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Heriades Spinola 1808

Löcherbienen

Verbreitung

Die Gattung Heriades ist u. a. in der gesamten Holarktis, in Mittelamerika sowie in der Orientalischen Region weit verbreitet und hat ihren größten Artenreichtum in Afrika einschließlich Madagaskar (Michener 1979). In Deutschland gibt es nur 3 Arten (Österreich: 3, Schweiz: 3). Über die ersten Nachweise von H. rubicola in Deutschland berichten Saure & Wagner (2018).

Äußeres Erscheinungsbild, Erkennung im Feld

6–8 mm. Ihren deutschen Namen hat die Gattung wohl von dem emsigen Suchen nach zur Nest anlage geeigneten Käferfraßgängen in Baumstämmen, Pfosten und Balken. Die heimischen Löcherbienen sind schwarz mit greiser Behaarung und vergleichsweise klein. Sie haben zwei Cubitalzellen. Die zweite Discoidalader mündet vor der zweiten Cubitalquerader. Scutellum seitlich mit je einem nach hinten gerichteten Dorn. Postscutellum mit Höcker, mehr oder weniger deutlich zweispitzig. Tergit 1 hinter der abfallenden Basis mit scharfer Querleiste. Tergite am Ende mit Haarbinden und Krallenglieder mit Pulvillus. Männchen mit sechs Tergiten , das letzte gandrandig und beiderseits mit großer Grube vor dem Endrand. – Auch wenn es recht unscheinbare Bienen sind, kann man doch zumindest die Gattung im Feld ansprechen, wenn man sich den typischen Habitus einmal eingeprägt hat. Dies kann am leichtesten an Nisthilfen erfolgen, die von zwei der drei Arten sehr gerne besiedelt werden. Eine Verwechslung mit besonders kleinen Osmia-Arten (in der Schweiz z. B. Osmia minutula) ist möglich. Mit einer Lupe kann man auch die Arten unterscheiden. In den meisten Fällen dürfte es sich ohnehin um H. truncorum handeln. Die Beachtung des speziellen Blütenbesuchs und des Verhaltens bei der Pollenernte erleichtert die Bestimmung im Feld.

Heriades truncorum

male Heriades truncorum, Männchen

Heriades truncorum

female Heriades truncorum, Weibchen

Heriades truncorum

Heriades truncorum, Männchen in Frontalansicht.

Heriades cornutus

Heriades crenulatus, Weibchen in Frontalansicht. Beachte die beiden Fortsätze am Clypeus!

Lebensraum

Das Spektrum der von Löcherbienen besiedelten Lebensräume ist vielfältig, aber von Art zu Art verschieden: Waldränder, Streuobstwiesen mit altem Baumbestand, Viehweiden mit alten Holzpfählen, alte Brombeerhecken, distelreiche Ruderalstellen, Schilfröhrichte. Zumindest H. truncorum und H. crenulatus sind regelmäßig auch im Siedlungsbereich anzutreffen. Typische Teilsiedler.

Nistweise

Löcherbienen nisten in vorhandenen Hohlräumen, das sind in der Regel Käferfraßgänge in altem Holz; aber auch dürre, hohle Pflanzenstengel werden als Nistplatz genutzt. Für die Zwischenwände der Brutzellen und für den Nestverschluß wird Harz verwendet. Für den Nestverschluß werden zusätzlich kleine Steinchen, Sandkörnchen oder Holzpartikel hinzugefügt. Bei H. truncorum und H. crenulatus werden alte Nester gereinigt und wiederverwendet.

Heriades truncorum

Nest von Heriades truncorum in einem Bambusröhrchen mit fünf Brutzellen. Der Nesteingang ist recht, wo auch der Nestverschluß zu sehen ist.

Heriades truncorum

Ein Weibchen von Heriades truncorum beim Verschließen seines Nestes mit Harz.

Blütenbesuch

Alle heimischen Heriades-Arten sind oligolektisch und auf Korbblütler (Asteraceae) als Pollenquellen spezialisiert. Während H. truncorum wenig anspruchsvoll hinsichtlich der Wahl von Korblütlern ist, bevorzugt H. crenulatus Disteln und Flockenblumen (Tribus Cynareae).

Heriades truncorum

Ein Weibchen von Heriades truncorum bei der Pollenernte auf der Großen Telekie (Buphthalmum speciosum).

Eucera salicariae

Ein Weibchen von Heriades crenulatus bei der Pollenernte im Blütenstand der Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe).

Kuckucksbienen und andere Gegenspieler

Als Kuckucksbiene entwickelt sich bei Heriades regelmäßig die Düsterbienenart Stelis breviuscula, die ihren Wirten täuschend ähnlich sieht. Aufgrund von Beobachtungen wird auch Stelis minuta als Brutparasit von H. truncorum vermutet. – Ein weiterer artspezifischer Schmarotzer ist die Keulenwespe Sapygina decemguttata.

Phänologie

Univoltin. Die mitteleuropäischen Arten der Gattung Heriades sind typische Hochsommerformen, die ihre Hauptnistaktivität im Juli und August entfalten, aber bisweilen bis Ende September ihrem Brutgeschäft nachgehen. Sie sind schwach proterandrisch, die Männchen erscheinen wenige Tage vor den Weibchen. Die Überwinterung erfolgt im Kokon.

Taxonomie und Bestimmung

Zur Systematik verweise ich auf die Ausführungen bei der Gattung Osmia. Siehe auch Benoist (1929). Zur Bestimmung von Gattung und Arten geeignet sind die Schlüssel von Amiet et al. (2004) und Scheuchl (2006).

Literatur

Amiet, F., Herrmann, M., Müller, A. & Neumeyer R. (2004): Apidae 4. Anthidium, Chelostoma, Coelioxys, Dioxys, Heriades, Heriades, Megachile, Osmia, Stelis. - Fauna Helvetica 9, 273 S.

Benoist, R. (1929): Les Heriades de la Faune Française (Hymenoptera, Apidae). – Ann. Soc. ent. France 98: 131–141.

Michener, C. D. (2007): The Bees of the World. 2. Aufl. Baltimore and London (The John Hopkins University Press) (1. Auflage 2000). 

Saure, S. & Wagner, F. (2018): Heriades rubicola Pérez 1890, eine für Deutschland neue Bienenart (Hymenoptera: Apiformes). – Eucera 12: 3–7.

Scheuchl, E. (2006): Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band II: Megachilidae - Melittidae. 192 S. (Eigenverlag). - Neubearbeitung.

Westrich, P. (2019): Die Wildbienen Deutschlands.– 2., aktualisierte Auflage, 824 S., 1700 Farbfotos. Stuttgart (E. Ulmer).

Die Heriades-Arten Deutschlands

Ein blauer Link verweist auf einen Steckbrief.

Heriades crenulatus
Heriades rubicola
Heriades truncorum