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Eucera Scopoli 1770

Langhornbienen

Verbreitung

Die mit ca. 390 Arten ausgesprochen vielfältige Gattung Eucera ist vor allem in den Steppengebieten Europas und Asiens verbreitet, fehlt aber in Australien (Dorchin et al. 2018). Aus Deutschland sind acht Arten bekannt (Österreich: 22, Schweiz: 12).

Äußeres Erscheinungsbild, Erkennung im Feld

8–14 mm. Wie der deutsche Gattungsname vermuten läßt, sind Langhornbienen durch die langen Fühler der Männchen charakterisiert. Clypeus und Labrum sind bei diesen meist gelb gefärbt. Die wie die Männchen meist mittelgroßen bis großen Weibchen haben oft einen plumpen Hinterleib mit breiten, niedergedrückten Endrändern. Die Segmente sind meist durch helle Haar- oder Filzbinden gekennzeichnet. Die Scopa (Schienenbürste) zeichnet sich durch lange Haare aus. Im Feld läßt sich die Gattung – zumindest bei den heimischen Vertretern – ohne Probleme erkennen, die Unterscheidung ist bei einigen Arten nur mit optischen Hilfsmittel möglich, bei anderen hilft die Beachtung des speziellen Blütenbesuchs.

Eucera alticincta

male Eucera alticincta, Weibchen

Eucera salicariae

male Eucera salicariae, Weibchen

Eucera dentata

male Eucera dentata, Männchen

Eucera salicariae

male Eucera salicariae, Männchen

Eucera nigrescens

male Eucera nigrescens, Männchen in Frontalansicht

Eucera alticincta

male Eucera alticincta, Weibchen in Frontalansicht

Taxonomie und Bestimmung

Früher wurden alle Langhornbienen in die beiden Gattungen Eucera und Tetralonia getrennt (z. B. Friese 1895–1901, Schmiedeknecht 1930, Tkalců 1984). In meinem früheren Werk habe ich dies auch so gehandhabt (Westrich 1990). Der Grund für die Trennung der beiden Gattungen durch zahlreiche Autoren war in erster Linie die Zahl der Cubitalzellen (Eucera zwei, Tetralonia drei). Michener (2007) hat diese Trennung aufgelöst und eine neue, ihn selbst allerdings nach eigenen Worten nicht zufriedenstellende Klassifikation für die Langhornbienen erstellt, welche die mitteleuropäischen Arten den drei Gattungen Eucera Scopoli 1770, Tetralonia Spinola 1839 und Tetraloniella Ashmead 1899 zuordnet. Zwar stützt sich das gesamte System der Bienengattungen sehr stark auf das Flügelgeäder, aber ebenso unbestritten ist, daß die Zahl der Cubitalzellen im Falle Eucera/Tetralonia angesichts der sonstigen Merkmalsüberschneidungen in der Gruppe kein hinreichendes Kriterium zur generischen Trennung in diesem Komplex darstellt. Das hat auch Michener so gesehen. Westrich & Dathe (1997) haben daher nur eine Gattung Eucera anerkannt. Diese Auffassung wurde jüngst durch neue und sehr aufwendige phylogenetische Untersuchungen bestätigt (Dorchin et al. 2018). Die Autoren um Dorchin präsentieren die erste umfassende molekulare, morphologische und phylogenetische Analyse des Eucera-Komplexes. Ihre Klassifikation stabilisiert nicht nur die Position der Gattung im System, sondern erleichtert auch die Bestimmung, ein Aspekt, der
mir als Praktiker besonders wichtig ist. Interessanterweise wird Tetraloniella mit Tetralonia synonymisiert und Tetralonia wird zur Untergattung von Eucera. Die Grenzen zwischen den früheren Gattungen verwischen sich wegen morphologischer Übergänge. Der ganze Eucera-Komplex umfaßt ca. 390 Arten.

Zur Bestimmung seien die Tabellen von Amiet et al. (2007) und Scheuchl (2000) empfohlen, in denen Eucera und Tetralonia noch getrennt behandelt werden. Im Sinne einer besseren Transparenz der Gattungs- und Artnamen sei auf die Synonymieliste verwiesen.

Lebensraum

Langhornbienen sind Arten des Offenlandes. Wir finden sie von Art zu Arten unterschiedlich in Sand-, Kies- und Lehmgruben, auf magerem Wirtschaftsgrünland und Magerrasen, in Säumen trockenwarmer Standorte und an sandigen Ruderalstellen. Auch auf Hochwasserdämmen sowie an Flußufern und Grabenrändern kommen manche Arten vor. Vereinzelt treffen wir sie auch in Gärten an.

Nistweise

Alle mitteleuropäischen Eucera-Arten leben solitär und nisten in selbstgegrabenen Hohlräumen in der Erde, bisweilen in größeren Kolonien. Kahle oder nur schütter bewachsene Stellen werden bevorzugt, manchmal findet man die Nester auch in kurzrasiger Vegetation. Über den Nestbau liegen nur wenige Beobachtungen vor (Alfken 1900, Friese 1919, Höppner 1901), die sich alle auf E. longicornis (dort unter dem Namen E. difficilis) beziehen. Diese in ganz Deutschland verbreitete Art erscheint meist erst Ende Mai, also später als E. nigrescens. Höppner hat m. E. das Nest am besten beschrieben. Deshalb zitiere ich seine Ausführungen weitgehend wörtlich. Zunächst gräbt das Weibchen mit seinen Oberkiefern eine kreisrunde, ziemlich steil in den Boden führende Röhre. »Hat das Weibchen einen etwa 8–10 cm langen Gang ausgeschachtet, so verändert es plötzlich die Richtung desselben, indem es unter einem stumpfen Winkel den Gang in schräger Richtung nach unten weiterführt. An diesem Teil der Röhre legt es abwechselnd links und rechts Nebenröhren an. Jede dieser etwa 3 cm langen Röhrchen beherbergt eine Zelle. Diese ist, wie auch der Gang, durch einen glänzenden Stoff (erhärteter Speichel) geglättet.«

