasen

Eine Lößwand im Kaiserstuhl, die seit vielen Jahren eine größere Kolonie von Anthophora pubescens beherbergt. [Für Großansicht auf Bild klicken.]

  • Wiese
    Eine Lößwand im Kaiserstuhl, die seit vielen Jahren eine größere Kolonie von Anthophora pubescens beherbergt.

Nistweise

Nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen in der Erde, unter günstigen Verhältnissen auch in größeren Kolonien 100 und mehr Weibchen. In den Hohlräumen werden die Brutzellen gemörtelt. (Grozdanić & Radivojević 1972, Malyshev 1925, Westrich 2019).

Anthophora pubescens Nest

Ein Männchen paart sich mit dem Weibchen an der Lößwand.

Anthophora pubescens

Ein Weibchen von Anthophora pubescens streicht mit seiner Zunge über das Substrat der Lößwand, vermutlich um Mineralien aufzunehmen.

Anthophora pubescens

Auch in der Seitenansicht des Weibchens ist die Länge des Pelzbienen-Rüssels gut zu sehen.

video Das folgende Video (198 MB, 2:56 min) zeigt zunächst das Schwärmen einer großen Zahl frischgeschlüpfter Männchen von Anthophora pubescens an einer Lößwand im Kaiserstuhl, die seit Jahrzehnten eine große Kolonie dieser sehr seltenen Art beherbergt. Die Männchen schwärmen vor der Wand, weil sie dort ihre nach und nach schlüpfenden Weibchen erwarten, mit denen sie sich paaren wollen. Immer wieder kriechen sie in Hohlräume, in denen sich die letztjährigen Brutzellen befinden. Vermutlich geben die Weibchen einen Duftstoff ab, an dem die Männchen die unverpaarten Weibchen erkennen. Der letzte Teil des Videos zeigt Weibchen, die am Abend immer wieder dieselben Stellen am Fuß der Wand anfliegen, wo sie mit der Zunge über die Gesteinsschicht streichen. Vermutlich entnehmen sie dabei Mineralien. Es ist unbekannt, welchen Zweck dieses Verhalten bzw. die entnommenen Stoffe haben. [Der erste Teil ist mit dem Flugton der Männchen unterlegt. Daher gegebenenfalls den Ton einschalten. Großansicht ist möglich.]

Blütenbesuch

Polylektische Art (3 Pflanzenfamilien). Pollenquellen: Boraginaceae: Gewöhnlicher Natterkopf (Echium vulgare); Cistaceae: Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum nummularium); Lamiaceae: Schwarznessel (Ballota nigra), Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum), Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys), Echter Lavendel (Lavandula angustifolia), Breitblättriger Lavendel (Lavandula latifolia), Garten-Katzenminze (Nepeta × fassenii).

Anthophora pubescens

Anthophora pubescens. Männchen im Anflug an eine Blüte.

Anthophora pubescens. Ein Männchen trinkt Nektar des Edel-Gamanders (Teucrium chamaedrys).

Anthophora pubescens. Ein Männchen beim Blütenbesuch an Lavendel (Lavandula).

Ein Weibchen von Anthophora pubescens, dessen Haare schon etwas ausgebleicht sind, trinkt Nektar an Lavendel (Lavandula).

Bei der Pollenernte fliegt das Weibchen von Anthophora pubescens äußerst schnell von Blüte zu Blüte. Hier ist die Futterquelle ein Lavendel-Strauch in einem Garten.

Dieses Weibchen hat schon viel von dem graublauen Natterkopf-Pollen (Echium vulgare) gesammelt und in der Schienenbürste gespeichert.

  • Anthophora pubescens
    Anthophora pubescens. Männchen im Anflug an eine Blüte.
  • Anthophora pubescens
    Anthophora pubescens. Ein Männchen trinkt Nektar des Edel-Gamanders (Teucrium chamaedrys).
  • Anthophora pubescens
    Anthophora pubescens. Ein Männchen beim Blütenbesuch an Lavendel (Lavandula).
  • Anthophora pubescens
    Ein Weibchen von Anthophora pubescens, dessen Haare schon etwas ausgebleicht sind, trinkt Nektar an Lavendel (Lavandula).
  • Anthophora pubescens
    Bei der Pollenernte fliegt das Weibchen von Anthophora pubescens äußerst schnell von Blüte zu Blüte. HIer ist die Futterquelle ein Lavendel-Strauch in einem Garten.
  • Anthophora pubescens
    Dieses Weibchen hat schon viel von dem graublauen Natterkopf-Pollen (Echium vulgare) gesammelt und in der Schienenbürste gespeichert.

