Nach oben
logo

Epeolus Latreille 1802

Filzbienen

Verbreitung

Die Gattung Epeolus kommt quer durch die holarktische Region vor, ist aber auch in ganz Afrika bis zum Kap und in Mittelamerika bis Kolumbien verbreitet (Michener 2007). In der Paläarktis sind 35 Arten bekannt. In Deutschland ist die Gattung mit 5 Arten vertreten (Österreich: 6, Schweiz: 5).

Äußeres Erscheinungsbild, Erkennung im Feld

5–13 mm. Die heimischen Epeolus-Arten sind kleine bis mittelgroße Bienen von gedrungener Gestalt, die durch ihre aus anliegenden weißen Haaren gebildeten filzartigen Flecken (Name !) des Abdomens auffallen. Der Körper ist überwiegend schwarz, während die Beine ganz oder teilweise rot, bei E. fallax jedoch ganz schwarz gefärbt sind. Beim Weibchen ist meist auch das Schildchen gerötet und manchmal auch die Bauchsegmente. Beide Geschlechter haben ein buckliges, beiderseits mit einem Zahn versehenes Schildchen. Beim Männchen sind die Bauchsegmente 4–5 mit Borsten wimperartig besetzt.

Im Feld ist zwar die Gattung als solche gut zu erkennen, die einzelnen Arten lassen sich, E. fallax ausgenommen, aber nur bei stärkerer Vergrößerung bestimmen. Die Weibchen sind leichter zu unterscheiden als die Männchen.

Epeolus variegatus

male Epeolus variegatus, Männchen

Epeolus cruciger

male Epeolus cruciger, Weibchen.

Epeolus

male Epeolus fallax, Männchen

Epeolus albilabris

male Epeolus schummeli, Männchen

Taxonomie und Bestimmung

Taxonomisch-systematische Publikationen nach 1930: Richards (1937), Niemelä (1947), Pittioni (1945), Lith (1949, 1956), Warncke (1982). Zur Bestimmung geeignet sind die Schlüssel von Amiet et al. (2007) und Scheuchl (2000), in denen E. fallax fehlt.

Lebensraum

Filzbienen sind am ehesten an den Nistplätzen ihrer Wirte oder auf Blüten anzutreffen.

Blütenbesuch

Beim Blütenbesuch, der nur der Eigenversorgung dient, sind Epeolus-Arten nicht wählerisch. So wurde E. fallax an 15 Pflanzenarten aus 7 Pflanzenfamilien beim Trinken von Nektar beobachtet, eigenartigerweise jedoch nie an Efeu (Hedera helix), der nektarreichen Pollenquelle des Wirtes (Westrich & Bülles 2016). E. variegatus jedoch trifft man regelmäßig auf Rainfarn (Tanacetum vulgare) an, der Hauptpollenquelle der beiden Wirtsarten Colletes similis und Colletes fodiens.

Wirtsbienen

Alle Filzbienen sind Kuckucksbienen, die brutparasitisch in den Nestern überwiegend von Seidenbienen (Colletes) leben. Einzelheiten des Verhaltens im Wirtsnest sowie der Eiablage und Larvalentwicklung sind bei den heimischen Arten noch weitgehend unbekannt. Torchio & Burdick (1988) beschreiben bei dem nordamerikanischen Epeolus compactus, daß das Weibchen mit Sekreten der Dufour-Drüse den Schnitt in der Auskleidung der Zelle des Wirtes Colletes kincaidii verschließt, der bei der Eiablage durch die Abdomenspitze verursacht wurde. Die häufigste und am weitesten verbreitete Art ist E. variegatus, der bei Colletes daviesanus, C. fodiens, C. similis und C. hederae schmarotzt. Der nur in Sandgebieten vorkommende E. cruciger lebt bei Colletes marginatus, C. succinctus und wohl auch bei C. hederae. Der im Alpengebiet, an den Nordseeküsten und in Nordeuropa verbreitete E. alpinus schmarotzt bei Colletes floralis und C. impunctatus, der in Deutschland erst seit 2015 bekannte E. fallax bei Colletes hederae. Der im östlichen Mitteleuropa verbreitete E. schummeli hat Colletes nasutus als Wirt. Von den in Deutschland bislang nicht nachgewiesenen Arten ist der aus den Niederlanden (aktuell) und Österreich (vor 1945) bekannte E. tarsalis ein Kuckuck von Colletes halophilus.

Der bislang in Deutschland nicht nach gewiesene E. tristis wird von manchen Autoren einer eigenen Gattung Triepeolus zugeordnet, ein Taxon, das hauptsächlich in der Neuen Welt vertreten ist. Im Gegensatz zu den meisten Epeolus-Arten leben Triepeolus-Arten bei unterschiedlichen Bienenarten, vor allem bei Langhornbienen (Eucera). E. tristis hat als Wirt Eucera macroglossa, eine auch in Deutschland vorkommende Art. Es ist daher möglich, daß eines Tages auch diese Kuckucksbiene in Deutschland nachgewiesen wird.

Phänologie

Univoltin. Flugzeit von Anfang Juni bis Oktober. Die Larve spinnt keinen Kokon.

Literatur

Amiet, F., M. Herrmann, A. Müller & R. Neumeyer (2007):Apidae 5. Ammobates, Ammobatoides, Anthophora, Biastes, Ceratina, Dasypoda, Epeoloides, Epeolus, Eucera, Macropis, Melecta, Melitta, Nomada, Pasites, Tetralonia, Thyreus, Xylocopa. - Fauna Helvetica 20, 356 S.

Lith, J. P. van (1949): Epeolus rozenburgensis nov. spec. – Tijdschr. Ent. 91: 105–112.

Lith, J. P. van (1956): Notes on Epeolus (Hymenoptera Aculeata, Apidae). – Tijdschr. Ent. 99: 31–46.

Michener, C. D. (2007): The Bees of the World. 2. Aufl. Baltimore and London (The John Hopkins University Press) (1. Auflage 2000). 

Niemelä, P. (1947): Mitteilungen über die Apiden (Hym.) Finnlands. 2. Die Gattung Epeolus Latr. – Ann. Ent. Fenn. 13: 35–43.

Pittioni, B. (1945): Beiträge zur Kenntnis paläarktischer Apiden (Hymenopt.) I. Die Gruppe des Epeolus tarsalis Mor. – Z. Wiener Ent. Ges. 30: 128–147.

Richards, O. W. (1937): A study of the British species of Epeolus Latr. and their races, with a key to the species of Colletes (Hymen., Apidae). – Trans. Soc. Brit. Ent. 4: 89–130.

Scheuchl, E. (2000): Illustrierte Bestimmungstabellen der Wildbienen Deutschlands und Österreichs. Band I: Anthophoridae. - 2. erweiterte Auflage, 158 S. (Eigenverlag).

Warncke, K. (1982): Zur Systematik der Bienen – Die Unterfamilie Nomadinae (Hymenoptera, Apidae). – Entomofauna 3: 97–128.

Westrich, P. & Bülles, J. (2016): Epeolus fallax, ein Brutparasit von Colletes hederae und eine für Deutschland neue Bienenart (Hymenoptera, Apidae) – Eucera 10: 15–26

Die Epeolus-Arten Deutschlands

Ein blauer Link verweist auf einen Steckbrief.

Epeolus alpinus
Epeolus cruciger
Epeolus fallax
Epeolus schummeli
Epeolus variegatus