Lasioglossum malachurum (Kirby 1802)
Pförtner-Schmalbiene
Links: Weibchen (Größe: 8,5-10 mm) [Großansicht]. Rechts: Männchen (Größe: 7,5-9 mm) [Großansicht]
Verbreitung
Westpaläarktisch; von den Azoren bis zum Iran, von Iberien bis zur mittleren Wolga (Uljanovsk), in Polen nordwärts bis zur Ostseeküste (Ebmer 1988). - In Deutschland keine Verbreitungsgrenze, weit verbreitet, überwiegend in Lagen unter 500 m üNN.
Lebensraum
Überwiegend in Löß- und Lehm-, aber auch in Sandgebieten, dort meist in den Feldfluren, auf Erddeponien, in Lehm- und Tongruben, an sonnigen Waldrändern und im Siedlungsbereich. Nester an vegetationsfreien, gelegentlich auch schütter bewachsenen Stellen auf ebenen Flächen (Wege, Plätze), die meist stark verdichtet sind (z.B. durch Begehen oder Befahren).


Charakteristischer Nistplatz von Lasioglossum malachurum auf einem Feldweg an der Bergstraße (nördlich Heidelberg). Bei den vielen dunklen Häufchen handelt es sich um feuchtes Erdmaterial, das die Jungköniginnen ausgegraben haben, um einen Hohlraum für das Nest zu schaffen. Dieser Nistplatz enthielt auf wenigen Quadratmetern über 100 Nester. Das gelegentliche Befahren stört die Bienen nicht, vielmehr wird dadurch das völlige Zuwachsen des Nistplatzes verhindert. (Foto: Holger Brom 28.03.2007). Rechts ein Nesteingang nach dem Ausschachten eines Ganges, der von der Oberfläche des Feldwegs 10 bis 30 cm tief und senkrecht in den Boden hineinreicht.
Nistweise
Nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen in der Erde, in der Regel in größeren Ansammlungen (Nestansammlungen von mehreren hundert oder tausend Nestern). Die Art steht - verglichen mit verwandten Arten - auf einer sehr hohen Stufe des Sozialverhaltens. Begattete Weibchen (Königinnen) überwintern gemeinsam in ihren Geburtsnestern Die Nestgründung erfolgt monogyn. Jedes Weibchen beginnt im April allein mit dem Ausschachten eines neues oder Reinigen eines vorjährigen Hauptgangs. 3–6, seltener 7–8 offene Brutzellen werden in einer Wabe gebaut, die 10–15 cm tief unmittelbar am Hauptgang liegt und in der sich die im Vergleich zur Nestgründerin wesentlich kleineren Arbeiterinnen entwickeln. Im Juni ziehen diese Sommerweibchen eine weitere Brut von Arbeiterinnen mit einigen Männchen heran. Diese entwickeln sich in den bis zu 50 offenen Brutzellen (aber ohne Wabe) bis Juli. Diese zweite Nestanlage liegt 25–30 cm tief. Die Brutzellen befinden sich in diesem Fall in einfacher oder doppelter Reihe an dem nach unten verlängerten Hauptgang. Erst dann werden in einer dritten Versorgungsphase die großen Männchen und Königinnen produziert. Die Zellen der dritten Brut liegen 10–15 cm, gelegentlich bis 50 cm tief. Zwischen den einzelnen Bruten gibt es Flugpausen, während denen der Nesteingang mit einem Erdpfropfen verschlossen wird. Im August enthalten die Nester unter günstigen Umständen 100–200 offene Brutzellen mit heranwachsender Brut. Die Brutzellen liegen, ohne Wabenbau, dicht nebeneinander entlang zahlreicher Gänge. Männchen fehlen in der Sommerbrut und erscheinen erst in der zweiten Brut in reduzierter Zahl. Arbeiterinnen sind selten begattet, in großen Nestern legen sie aber etwa ein Drittel der Eier, aus denen Männchen entstehen. Im nördlichen Verbreitungsgebiet (z.B. in Deutschland) gibt es nur zwei Versorgungsphasen, also nur eine Arbeiterinnenbrut. Die Paarung erfolgt außerhalb des Nestes. Nestgründerinnen leben in der Regel 12–13 Monate. (Literaturliste bei Westrich 1990).


Blick in das Bodennest von Lasioglossum malachurum mit drei unterschiedlich alten Larven (Mitte) und zwei Eiern auf der Pollenkugel, die bei dieser Art etwa halb so groß wie eine Erbse ist (rechts oben, unten). Das rechte Foto zeigt eine Puppe, bei der sich die Komplexaugen (Fascettenaugen) gerade zu färben beginnen.
Blütenbesuch
Ausgesprochen polylektische (= beim Pollensammeln nicht spezialisierte) Art, von der bisher Vertreter folgender 12 Pflanzenfamilien als Pollenquellen belegt sind: Apiaceae, Asteraceae, Brassicaceae, Campanulaceae, Caryophyllaceae, Convolvulaceae, Fabaceae, Geraniaceae, Lamiaceae, Ranunculaceae, Rosaceae, Salicaceae.
Ein Weibchen ist gerade von einem Sammelflug zurückgekommen und kriecht pollenbeladen in das Erdnest.
Kuckucksbienen
Einzige bisher zweifelsfrei belegte Kuckucksbiene ist Sphecodes monilicornis, den man regelmäßig am Nistpatz und beim Hineinkriechen in die Nester beobachten kann.
Phänologie
Die überwinterten Weibchen erscheinen ab Anfang April, die Männchen fliegen von Ende Juli bis Ende Oktober.
Gefährdung und Schutz
Die Nistplätze werden durch menschliche Aktivitäten (mäßiges Begehen oder Befahren von Erdwegen) gefördert, so daß die Art nicht im Bestand gefährdet ist. Nistplätze werden aber immer wieder durch die Asphaltierung und Verschotterung von Feldwegen oder Plätzen zerstört. Wo immer sich Nestansammlungen dieser und anderer Bienenarten in Wegen oder auf Plätzen befinden, sollten sie nicht durch Befestigungsmaßnahmen vernichtet werden.
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Arten im Detail