Kuckucksbienen

Ducke (1900) beobachtete Coelioxys rufescens an den Nestern. An Nistplätzen in Deutschland und Frankreich konnte ich mehrmals Thyreus orbatus beobachten.

Phänologie

Univoltin. Flugzeit von (Mitte Juni) Anfang Juli bis Ende August. In den heißen Sommern der vergangenen Jahre begann die Flugzeit im Vergleich zu den Vorjahren zwei Wochen früher.

Gefährdung und Schutz

Die in den letzten Jahrzehnten in Deutschland extrem seltene und bis jüngst nur von zwei Lokalitäten aktuell bekannte Art hat sich zumindest am Kaiserstuhl und Tuniberg nicht nur in der Fläche deutlich ausgebreitet, auch die lokalen Teilpopulationen haben in der Individuenzahl merklich zugenommen. Zudem gibt es Nachweise in den Jahren 2019 und 2020 an der Mosel (Fotobelege von Bernhard Jacobi). An den aktuellen Fundorten kann die Art durch die Kultur von Lavendel mit einer langen Blühzeit wirksam gefördert werden. Daneben ist die Duldung von Ruderalstellen (Natterkopf!) und die Erhaltung und Pflege von Magerrasen wichtig.

Rote Liste Deutschland: Vom Aussterben bedroht (1).

Literatur

Aerts, W. (1950): Ein hymenopterologischer Ausflug zur Loreley. – Westdeutscher Naturwart 1: 19–26.

Ducke, A. (1900b): Nachtrag zur Bienenfauna österreichisch Schlesiens. – Ent. Nachr. 26: 8–11.

Flügel, H.-J. (2010): Wildbienennachweise vom Pimpinellenberg bei Oderberg und Umgebung (Hymenoptera: Apidae). – Entomofauna 31 (19): 97–112.

Grozdanić, S. & Radivojević, V. (1972): Biologische Untersuchungen an den Bienen – Osmia bidentata Mor. und Anthophora pubescens F. (Apoidea, Hymenoptera). – Bull. Mus. Hist. Nat. Belgrade, Ser.B, 27: 63–69.

Jacobi, B. (2019/2020): Anthophora pubescens. Fotos. https://www.flickr.com – abgerufen am 16.03.2021.

Malyshev, S. I. (1925d): The nesting habits of Anthophora Latr. (Hymenoptera, Apodea) (sic !). – Trav. Soc. Nat. Leningrad, 55: 137–183.

Mandery, K. (2001): Die Bienen und Wespen Frankens. – Bund Naturschutz Forschung 5: 287 S.; Nürnberg.

Morawitz, F. (1872): Ein Beitrag zur Bienenfauna Deutschlands. – Verh. zool.-bot. Ges. Wien, 22: 355–388.

Saure, C. & Berger, G. (2006): Flächenstilllegungen in der Agrarlandschaft und ihre Bedeutung für Wildbienen. – Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg 15 (2): 55–65.

Stoeckhert, E. (1919): Beiträge zur Kenntnis der Hymenopterenfauna Frankens. – Mitt. Münch. Ent. Ges. 9: 4–12, 17–32, 37–49.

Treiber, R. (2016): Lösswände im Kaiserstuhl – Besiedlung durch den Bienenfresser und ihre naturschutzfachliche Bedeutung für Wildbienen und solitäre Wespenarten. – Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg 78: 189–222.

Westrich, P. (1990): Die Wildbienen Baden-Württembergs. 2 Bände, 2. Aufl., 972 S., 496 Farbfotos; Stuttgart (E. Ulmer).

Xambeu, V. (1896): Moeurs et metamorphoses des Anthophora pubescens et 7–dentatum, Hyménoptères du groupe des Apides. – Bull. Soc. ent. France, 1896: 328–331.

Anthophora pubescens

Als Offenland oder Offenlandschaft bezeichnet man nicht überbaute, nicht durch Gehölze dominierte Gebiete und damit alle Lebensräume, die nicht zum Wald zählen.