Die Steinhummel - Das Insekt des Jahres 2005
Die nachfolgenden, seit der ersten Erstellung leicht modifizierten
Seiten basieren auf meiner Publikation »Die
Steinhummel Bombus lapidarius (Linnaeus, 1758) – Das Insekt des Jahres
2005 (Hymenoptera, Apidae)«, die Anfang Mai 2005 in der Zeitschrift »Entomologische
Nachrichten und Berichte«, Band 49, S. 1-13 erschienen ist und die ich meinem
langjährigen Freund und Kollegen Prof.
Dr. H. H. Dathe
zum
60. Geburtstag gewidmet habe.
Faltblatt zum »Insekt des Jahres 2005« herunterladen (pdf 561 KB)
Das Kuratorium „Insekt des Jahres“ hat für 2005 eine unserer häufigsten Hummelarten, die Steinhummel (Bombus lapidarius Linnaeus 1758), zum Insekt des Jahres gekürt. Erstmals ist somit ein Vertreter der sehr artenreichen Insektenordnung der Hautflügler (Hymenoptera) ausgewählt worden. Daß bei einer Zahl von fast 10.000 allein in Deutschland bekannt gewordenen Hautflügler-Arten die Wahl ausgerechnet auf eine Hummel fiel, kommt nicht von ungefähr. Sind Hummeln doch durch ihre Größe, ihren dichten Haarpelz, ihren summenden Flugton und ihre Friedfertigkeit den meisten Menschen vertraut, zumindest solchen, die der Natur mit offenen Augen begegnen. Mit Hummeln verbinden naturbegeisterte Menschen trotz der Tatsache, daß sie stechen können, durchweg positive Empfindungen, weil sie deren Summen mit dem Erwachen des Frühlings, mit warmen Sommertagen oder blumenreichen Wiesen assoziieren.


Eine schon etwas abgeflogene Königin der Steinhummel auf dem Löwenzahn (Taraxacum officinale) (links), auf dem Blaukissen (Aubrieta deltoidea) (rechts)
Verwandtschaft und Name
Die Steinhummel gehört zur Familie der Bienen (Apidae) und hier zur Gattung
Bombus [weitere Informationen zur Klassifikation
der Bienen]. Diese umfaßt nach Auffassung namhafter Autoren (Williams
1998, Michener 2000) sowohl die „echten“, d.h. nestbauenden Hummeln
als auch die „Kuckuckshummeln“, das sind parasitische Formen, die
bisher unter dem Gattungsnamen Psithyrus geführt wurden. Die frühere
Aufteilung in zwei Gattungen wurde von manchen Autoren ( Amiet 1996, Müller
et al. 1997) beibehalten. Andere Autoren hatten die einzelnen Untergattungen
(Subgenera) sogar in den Rang selbständiger
Gattungen erhoben ( Rasmont 1983, Reinig 1981, von Hagen 1994). Aufgrund sogenannter
kladistischer Untersuchungen der Morphologie der adulten Hummeln beider Geschlechter,
vor allem der männlichen Genitalien, und der daraus resultierenden Einschätzung
ihrer phylogenetischen (stammesgeschichtlichen) Beziehungen ist die Beibehaltung
einer eigenen Gattung Psithyrus für
die Sozialparasiten nicht mehr gerechtfertigt. Daher werden alle Hummeln nur
noch in einer einzigen Gattung Bombus zusammengefaßt. Die Studien zur Klassifikation
auf der Ebene der Untergattung sind noch nicht abgeschlossen. Fundierte fachliche
Informationen über
die Hummeln der Welt und Großbritanniens mit detaillierten Erläuterungen
zur Taxonomie und Systematik, allerdings in englisch, liefert Paul Williams unter
folgender Adresse: www.nhm.ac.uk/entomology/bombus
.
Die Steinhummel wurde 1758 von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné (Carolus Linnaeus) unter dem Namen Apis lapidaria in seinem Werk Systema naturae, Band 1, Seite 579 beschrieben. Linné hatte den von ihm beschriebenen und benannten Bienenarten den Gattungen Apis oder Sphex zugeordnet. Erst 1802 wurde die Gattung Bombus von dem französischen Zoologen Latreille für die hummelartigen Formen unter den Bienen aufgestellt. Seither heißt daher unser Insekt des Jahres Bombus lapidarius (Apis ist weiblich, Bombus hingegen männlich, daher die unterschiedliche Endung des latinisierten Artnamens „a“ bzw. „us“). Der deutsche Name „Steinhummel“ ist von dem wissenschaftlichen Artnamen lapidarius abgeleitet, dessen lateinischer Wortstamm lapis Stein bedeutet. Wahrscheinlich hat bei der Namensgebung durch den Naturforscher Linné eine Rolle gespielt, daß das Nest bevorzugt unter Steinen oder in steinigem Gelände anlegt wird.
Färbung
Bei der Steinhummel sind Brustabschnitt und die ersten Rückensegmente des Hinterleibs bei der Königin tief samtschwarz, das Hinterleibsende hingegen feuerrot. Die Arbeiterinnen weisen die gleiche Färbung auf, sie sind lediglich kleiner als die Königin. Dennoch muß selbst der Kenner genau hinsehen, um diese Art von den sehr ähnlich aussehenden Königinnen oder Arbeiterinnen anderer Hummeln mit rötlichem Hinterleibsende wie Bombus ruderarius, B. pomorum, B. soroeensis oder B. wurflenii zu unterscheiden.
Männchen der Steinhummel auf dem Köpfchen der Filzigen Klette (Arctium tomentosum)
Die Männchen sind den Weibchen in der Grundfärbung ähnlich, jedoch haben sie meist ein zitronengelbes Gesicht und eine ebenso gefärbte Binde (Collare) auf dem vorderen Rückenteil des Brustsegments, die sich auch auf die Seiten des Brustabschnitts erstrecken kann. Selten ist auch das Schildchen (Scutellum, hinterer Teil der Rückenplatte des Brustsegments) gelb. Am sichersten lassen sie sich anhand des Baus des Geschlechtsapparats identifizieren, was jedoch die Tötung des Tieres und die Benutzung optischer Hilfsmittel voraussetzt. (Bestimmungsliteratur findet sich hier.)
Verbreitung
In Deutschland kommt Bombus lapidarius in sämtlichen Bundesländern vor. Auch in Österreich ist die Art aus allen Bundesländern und in der Schweiz aus sämtlichen Kantonen bekannt. Außerhalb dieses Gebiets tritt sie fast in ganz Europa auf und fehlt nur im mediterranen Raum, kommt aber auf der Iberischen Halbinsel vor. Ihre vertikale Verbreitung reicht von der Ebene bis in die höheren Lagen der Mittelgebirge und der Alpen, wo sie bis in einer Höhe von 2690 m festgestellt wurde. Sie fehlt also nur in den höchsten Gebirgslagen.



Die
Steinhummel: