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Zur weiteren Ausbreitung der Asiatischen Mörtelbiene (Megachile sculpturalis) in Deutschland im Jahr 2020

Neue Nachweise in Baden-Württemberg und in Bayern

Bislang habe ich zwar Bestätigungen für das erneute Auftreten an bereits 2019 oder davor bekannten Fundorten erhalten, jedoch erst zwei Nachweise an neuen Lokalitäten.

Durch ein Insektenforum im Internet bekam Christine Braunschmidt den Hinweis, ein Gast an ihrem Nistholz könnte eine Asiatische Mörtelbiene sein. Nach dem Besuch meiner Website teilte sie mir am 23. Juli 2020 mit, daß »eine Asiatische Mörtelbiene sieben Löcher von 1 cm Durchmesser belegt hat. ... Mein Nistholz hängt seit Jahren an einem Südostfenster im dritten Stock mitten im Stuttgarter Westen. Wegen ihrer Größe waren die Löcher bis jetzt nie belegt.« Von Stuttgart war bislang noch kein Vorkommen bekannt. Die Beobachtung war mit drei Fotos belegt, von denen eines nachfolgend zu sehen ist.

Megachile sculpturalis

Das in Stuttgart beobachtete Weibchen von Megachile sculpturalis an der hölzernen Nisthilfe mit Bohrungen bis 10 mm Durchmesser. (Foto: Christine Braunschmidt).

Ebenfalls am 23. Juli 2020 teilte mir Gisela Seidenberger einen Fund vom westlichen Stadtrand in München mit: »Seit einigen Tagen beobachte ich, wie ich jetzt weiß, Asiatische Mörtelbienen an meiner selbstgebauten Nisthilfe. Heute gelang es mir, sie auch zu fotografieren. Es sind wenigstens zwei Weibchen, die hier ihre Nester anlegen.« Weiter schreibt sie: »Als Niströhren werden Stäbe des Japanischen Staudenknöterichs (Fallopia japonica) genutzt.« Die beiden nachfolgenden Bilder zeigen die beiden Weibchen.

Megachile sculpturalis
Megachile sculpturalis

Die beiden Weibchen von Megachile sculpturalis in München an ihren Niströhren. (Fotos: Gisela Seidenberger).

Christoph Zillmann übermittelte mir am 1. August Fotos eines nistenden Weibchens und eines Nestes sowie ein Video, das ein Weibchen beim Verschließen des Nestes zeigt. Eine Brutzelle enthielt Pollen in der typischen Farbe des Schnurbaum-Pollens und eine junge Larve. Der Fundort liegt in Friedrichshafen am Bodensee und damit etwa 9 km Luftlinie vom deutschen Erstfundort Langenargen entfernt.

Megachile sculpturalis

Das in Friedrichshafen beobachtete Weibchen von Megachile sculpturalis an einem käuflichen Nistkasten. (Foto: Christoph Zillmann).

Jürgen Fickel meldete mir am 4. August 2020 die Beobachtung eines Männchen von Megachile sculpturalis, das am 1. August die Blüten eines Japanischen Schnurbaums am Südrand von Markdorf (Baden) besuchte. Der Nachweis wurde durch ein Foto belegt. Markdorf liegt nur 12 Kilometer vom nächsten Fundort Friedrichshafen entfernt.

Am 14. August 2020 erhielt ich von Dr. Stephanie Joerges die Nachricht, im Osten von München (Zamdorf) hätte sie auf einem Balkon an Nisthilfen Megachile sculpturalis beobachtet. Belegfotos bestätigen den Nachweis.

Megachile sculpturalis

Das Foto zeigt das im Münchener Osten gefundene Weibchen von Megachile sculpturalis. (Foto: Stephanie Joerges).

Am 6. August 2020 teilte mir Ulrich vor dem Esche seine Beobachtungen in Freiburg i. Br. mit, wo er zwei neue Fundorte entdeckt und darüber hinaus Interessantes zum Verhalten der Art beim Nestbau dokumentiert hat. – Am 13. August 2020 wurde ein von Pia Oberacker 2019 festgestelltes Vorkommen in Karlsruhe-Durlach in Form eines nistenden Weibchens bestätigt. – Am 16. August 2020 wurde auch das bereits 2018 gemeldete Vorkommen auf der Insel Mainau am Bodensee bestätigt. Dort hat Doris Zwick drei Weibchen beobachtet, die in Bohrungen in Holz und in Bambusröhren nisteten und Pollen eintrugen. Blütenbesuche waren nicht festgestellt worden. Allerdings blühten in der Umgebung des Nistplatzes mehrere Exemplare des Japanisches Schnurbaum (Styphnolobium japonicum) und eine Samthaarige Stinkesche (Tetradium daniellii). Ein Foto eines Weibchens zeigte eine mit gelbem Pollen gefüllte Bauchbürste. Dieser Pollen könnte durchaus von Tetradium stammen, was aber nur durch eine Pollenanalyse geklärt werden könnte. Beide Baumarten sind als Pollenquellen der Asiatischen Mörtelbiene bekannt.

Megachile sculpturalis

Eines der Weibchen auf der Insel Mainau kam mit gelbem Pollen zurück, der von Tetradium stammen könnte. (Foto: Doris Zwick).

Am 3. September 2020 informierte mich Julia Lanner über einen Nachweis eines nistenden Weibchen in Radolfzell am Bodensee.

Mir wurde noch von zwei weiteren Funden in Süddeutschland berichtet, die der Finder aber selbst veröffentlichen will und die daher in der folgenden Karte fehlen.

Megachile sculpturalis Verbreitung

Obige, mit OpenStreetMap erstellte Karte zeigt die bisherigen in Deutschland bekannt gewordenen Nachweise von Individuen von Megachile sculpturalis an 28 Lokalitäten (Stand 3. September 2020). Die blauen Symbole mit weißer Kontur zeigen Erstnachweise im Jahr 2020.

Neue Vorkommen bitte melden!

Wer auch immer in Deutschland Männchen oder Weibchen beobachtet oder Nester findet, den bitte ich um eine Nachricht an meine E-Mail-Adresse, um das Geschehen besser verfolgen und dokumentieren zu können. Die Angabe der genauen Adresse mit Hausnummer ist nicht notwendig. Orts- und Straßenname reichen aus. Hier wird nur der Ort bekanntgegeben, nicht die genaue Adresse. Zum Eintragen in die Karte ist zumindest der Name einer Straße oder einer anderen geographischen Lokalität notwendig. Dies gilt v. a. für größere Städte. Hilfreich sind Befunde mit Fotos, gerne auch mit dem Handy aufgenommen, und eine Beschreibung der Fundumstände oder des Verhaltens der Mörtelbienen.

Allen, die mir Funde gemeldet und ihre Beobachtungen mitgeteilt haben, danke ich recht herzlich.

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3. September 2020