Blütenbesuch
Hummeln verhalten sich beim Blütenbesuch in vieler Hinsicht anders als andere Bienen. Besuche zum Zwecke des Nektar- bzw. Pollensammelns sind noch stärker zu unterscheiden, da im Nest getrennte Nektar- und Pollenvorräte angelegt werden und es eine mehr oder weniger deutliche Arbeitsteilung in Nektar- und Pollensammlerinnen gibt. Hummeln lagern im Gegensatz zur Honigbiene nur für wenige Tage Pollen- und Nektarvorräte ein. Durch die geringe Vorratshaltung kann bei Kälteeinbruch im Frühjahr nur für begrenzte Zeit eine gleichbleibende Nesttemperatur von 29–32,5 °C aufrecht erhalten werden. Schlechtwetterperioden führen deshalb zu einer Entwicklungsverzögerung.
Als Pollenquellen nutzen die meisten Hummelarten Vertreter verschiedener Pflanzenfamilien. Bienen mit einem solchen Pollensammelverhalten nennt man polylektisch. Ähnlich wie die Honigbiene nutzen manche Hummeln auch exotische Pflanzen und solche, die von anderen Bienenarten nie besucht werden. Allerdings haben Hunderte von mir in den vergangenen Jahren durchgeführte Analysen der Pollenladungen britischer und deutscher Hummeln und zahlreiche Beobachtungen im Freiland gezeigt, daß einige Hummelarten bzw. deren Königinnen (u.a. Bombus distinguendus, B. humilis, B. sylvarum, B. subterraneus) selbst bei einem vielfältigen Blütenangebot deutliche Präferenzen für bestimmte Pollenquellen zeigen und daß wir unsere Vorstellung vom Pollensammelverhalten der Hummeln korrigieren müssen. Ein Teil der bisherigen Untersuchungsergebnisse wurde 2006 veröffentlicht (Publ. Nr. 69).
Besonders auffällig ist, welch wichtige Rolle Schmetterlingsblütler, insbesondere Rotklee (Trifolium pratense), Weißklee (Trifolium repens) und Hornklee (Lotus corniculatus), bei einigen (aber nicht allen!) Hummelarten als Pollenquelle spielen.
Königin von Bombus pascuorum beim Besuch einer Blüte der
Ranken-Platterbse (Lathyrus latifolius).
Bombus lapidarius ist hinsichtlich des Pollensammeln zwar nicht eng spezialisiert, ist also polylektisch, bevorzugt als Pollenquellen aber ebenfalls diverse Schmetterlingsblütler (Fabaceae) wie Hornklee (Lotus corniculatus, Lotus uliginosus), Rotklee (Trifolium pratense) und Zaunwicke (Vicia sepium) sowie Flockenblumen (Centaurea jacea, Centaurea nigra, Centaurea scabiosa). Im engeren Sinne oligolektisch scheint nur der im Alpenraum verbreitete Bombus gerstaeckeri zu sein, der eine deutliche Präferenz für Arten der Gattung Aconitum (Ranunculaceae) zeigt, insbesondere für Blauen Eisenhut (Aconitum napellus) und Gelben Eisenhut (Aconitum vulparia).
Hinsichtlich der Nektarquellen sind vor allem langrüsselige Hummeln wie Bombus hortorum dazu befähigt, Blüten mit langen Kronröhren auf normalem Wege zu nutzen. Schmetterlingsblütler (Fabaceae), Lippenblütler (Lamiaceae), Rauhblattgewächse (Boraginaceae) und der Eisenhut (Aconitum) werden daher von solchen Arten bevorzugt. Nektarraub, also die gewaltsame Aneignung von Nektar durch Zerstören von Blütenteilen, z.B. Aufbeißen des Sporns, ist besonders häufig bei kurzrüssligen Hummeln zu beobachten, da sie bei solchen Pflanzen, deren Kronröhre zu lang ist, nur durch Aufbeißen zum Nektar gelangen können.
Bombus gerstaeckeri (Königin) beim
Blütenbesuch am Blauen Eisenhut (Aconitum napellus).

Bombus pratorum beim Nektarraub am Blauen Beinwell (Symphytum asperum). Beachte, wie die Zunge am Grunde der Blüte in das durch Abbeißen entstandene Loch zum Nektar geführt wird.


Insekt des Jahres 2005