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Megachile Latreille 1802

Blattschneider- und Mörtelbienen

Verbreitung

Die Gattung Megachile ist fast weltweit verbreitet (Michener 2007). Aus Deutschland sind 23 Arten bekannt.

Äußeres Erscheinungsbild, Erkennung im Feld

Megachile-Arten sind robuste, mittelgroße bis große Bienen. Das Abdomen ist bei den Weibchen flach. Der Hinterleib ist entweder stärker behaart und ohne erkennbare Haarbinden am Ende der Tergite oder der Hinterleib ist schwach behaart, hat aber deutliche helle Tergitbinden. Bei den Männchen sind die Vordertarsen oft verbreitert und lang gefranst (u. a. M. willughbiella, M. maritima, M. lagopoda), das Endglied der Fühler ist flachgedrückt, die Endsegmente sind einwärts gekrümmt und meist gekerbt und gezähnt. Die Größe schwankt von 9 mm (M. alpicola) bis 18 mm (M. lagopoda). Mit etwas Übung kann man einige Arten vor allem im weiblichen Geschlecht auch im Gelände ansprechen, z. B. M. ericetorum, M. willughbiella oder M. rotundata. Auch das Weibchen von M. parietina ist leicht zu erkennen, da sein ganzer Körper schwarz behaart ist, während die Bauchbürste braunrot ist. Die Flügel sind schwarzblau. Die Männchen von Megachile sind v. a. bei den kleineren Arten im Feld nur schwer oder gar nicht zu unterscheiden.

Halictus quadricinctus Weibchen

Megachile willughbiella, Weibchen

Megachile versicolor Weibchen

Megachile versicolor, Weibchen

Megachile willughbiella

Megachile willughbiella, Männchen. Beachte die verbreiterten, cremeweißen Vordertarsen mit der charakteristischen Fransenbehaarung.

Megachile versicolor

Megachile versicolor, Männchen. Die Vordertarsen sind bei dieser Artengruppe nicht verbreitert.

Taxonomie und Bestimmung

Während die Gattung Chalicodoma Lepeletier 1841 (Mörtelbienen) lange als eigenständige Gattung betrachtet wurde, hat Michener (2000) sie mit der Gattung Megachile (Blattschneiderbienen) vereinigt, so daß wir aktuell alle Arten in einer einzigen Gattung Megachile zusammenfassen.

Taxonomisch-systematische Publikationen nach 1930: Benoist (1935, 1940), Niemelä (1936), Rebmann (1967, 1968, 1970), van der Zanden (1983), Dorn & Weber (1988). Zur Bestimmung wurde lange die Tabelle in Schmiedeknecht (1930) verwendet. Bestimmungsschlüssel für die mitteleuropäischen Arten enthält das Buch von Dorn & Weber (1988). Hinweise zur Bestimmung einzelner Arten geben auch Blüthgen (1949), Rebmann (1968) und Theunert (2002). Empfehlenswert sind die neueren reich illustrierten Bestimmungsschlüssel von Amiet et al. (2004) und Scheuchl (1996).

Lebensräume

Megachile-Arten trifft man vom Frühjahr bis zum Herbst in den verschiedensten Lebensräumen an: Waldränder und lichte Wälder, Sand-, Kies- und Lehmgruben, Binnendünen, Streuobstwiesen, Ruderalfluren und Brachen. In Gärten kommen vor allem M. willughbiella, M. ericetorum und zunehmend auch M. rotundata vor.

Nistweise

Blattschneiderbienen

Die Biologie der Blattschneiderbienen, zu denen die meisten Megachile-Arten gehören, ist seit Réaumur (1748) in vielen Arbeiten behandelt worden. Speziell mit dem Mechanismus des Blattschneidens haben sich z. B. Altevogt (1955), Schremmer (1954) und Hasenkamp (1974) beschäftigt. In Bezug auf den Nistplatz haben einige Arten speziellere Ansprüche: M. maritima, M. analis und M. leachella nisten bevorzugt im Sand, letztere vor allem im Flugsand, M. pilidens und M. pyrenaea unter Steinen, M. nigriventris in morschem Holz. Allgemein sind die Blattschneiderbienen jedoch recht flexibel in der Wahl ihrer Nistplätze. So nistet M. willughbiella nicht nur in morschem Holz, sondern auch in verlassenen Nestern von Pelzbienen (Anthophora) oder in Bohrgängen künstlicher Nisthilfen und sogar in der Erde von Blumentöpfen auf dem Balkon oder der Terrasse. M. centuncularis, M. versicolor und M. circumcincta nisten sowohl im Boden, unter flachen Steinen, in Mauerfugen, in morschem Holz, teilweise auch in hohlen Pflanzenstengeln und Nisthilfen. M. maritima gräbt selbst ihre Niströhre in der Erde. Die Männchen schlafen in allerlei Hohlräumen, während zumindest ein Teil der Weibchen in der eigenen Niströhre ruht.

Als Baumaterial werden meist härtere, manchmal auch weichere Laubblätter verwendet, die sie mit Hilfe ihrer gezähnten Mandibeln (Oberkiefer) aus Laubblättern von Bäumen, Sträuchern oder Kräutern ausschneiden. Dabei kann ein und dieselbe Art das Baumaterial von ganz verschiedenen Pflanzenarten gewinnen. Von M. maritima sind allein 32 Pflanzenarten als Baustofflieferanten bekannt. Bisweilen werden auch Blütenblätter verwendet (z. B. von M. rotundata, M. leachella). Vor allem M. rotundata verwendet vorwiegend »weiche« Blätter, vor allem von krautigen Pflanzen. Die Nestarchitektur ist bei allen blattschneidenden Megachile-Arten annähernd gleich. Es sind in der Regel Linienbauten, bei denen bis zu 15 Zellen dicht hintereinander liegen, wobei der Deckel einer Zelle zugleich den Boden der nächsten Zelle bildet. Für die Seitenwände der Brutzelle werden längliche Blattausschnitte verwendet. Für den Boden und den Deckel der Zelle und für den oft mehrschichtigen Nestverschluß werden kreisrunde Blattstücke verwendet. M. apicalis nutzt für das Verkleben der einzelnen Blattstücke Nektar.

Mörtelbienen

Mörtelbienen, die von einigen Autoren früher auch als eigene Gattung Chalicodoma aufgefaßt wurden, unterscheiden sich von den Blattschneiderbienen hinsichtlich der Lebensweise dadurch, daß die Weibchen zum Bau ihrer Nester mineralisches Material (Sand, Lehm, Steinchen), bisweilen auch zusätzlich oder (bei außereuropäischen Arten) ausschließlich Harz verwenden. Unter den mitteleuropäischen Megachile-Arten rechnen wir M. parietina, M. pyrenaica, M. ericetorum und die adventive M. sculpturalis zu den Mörtelbienen. Mörtelbienen bauen ihre Nester entweder frei auf Steinen, Felsen oder Mauern (M. parietina, M. pyrenaica) oder in vorhandenen Hohlräumen (M. ericetorum, M. sculpturalis).

Für weitere Details zur Nestarchitektur und zum Nestbauverhalten siehe den Steckbrief der Arten und Westrich (2019).

Blütenbesuch

In der Gattung Megachile gibt es sowohl polylektische als auch oligolektische Arten. Die Pollenquellen verteilen sich auf die folgenden 20 Pflanzenfamilien: Alliaceae, Apiaceae, Asteraceae, Boraginaceae, Brassicaceae, Campanulaceae, Caprifoliaceae, Crassulaceae, Ericaceae, Fabaceae, Hypericaceae, Lamiaceae, Liliaceae, Mimosaceae, Onagraceae, Paeoniaceae, Plantaginaceae, Resedaceae, Rosaceae, Xanthorrhoeaceae.

Als oligolektische Arten gelten M. ericetorum (Fabaceae) und M. lapponica (Onagraceae), eingeschränkt auch M. nigriventris (Fabaceae).

Für die Speicherung und den Transport des Pollens nutzen die Weibchen eine Haarbürste auf der Unterseite des Hinterleibs. Bei der Pollenernte strecken die Weibchen den Hinterleib oft auf eine typische Weise schräg in die Höhe. Der Larvenproviant enthält vergleichsweise viel Nektar und ist daher meist zähflüssig.

Brutparasiten

Als Kuckucksbienen treten bei Megachile in erster Linie verschiedene Kegelbienen (Coelioxys) auf, bei M. parietina lebt die Düsterbienenart Stelis nasuta und die Zweizahnbienenarten Dioxys tridentata und Dioxys cincta.

Phänologie

Die Flugzeit der Megachile-Arten beginnt im Spätfrühling (M. circumcincta) und endet im Herbst; die meisten Arten haben nur eine Generation, wenige Arten (M. alpicola, M. centuncularis, M. pilidens, M. versicolor, M. willughbiella) fliegen zumindest partiell in zwei Generationen.

Literatur

Amiet, F., Herrmann, M., Müller, A. & Neumeyer, R. (2004): Apidae 4. Anthidium, Chelostoma, Coelioxys, Dioxys, Heriades, Lithurgus, Megachile, Osmia, Stelis. - Fauna Helvetica 9, 273 S.

Benoist, R. (1935): Remarques sur quelques espèces du genre Megachile (Hym Apidae). – Ann. Soc. ent. France 104: 97–108.
Benoist, R. (1940): Remarques sur quelques espèces de Mégachiles principalement de la Faune Française. – Ann. Soc. ent. France 109: 41–88.

Blüthgen, P. (1930): Megachile Latr. – S. 797–806 in: Schmiedeknecht, O. (Hrsg.), Die Hymenopteren Nord- und Mitteleuropas. 2. Aufl., Jena (G. Fischer).

Blüthgen, P. (1949): Neues oder Wissenswertes über mitteleuropäische Aculeaten und Goldwespen. – Beitr. taxon. Zool., 1: 77–100; Pößneck.

Dorn, M. & Weber, D. (1978): Zur Bedeutung der Solitärbienen für die Saatgutproduktion. – VVB Saat- u. Pflanzgut, 19: 140–143.

Michener, C. D. (2007): The Bees of the World. 2. Aufl. Baltimore and London (The John Hopkins University Press). (1. Auflage 2000). 

Niemelä, P. (1936): Mitteilungen über die Apiden (Hym.) Finnlands. 1. Die Gattung Megachile Latr. – Ann. Ent. Fenn. 2: 86–96, 140–149.#

Réaumur,  R. A. F.  de  (1737–1748):  Mémoires pour servir à l’histoire des insectes. 1–6. – Paris (Imprim. Royale). (Bienen in vol. 6). 

Rebmann, O. (1967): 2. Beitrag zur Kenntnis der Gattung Megachile Latr. (Hym. Apidae). Was ist »Megachile argentata« auct.“ und »Megachile rotundata« auct.“ ?. – Entomol. Z. 77: 169–171.

Rebmann, O. (1968): 3. Beitrag zur Kenntnis der Gattung Megachile Latr. (Hym. Apidae). Subgenus Eutricharaea und seine bisher bekanntgewordenen Arten. – Dt. Ent. Z. N.F. 15: 21–48.

Rebmann, O. (1970): 6. Beitrag zur Kenntnis der Gattung Megachile Latr. (Hym., Apidae). Neue Arten der Untergattungen Pseudomegachile Friese und Metamegachile Tkalců. – NachrBl. bayer. Ent. 19: 37–47.

Scheuchl, E. (2006): Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band II: Megachilidae - Melittidae. 192 S. (Eigenverlag). - Neubearbeitung.

Theunert, R. (2002a): Schlüssel zur Unterscheidung der Weibchen der Blattschneiderbienen Megachile lagopoda (Linnaeus, 1761), M. ligniseca (Kirby, 1802), M. maritima (Kirby, 1802) und M. willughbiella (Kirby, 1802). – Ent. Nachr. Ber. 46: 91–97.

Westrich, P. (2019): Die Wildbienen Deutschlands.– 2., aktualisierte Auflage, 824 S., 1700 Farbfotos. Stuttgart (E. Ulmer).

Zanden, G. van der (1983): Taxonomische und faunistische Bemerkungen zu einigen paläarktischen Bauchsammler-Arten (Insecta, Hymenoptera, Apoidea, Megachilidae). – Faun. Abh. Mus. Tierk. Dresden 10: 125–139.

Die Megachile-Arten Deutschlands

Ein blauer Link verweist auf einen Steckbrief.

Megachile alpicola
Megachile analis
Megachile apicalis
Megachile bombycina
Megachile centuncularis
Megachile circumcincta
Megachile ericetorum
Megachile genalis
Megachile lagopoda
Megachile lapponica
Megachile leachella
Megachile ligniseca
Megachile maackii
Megachile maritima
Megachile melanopyga
Megachile nigriventris
Megachile parietina
Megachile pilidens
Megachile pyrenaea
Megachile rotundata
Megachile sculpturalis
Megachile versicolor
Megachile willughbiella