Das Larvenfutter ist zähflüssig, da es aus reichlich mit Nektar durchtränktem Pollen besteht. Das Ei steht mit einem Ende in der Mitte auf dem Futterbrei. Nach dem Verzehren des Futters  exkrementiert die Larve in flüssiger Form und spinnt sich ein. Höppner schreibt weiter: »Der Kokon ist eirund, an den Polen abgeplattet. Er wird gebildet aus mehreren sehr dünnen Häutchen. An den beiden Enden zählte ich vier solcher Häutchen. Die äußere Haut ist stark, etwas faserig und von hell
bräunlicher Farbe. Man könnte sie treffend mit der äußeren Haut einer getrockneten Zwiebel vergleichen. Sie umgibt die drei übrigen Häute. Diese sind an den Seiten dünn, durchscheinend und fast wasserhell gefärbt.« Friese beschreibt den Kokon allerdings als doppelwandig. Die Überwinterung erfolgt im Kokon als Ruhelarve, zum Teil anscheinend auch als Imago.

Blütenbesuch

Alle heimischen Eucera-Arten sind oligolektisch und auf Schmetterlingsblütler (Fabaceae), Malvengewächse (Malvaceae), Korbblütler (Asteraceae) oder Blutweiderich (Lythrum, Lythraceae) spezialisiert.

Bei Eucera longicornis halten sich die Männchen nach dem Schlüpfen fast immer am Nistplatz auf, wo die Weibchen kurz nach dem Schlüpfen auf der Erde begattet werden. Die Männchen von E. nigrescens haben typische Flugbahnen, die entlang ihrer Nektarquellen verlaufen (Futterplatzbahnen) und auf denen sie ihre Weibchen erwarten. Wer frühblühende Platterbsen (z. B. Lathyrus vernus) und Wicken (v. a. Vicia sepium) kultiviert, kann dieses Verhalten auch im eigenen Garten beobachten.
Auch die Männchen von E. macroglossa, E. salicariae und E. dentata patrouillieren auf Flugbahnen blühende Pflanzen von Malvengewächsen, Blutweiderich oder Disteln und Flockenblumen.

Eucera alticincta

Ein Weibchen von Eucera alticincta sammelt Pollen auf dem Weidenblättrigen Ochsenauge (Buphthalmum salicifolium).

Eucera salicariae

Ein Weibchen von Eucera salicariae sammelt Pollen am Blutweiderich (Lythrum salicaria).

Kuckucksbienen

Eine typische Kuckucksbiene von E. nigrescens und E. longicornis ist die Wespenbienenart Nomada sexfasciata. Bei E. interrupta schmarotzt Nomada nobilis. Von den übrigen Langhornbienen sind aus Deutschland keine Kuckucksbienen bekannt.

Phänologie

Langhornbienen sind in Mitteleuropa je nach Art im Frühling, im Frühsommer und im Hochsommer anzutreffen. Als univoltine Arten haben sie nur eine Generation im Jahr und sind teilweise ausgesprochen proterandrisch. Die Männchen erscheinen meist 2–3 Wochen vor den Weibchen.

Flugzeiten Eucera

Literatur

Alfken, J. D. (1900): Über Leben und Entwicklung von Eucera difficilis (Duf.) Pér. – Ent. Nachr. 26: 157–159.

Amiet, F., Herrmann, M., Müller, M. & Neumeyer, R. (2007): Apidae 5: Ammobates, Ammobatoides, Anthophora, Biastes, Ceratina, Dasypoda, Epeoloides, Epeolus, Eucera, Macropis, Melecta, Melitta, Nomada, Pasites, Tetralonia, Thyreus, Xylocopa. – Fauna Helvetica 20, 356 S.

Dorchin, A., López-Uribe, M. M., Praz, C. J., Griswold, T. & Danforth, B. N. (2018): Phylogeny, new generic-level classification, and historical biogeography of the Eucera complex (Hymenoptera: Apidae). – Molec. Phylogenetics and Evolution 119: 81–92.

Friese, H. (1919): Die Langhornbiene Eucera difficilis (Duf.) Pérez und ihr Nestbau bei Artern. – Dt. Ent. Z. 1919: 61–62.

Höppner, H. (1901): Weitere Beiträge zur Biologie nordwestdeutscher Hymenopteren. I. Eucera difficilis (Duf.) Pérez. – Allg. Z. Ent. 6(3): 33–35; Berlin.

Michener, C. D. (2007): The Bees of the World. 2. Aufl. Baltimore and London (The John Hopkins University Press) (1. Auflage 2000). 

Scheuchl, E. (2000): Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band I: Anthophoridae. - 2. erweiterte Auflage, 158 S. (Eigenverlag).

Westrich, P. (1990): Die Wildbienen Baden-Württembergs. 2., verb. Auflage, 2 Bände, 972 S., 496 Farbfotos; Stuttgart (E. Ulmer).

Westrich, P. (2019): Die Wildbienen Deutschlands.– 2., aktualisierte Auflage, 824 S., 1700 Farbfotos. Stuttgart (E. Ulmer).

Die Eucera-Arten Deutschlands

Ein blauer Link verweist auf einen Steckbrief.

Eucera alticincta
Eucera cineraria
Eucera dentata
Eucera interrupta
Eucera longicornis
Eucera macroglossa
Eucera nigrescens
Eucera salicariae

Eucera
Nomada sexfasciata