Anthidium manicatum (Linnaeus 1758)
Garten-Wollbiene
Kennzeichen
Anthidium manicatum ist die häufigste Art der Gattung Anthdium in Mitteleuropa. In
Nordeuropa und im Alpengebiet sind die Tiere deutlich dunkler.
Männchen: Wie das Weibchen gelb gefleckt. Das 6. Hinterleibssegment
ist beiderseits mit einem großen Zahn bewehrt, das letzte Segment dreizähnig,
dabei die seitlichen Zähne gekrümmt sowie größer und dicker als der mittlere,
feine und gerade Dorn. Seitlich tragen das 1- bis 4. Segment eine dichte, büschelartige,
rötlichweiße Behaarung. 14-18 mm.
Weibchen: Auffallend sind die gleichartig und breit gelb gebänderten
Hinterleibssegmente, die mitten weit unterbrochen sind sowie das fast viereckig
geformte letzte Segment. 10-12 mm.
Paarung an der Blüte von Stachys recta (Aufrechter Ziest). Die Männchen patrouillieren die Blütenstände und überfallen die Weibchen, sobald diese die Blüten besuchen.
Verbreitung
Ganz Europa mit Ausnahme des hohen Nordens. Adventiv in USA im Staat New York. – In ganz Deutschland verbreitet. demnach in allen Bundesländern. In den süddeutschen Mittelgebirgen (z.B. Schwäbische Alb) bis in Höhen von 800 m zerstreut vorkommend.
Lebensraum
Siedlungsschwerpunkt in den Gärten der Dörfer und Städte mit teils hoher Populationsdichte. Im Botanischen Garten der Universität Tübingen konnten wir im Jahre 1986 über 200 Männchen und Weibchen durch Markieren nachweisen. Mit geringerer Populationsdichte auch auf Trockenhängen verschiedener Ausprägung, in Weinbergbrachen, an sonnigen Waldrändern, in Lehm- und Tongruben, auf Industriehalden und Bahndämmen. Nistplatz und Nahrungsquellen bzw. Baustofflieferanten liegen teils 100 m und mehr auseinander.
Nistweise
Solitäre Art. Nistet in vorgefundenen Hohlräumen verschiedener Form und Größe: in Erdlöchern, in Felsspalten, zwischen gelockertem Mauerwerk, in breiten Spalten alter Balken und Pfosten, in Hohlräumen von Löß- und Lehmwänden, in Löchern poröser Schlacken, in verlassenen Nestern von Pelzbienen, z.B. von Anthophora plumipes, einmal auch in einem Eisenrohr und in der Glocke einer Klingel. Das Nest ist meist ein Haufenbau, selten auch ein Linienbau aus abgeschabten Pflanzenhaaren.

Ein Weibchen schabt in meinem Garten mit seinen Oberkiefern die Haare vom Blütenstand einer Strohblume (Helichrysum thianshanicum). Das Baumaterial wird mit den Beinen festgehalten und im Flug wie ein kleiner Wattebausch zum Nistplatz transportiert.
Lieferanten von Baumaterial sind verschiedene stark behaarte Pflanzen:
- Sand-Strohblume (Helichrysum)
- Deutscher Ziest (Stachys germanica)
- Woll-Ziest (Stachys byzantina)
- Kranz-Lichtnelke (Lychnis coronaria)
- Quitten (Cydonia)
- Flugsamen von Pappeln (Populus)

Das linke Foto zeigt ein fertiges Nest in einem Vierkant-Eisenrohr. Der Zugang befand sich auf der entgegengesetzten Seite. Die hier sichtbare Seite war mit einem Kappe abgedeckt. Auf dem rechten Bild sind zwei vorsichtig freigelegte Brutzellen zu sehen, in denen auf einem zähflüssigen Futterbrei eine junge Larve (links) und ein Ei (rechts) schwimmen. Die orangefarbenen Tröpfchen sind pflanzliche Drüsensekrete (Näheres zum Sekretsammeln auf dieser Sonderseite).
Unmittelbar vor dem eigentlichen Wollnest aus bis zu 16 Brutzellen werden allerlei Kleinteile angehäuft: Erdbröckchen, Steinchen, Holzstückchen, dürre Blättchen, Halmstücke, Schneckenhäuser. Bisweilen wird das Nest nach außen durch einen weiteren Wollpfropf verschlossen.
Blütenbesuch
Eingeschränkt polylektische Art, die zygomorphe Blüten, besonders Fabaceae und Lamiaceae, aber auch bestimmte Scrophulariaceae als Pollenquellen bevorzugt. Belegt sind:
- Fabaceae:
- Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus)
- Bunte Kronwicke (Coronilla varia)
- Kriechende Hauhechel (Ononis repens)
- Dornige Hauhechel (Ononis spinosa)
- Luzerne (Medicago sativa)
- Lamiaceae:
- Aufrechter Ziest (Stachys recta)
- Deutscher Ziest (Stachys germanica)
- Woll-Ziest (Stachys byzantina)
- Sumpf-Ziest (Stachys palustris)
- Heil-Ziest (Stachys officinalis)
- Schwarznessel (Ballota nigra)
- Muskateller-Salbei (Salvia sclarea)
- Edel-Gamander (Teucrium chamaedrys)
- Rote Taubnessel (Lamium purpureum)
- Schmalblättriger Hohlzahn (Galeopsis angustifolia)
-
Scrophulariaceae:
- Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)
- Wolliger Fingerhut (Digitalis lanata)

Weibchen beim Pollensammeln: Links an Stachys recta, rechts an Stachys officinalis.
Die Blütenstetigkeit der Weibchen
variiert. Zahlreiche von mir untersuchte Pollenladungen enthielten
ausschließlich
Pollen einer Pflanzenart aus einer der 3 Familien. Andere waren Mischladungen
von 2 Arten aus 1-2 Pflanzenfamilien, meist Fabaceen und Lamiaceen. -
Die Männchen
zeigen ein charakteristisches interspezifisches Territorialverhalten. Als
Territorium dienen die Nektar- und/oder Pollenquellen der Weibchen, die gegen
"Eindringlinge", das sind andere Blütenbesucher, verteidigt werden.
Kuckucksbienen
Regelmäßig ist an den Nistplätzen und in deren Umgebung die Düsterbienen-Art Stelis punctulatissima zu beobachten. Ich habe diese Art mehrfach aus Anthidium-Brutzellen erhalten.
Phänologie
In Mitteleuropa univoltin (eine Generation). Die ersten Tiere erscheinen meist im Juni, in außergewöhnlich warmen Frühjahren wie 2007 bereits im Mai. In heißen und langen Sommern schlüpfen aus den Frühsommer-Nestern im Spätsommer einzelne Tiere. Ob diese noch mit Erfolg eine Brut erzeugen, ist fraglich. Überwinterung als Ruhelarve im Kokon.
Gefährdung und Schutz
Die Art ist nach wie vor besonders in Dörfern und Städten häufig, wo sie durch die Kultur von Woll- Ziest und anderen Lippenblütlern, sowie von Fingerhut und Schmetterlingsblütlern gefördert werden kann.



Arten im Detail