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Panurgus Panzer 1806

Zottelbienen

Verbreitung

Die Gattung Panurgus ist vorwiegend in der nördlich-gemäßigten Zone verbreitet, wobei Spanien und Nordafrika die größte Artenzahl erreichen dürften. Wahrscheinlich gibt es mehr als 30 Arten (Michener 2007). Aus Deutschland sind 3 Arten bekannt.

Äußeres Erscheinungsbild, Erkennung im Feld

Größe: 6–13 mm. Zottelbienen haben einen sehr einheitlichen Habitus. Sie sind glänzend tiefschwarz, ziemlich kahl bis struppig und dunkel behaart. Der Kopf ist dick und breiter als der Thorax. Die Fühler sind kurz und keulenförmig. Die Größe reicht von 6 bis 13 mm. Die Männchen einiger Arten fallen durch ihren großen, kubischen Kopf auf. An den Beinen tragen diese manchmal auffallende Bildungen (»Zähne«). Die Hinterbeine der Weibchen mit langer Behaarung. Vorderflügel wie bei Panurginus mit zwei Cubitalzellen. Radialzelle mit großer Anhangzelle. Das typische Pollensammelverhalten in den Blütenständen der Pollenquellen erleichtert das Erkennen. Die Arten sind im Feld allerdings kaum zu unterscheiden, am ehesten ist noch P. banksianus zu erkennen, da er deutlich größer als P. calcaratus und P. dentipes ist.

Panurgus banksianus Männchen

Panurgus banksianus, Männchen

Panurgus dentipes Weibchen

Panurgus dentipes, Weibchen

Taxonomie und Bestimmung

Taxonomisch-systematische Publikationen nach 1930: Warncke (1972, 1987). Eine phylogenetische Studie liefert Patiny (1999). Zur Bestimmung geeignet sind die Tabellen in Amiet et al. (2010) und Schmid-Egger & Scheuchl (1997).

Lebensräume

Während Panurgus banksianus am häufigsten (aber nicht nur) in Wald- oder Gebirgsgegenden auftritt, sind P. calcaratus und P. dentipes typische Offenlandsarten der Ebene oder des Hügellandes. Aufgrund ihrer Ansprüche an Nistplatz und Futterpflanzen sind letztere eher für Ruderalflächen und Brachland sowie magere Wiesen charakteristisch, wobei P. dentipes wesentlich seltener ist als der sehr ähnliche P. calcaratus.

Nistweise

Alle Arten nisten in der Erde, meist in sandigem Boden oder in sandigem Löß oder Lehm, wobei oft große Kolonien über viele Jahre hin beobachtet werden. Bevorzugte Nistplätze sind lückige Waldränder, schütter bewachsene oder kahle Böschungen sowie Erdwege und unbewachsene Flächen in Sand- und Lehmgruben sowie Sandheiden. Das Bodensubstrat kann recht hart sein, z. B. durch regelmäßiges Begehen oder Befahren.

P. banksianus hat eine solitäre Lebensweise, bei der jedes Weibchen sein eigenes Nest gräbt und die Brut allein versorgt. P. calcaratus und P. dentipes leben im Gegensatz zu P. banksianus nicht solitär, sondern gehören zu den kommunalen Arten. Jedes Weibchen der letzten beiden Arten versorgt seine eigenen Brutzellen. Zwischen den Weibchen, die sich im Nesteingang treffen, werden keine Wechselwirkungen beobachtet. Die Nesteingänge werden niemals bewacht. Auch die Nester selbst werden nie verteidigt, auch nicht bei häufigem Auftreten von Kuckucksbienen.

Blütenbesuch

Alle Zottelbienen sind oligolektisch und auf Korbblütler (Asteraceae), besonders Cichorieen, spezialisiert. Wir finden sie daher, oft in Anzahl, in den Köpfchen von Habichtskräutern (Hieracium), Bitterkraut (Picris), Löwenzahn (Leontodon) und Ferkelkraut (Hypochoeris); aber auch blaue Köpfchen wie die der Wegwarte (Cichorium) werden eifrig besucht. Da diese Korbblütler oft bereits um die Mittagszeit ihre Köpfchen schließen, trifft man Panurgus am ehesten in den Morgenstunden beim Blütenbesuch an.

Picris hieracioides

Das Gewöhnliche Bitterkraut (Picris hieracioides) ist eine bedeutende Pollenquelle der Panurgus-Arten.

Beim Pollensammeln »robben« sich die Weibchen auf der Seite liegend durch die Blütenköpfchen, wobei sie sich ständig krümmen und mit Pollen bepudern. Der Pollen wird in langen, zottigen Haarbürsten an den Hinterbeinen zum Nest transportiert. Die Männchen nutzen die Blütenköpfchen als Schlafplätze.

Brutparasiten

Als Kuckucksbienen treten nur Nomada-Arten auf. So lebt Nomada similis bei P. banksianus, N. fuscicornis bei P. calcaratus und P. dentipes, doch sind diese beiden Nomada-Arten nicht immer an den Nistplätzen ihrer Wirte zu finden. N. panurgina Morawitz, ein Brutparasit von P. dentipes, wurde in Mitteleuropa bisher nur aus der Schweiz bekannt.

Phänologie

Die Arten der Gattung Panurgus sind typische Hochsommerformen, die teilweise schon im Juni erscheinen, ihre Haupttätigkeit im Juli und August entfalten und mitunter bis in den Herbst hinein fliegen. Sie haben nur eine Generation im Jahr und überwintern als Ruhelarven.

Flugzeiten_Panurgus

Literatur

Amiet, F., Herrmann, M., Müller, A. & Neumeyer, R. (2010): Apidae 6. Andrena, Melitturga, Panurginus, Panurgus. - Fauna Helvetica 26, 317 S.

Patiny, S. (1999): Etude phylogénétique des Panurginae de l’ancien monde (Hymenoptera, Andrenidae). – Linzer biol. Beitr. 31: 249–275.

Schmid-Egger, C. & Scheuchl, E. (1997): Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band III: Andrenidae. 180 S. (Eigenverlag).

Warncke, K. (1972): Westpaläarktische Bienen der Unterfamilie Panurginae (Hym., Apidae). – Polskie Pismo Ent. 42: 53–108.

Warncke, K. (1987): Ergänzende Untersuchungen an Bienen der Gattung Panurgus und Melitturga /Andreninae, Apidae, vor allem aus dem türkischen Raum. — Boll. Mus. Civ. Stor. nat. Venezia 36 (1985): 75–107.

Westrich, P. (2019): Die Wildbienen Deutschlands.– 2., aktualisierte Auflage, 824 S., 1700 Farbfotos. Stuttgart (E. Ulmer).

Die Panurgus-Arten Deutschlands

Ein blauer Link verweist auf einen Steckbrief.

Panurgus banksianus (Kirby 1802)
Panurgus calcaratus (Scopoli 1763)
Panurgus dentipes Latreille 1811

Cubitalzellen