Nach der Paarung sucht sich die Harzbiene zunächst einen geeigneten Nistplatz,
zum Beispiel einen kleinen Stein auf einer Böschung wie hier im Bild. Vor Beginn
des Zellenbaus betastet die Biene den Untergrund mit ihren Antennen. Dann bringt
sie im Flug kleine Harzbröckchen herbei, die unter ihrem Kopf festgeklebt sind.
Das Harz besorgt sie sich meist von Kiefern, vermutlich auch von Triebspitzen,
bisweilen auch von Tannen, deren Rinde verletzt ist und "blutet". Die Harzklümpchen
heftet die Biene zunächst auf das Substrat, bei der halbfertigen Zelle auf deren äußeren
Rand. Innen wird das Harz glatt gestrichen. Der Außenrand wird mit den Mandibeln
bearbeitet und die Zelle auf diese Weise verlängert.
Während der Verproviantierungsphase ist die Zelle unten weit geöffnet. Das
Larvenfutter wird im oberen Bereich der Zelle deponiert und quasi festgestampft.
Nach der Rückkehr von einem Ausflug kriecht die Biene zuerst mit dem Kopf voran
in die Zelle und gibt den mitgebrachten Nektar ab. Während der Nektarabgabe dreht
sich das Weibchen unter mehrfacher Änderung der Drehrichtung um die eigene Längsachse.
Nach der Nektarabgabe schiebt das Weibchen sein Abdomen in die Zelle und
streift, ohne sich dabei zu drehen, den Pollen mit den Hinterbeinen aus der Bauchbürste
ab. Nektar- und Pollenabgabe dauern je 30-60 sec. Bei warmem und sonnigem Wetter
dauern die Sammelflüge 10-30 min.
Ist die Harzzelle etwa zur Hälfte mit Larvenproviant gefüllt, beginnt das
Bienchen sie zu verschließen. Zunächst bearbeitet und verlängert es den äußeren
Zellenrand mit den Mandibeln. Dann schiebt es sein Abdomen in die Zelle und legt
ein Ei.
Nach der Eiablage fertigt das Bienchen am unteren Zellenende eine kragenartige
Einschnürung. Hierzu preßt es die Zelle knapp oberhalb des Randes zusammen und
bearbeitet das Harz von innen, während es außen mit dem Abdomen dagegen drückt.
Während es am unteren Ende hängt, formt es schließlich die Röhre, indem
es das Randmaterial in die Länge zieht. Mit den Fühlern betastet es dabei ständig
die Röhrenmündung.
Während der letzten Bauphase streicht die Harzbiene abwechselnd beide Vorderbeine über
die Vorderseite des Kopfes. Offensichtlich befördert sie hierdurch kleine Harzpartikel,
die sich während der Bearbeitung von der Zelle gelöst haben, ins Röhrenlumen.
Während der Verschlussphase fliegt die Biene mehrmals für 1-2 min davon, trägt
aber kein neues Harz herbei. Das Verschließen der Zelle dauert rund 20 min. Durch
die Röhre werden die Larven mit Außenluft versorgt.
Bei trockenem und sonnigem Wetter beginnt die Bautätigkeit am Morgen sobald
eine Temperatur von ca. 18°C erreicht ist. Der Bau und das Sammeln von Blütenprodukten
für die Versorgung der Larve dauern bis zum frühen Abend. So kann an einem Tag
eine Brutzelle gebaut werden. Bei entsprechender Eignung des Nistplatz werden
mehrere Zellen nebeneinander gebaut.
Die linke der beiden hier zu sehenden Brutzellen wurde von mir vorsichtig
geöffnet. Im oberen Teil der Zelle ist das dunkelgelbe, sehr zähflüssige Larvenfutter
zu sehen. Am unteren Ende klebt das glänzende, gräuliche Ei. 3-4 Tage nach der
Eiablage schlüpft die Larve, die den Proviant innerhalb von 3 Wochen verzehrt.
Danach spinnt sie einen Kokon, der die Zelle vollständig ausfüllt und mit einem
kleinen Zapfen im Röhrenhals liegt. Die Überwinterung erfolgt als Ruhelarve innerhalb
des braunen Kokons. Die Verpuppung erfolgt erst im kommenden Frühling. Die voll
entwickelte Biene verläßt dann im Frühsommer die Zelle.
Wechsel der Vorschaubilder durch Klick
auf ein Kästchen (Thumbnail panels):