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Lebensraum Magerrasen

Megachile nigriventris Schenck 1868

Schwarzbürstige Blattschneiderbiene

Blattschneiderbiene Megachile nigriventris, Weibchen an Blasenstrauch

Ein Weibchen von Megachile nigriventris sammelt Pollen
an einer Blüte des Blasenstrauchs (Colutea arborescens) [ Großansicht ]

Kennzeichen

Im Weibchen der Megachile circumcincta sehr ähnlich, aber größer. Charakteristische schwarze Scopa (Bauchbürste) (Name!) und hellbraun behaarte Tergite (Rückensegmente) 1 und 2. Tergite 3 bis 6 schwarz behaart. Von Megachile willughbiella u.a. durch das Fehlen von Endbinden zu unterscheiden. - Das Männchen ähnelt in der Behaarung dem Weibchen. Charakteristisch ist u.a. die Form des Metatarsus 1 (erstes Fußglied); außerdem haben die Tergite weder Seitenflecken noch Endbinden.

Verbreitung

Eurosibirische Art der Hartlaubwälder. In Mitteleuropa nur zerstreut und vorwiegend in den Mittelgebirgen, vereinzelt auch im Hügelland; in den Alpen bis ca. 2000 m. - In Deutschland in der norddeutschen Tiefebene fehlend, bisher nur aus den Bundesländern Hessen, Sachsen, Thüringen (vor 1980), Baden-Württemberg und Bayern nachgewiesen (vgl. Dathe 2001, Apidae, Verzeichnis der Hautflügler Deutschlands).

Verbreitung von Megachile nigriventris in Baden-Württemberg

Verbreitung von Megachile nigriventris in Baden-Württemberg in den Naturräumen 4. Ordnung nach Funden zwischen 1916 und 2005 (eingefärbte Flächen). [Großansicht]

Lebensraum

Siedlungsschwerpunkt in Waldgebieten, daher v.a. auf Waldlichtungen und an Waldrändern (auch der Au-, Bruch- und Moorwälder) mit geeigneten Totholzstrukturen und artspezifischem Blütenangebot; in Süddeutschland kommt die Art aktuell auch außerhalb des Waldes in mehreren Dörfern und Städten vor. Hier dienen vor allem morsche Balken von Pergolen, aber auch andere morsche Holzstrukturen als Nistplatz.

Megachile nigriventris - Nistplatz



Die schon teilweise morsche Tischplatte in der Bildmitte wurde 2005 von vier Weibchen als Nistplatz genutzt.


Nistweise

Nistet in selbstgenagten Gängen in morschem Holz von Baumstümpfen und Ästen (Birken, Espen, Fichten) oder von Balken und Pfosten. Gelegentlich benutzen mehrere Weibchen der solitären Art ein gemeinsames Flugloch. Zum Bau der Brutzellen werden Laubblattstücke verschiedener Pflanzen verwendet, z.B. von Spitz-Ahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), Rotbuche (Fagus sylvatica), Birken (Betula), Heckenrose (Rosa canina), Wald-Weidenröschen (Epilobium angustifolium). Die innersten Blattschichten sind verklebt, die äußeren dagegen nicht. Die bis zu 15 Brutzellen pro Nest sind dicht hintereinander gereiht. Zum Blattschneiden fliegt das Weibchen mitunter 100 m weit weg vom Nest. (Friese 1923, Micheli 1937, Sieber 1930, 1933, Westrich 1980).

Eine kurze Video-Sequenz zeigt das Eintragen eines Blattes in ein Nest, das in einer morschen Tischplatte (Foto oben) angelegt wurde (Dauer: 9 sec).
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Megachile willugbiella - geöffnete Brutzelle




Geöffnete Brutzelle der mit Megachile nigriventris nah verwandten Art Megachile willughbiella, einer der häufigsten Megachile-Arten in unseren Gärten. Mit länglichen Blattstücken wurden die Seitenwände gebaut, mit rundlichen Blattstücken Boden und Deckel. Der rote, mit Nektar angereicherte Pollen stammt vom Wald-Weidenröschen (Epilobium angustifolium).


Blütenbesuch

Oligolektische, auf Fabaceae (Schmetterlingsblütler) spezialisierte Art. Bisher belegte Pollenquellen: Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus), Zaun-Wicke (Vicia sepium), Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis), Breitblättrige Platterbse (Lathyrus latifolius), Weißklee (Trifolium repens), Roter Wiesenklee (Trifolium pratense), Luzerne (Medicago sativa), Flügel-Ginster (Genista sagittalis), Blasenstrauch (Colutea arborescens). - Die Weibchen sammeln teils blütenstet, teils nutzen sie auf einem Ausflug zwei bis drei verschiedene Pflanzenarten.

Megachile nigriventris, pollensammelndes Weibchen an Lathyrus latifolius




Ein Weibchen von Megachile nigriventris sammelt Pollen an der Stauden-Wicke (Lathyrus latifolius)


Kuckucksbienen

Zwei Coelioxys-Arten wurden bisher als Kuckucke bekannt: 1. Coelioxys lanceolata, deren vermutlich einziger Wirt Megachile nigriventris ist. Von dieser Art gibt es bislang nur ganz vereinzelte Funde in Nord- und Mitteleuropa: Schweden, Finnland, Pyrenäen, Schweiz, Österreich und Deutschland. Eine Verbreitungskarte findet sich bei Warnecke (1981). In Deutschland wurde die Art bisher nur aus Bayern bekannt, wo J. Voith sie in den 1990er Jahren in den Alpen an mehreren Orten nachweisen konnte. Außerhalb der Alpen sind mir aus Deutschland keine zweifelsfreien Nachweise bekannt. 2. Coelioxys elongata, die mehrere Megachile-Arten parasitiert. An den Nistplätzen von Megachile nigriventris wurde diese Art mehrfach beobachtet (vgl. die Bemerkungen von Prosi 1997).


Phänologie

Univoltin. Flugzeit von Ende Mai bis Ende Juli. Überwinterung als Ruhelarve im Kokon.

Gefährdung und Schutz

Die auch in früheren Jahren nur selten nachgewiesene Art ist dann gefährdet, wenn die räumliche Nachbarschaft von Totholz und Schmetterlingsblütlern, von der sie als Teilsiedler abhängig ist, verloren geht. Schutzmaßnahmen beinhalten daher v.a. die Förderung von Totholzstrukturen und deren Vernetzung mit Beständen artspezifischer Pollenquellen, insbesondere an Waldrändern oder auf extensiv genutztem Grünland, das dem Waldrand vorgelagert ist. Die in jüngster Zeit vermehrt im Siedlungsbereich beobachteten Bestände können vor allem durch eine Erhaltung der Nistplätze (kein Zersägen oder Verbrennen morscher Pergolen-Balken!) und durch das Anpflanzen von Pollenquellen wie Blasenstrauch und Ranken-Platterbse gefördert werden. Rote Liste Deutschland und Rote Liste Baden-Württemberg: Kategorie V (Vorwarnliste).

 Hier geht es zu einer kleinen Foto-Galerie von Megachile nigriventris.

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