Beispiele oligolektischer Bienen 2 - Oligolectic Bees of Europe 2
Nur wenige heimische Bienenarten sind auf Vertreter der Dipsacaceae spezialisiert. Andrena hattorfiana sammelt ausschließlich an Knautia- und Scabiosa-Arten. Hier im Bild sind die Pollenspeicher des Weibchens nahezu vollständig mit dem rosaroten Pollen von Knautia arvensis (Acker-Witwenblume) gefüllt. [D, Tübingen, Mai 2005]
Andrena marginata (Skabiosen-Sandbiene) fliegt erst im Hochsommer und damit deutlich später als Andrena hattorfiana. Sie sammelt an Scabiosa-Arten und an Succisa pratensis (Teufels-Abbiss) wie hier im Bild. Das Weibchen ist gut an seiner hellroten Hinterleibsfärbung zu erkennen. [D, Bühl, August 2005]
Nur in den Hochgebirgen zu finden ist die auf bestimmte Dipsacaceae spezialisierte Osmia grandis (=Chelostoma grande), die hier vor allem an Knautia maxima (Wald-Witwenblume), aber auch an Knautia arvensis (Acker-Witwenblume) Pollen sammelt. [CH, Erschmatt, Juli 1995]
Andrena lapponica (Lappländische Sandbiene) ist eine charakteristische Bewohnerin lichter Wälder und von Mooren, wo die oligolektische, auf Ericaceae spezialisierte Art Vaccinium myrtillus (Heidelbeere) und andere Vaccinium-Arten als Pollenquellen nutzt. Bei verregneter Heidelbeerblüte werden gelegentlich auch andere Pollenquellen wie Löwenzahn oder Gamander-Ehrenpreis besammelt. [D, Oberprechtal, Juni 1987]
Zahlreiche Bienenarten sind auf Fabaceae spezialisiert. Megachile ericetorum kommt in Südwestdeutschland vielfach auch in den Dörfern und Städten vor, wo die Weibchen - wie hier im Bild - u.a. an Colutea arborescens (Blasenstrauch) Pollen sammeln. [D, Kusterdingen, Mai 2005]
Melitta leporina (Luzerne-Sägehornbiene) ist beim Pollensammeln fast nur an Medicago-Arten zu beobachten. Das Bild zeigt ein Weibchen an Medicago sativa (Luzerne), des innerhalb der Schmetterlingsblütler am häufigsten genutzten Art. [A, Wien, Juli 2005}
Streng oligolektisch ist in Mitteleuropa sehr seltene Melitta dimidiata (Esparsetten-Sägehornbiene), die ausschließlich an Onobrychis-Arten, insbesondere O. arenaria (Sand-Esparsette) sammelt. Beachte die großen Pollenladungen an Tibia (Schiene) und Metatarsus (1. Fußglied) der Hinterbeine. [I, Aosta, Juni 2006]
Überwiegend in den Gebirgen verbreitet ist die seltene Osmia xanthomelana (Tönnchen-Mauerbiene), deren mittel- und westeuropäische Pollenquellen Hippocrepis comosa (Hufeisenklee) und Lotus corniculatus (Hornklee) sind, ein weiteres Beispiel für eine streng oligolektische, auf wenige Vertreter der Pflanzenfamilie Fabaceae spezialisierte Art. [D, Hayingen, Juni 2006]
Die Lamiaceae (Lippenblütler) sind bei vielen Bienenarten als Nektar- und Pollenquellen sehr beliebt. Die oligolektische Anthophora furcata nutzt in dieser Pflanzenfamilie vor allem Stachys-Arten wie Stachys sylvatica (Wald-Ziest), aber auch andere Lamiaceae. Im Bild befindet sich ein Weibchen der Wald-Pelzbiene gerade im Anflug an eine Blüte des Wald-Ziests, eine Beobachtung, die man auch im Garten machen kann, wenn man für entsprechende Lebensraumelemente (Totholz, Lippenblütler) sorgt. [D, Kusterdingen, Juni 2005]
Rophites algirus ist streng oligolektisch und sammelt nur an Stachys recta (Aufrechter Ziest), ein kalkliebender Lippenblütler von Saumgesellschaften trockenwarmer Standorte. Das hier eine Blüte anfliegende Weibchen hat seine Transporteinrichtungen (Scopa) an den Hinterbeiden bereits reich mit dem weißen Ziest-Pollen gefüllt. [I, Aosta, Juni 2006]
Die Familie Lythraceae (Blutweiderichgewächse) enthält nur wenige Arten. Eucera salicariae (Blutweiderich-Langhornbiene) sammelt fast ausschließlich an Lythrum salicariae (Gewöhnlicher Blutweiderich), einer an Grabenrändern und in Hochstaudenfluren feuchter Standorte wachsenden und im Sommer blühenden Art. Der Blutweiderich hat zwei Typen von Pollen, die gelb bzw. blau gefärbt sind und beide von der Langhornbiene gesammelt werden (gelbe und grünliche Färbung der Pollenladung im Bild). Eucera salicariae habe ich vereinzelt auch an Melilotus albus (Weißer Steinklee) beim Pollensammeln angetroffen, ein Phänomen, das noch näher zu untersuchen ist.
Bisher sind in Europa zwei Bienenarten bekannt, die auf Lythrum spezialisiert sind. Neben Eucera salicariae ist es die viel häufigere Melitta nigricans (Blutweiderich-Sägehornbiene), die in Deutschland u.a. entlang des Oberrheins und dessen Nebenflüssen im Sommer weit verbreitet ist. [D, Oberbergen, Juli 2006]
Ein seltener Fall von Oligolektie ist auch die Spezialisierung auf Malvaceae. Eucera macroglossa (Malven-Langhornbiene) sammelt Pollen ausschließlich an Vertretern mehrerer Gattungen der Malvengewächse. Besonders beliebt sind Althaea officinalis (Echter Eibisch) und Malva alcea (Rosen-Malve), deren weiße und vergleichsweise große Pollenkörner von dem Weibchen gesammelt und in die mit langen Haaren versehenen Einrichtungen zum Transport umgelagert werden. [D, Bickensohl, Juli 2006]
Macropis fulvipes (Wald-Schenkelbiene) ist wie zwei weitere in Europa vorkommende Macropis-Arten auf Lysimachia spezialisiert. Ihre Hauptpollenquelle ist Lysimachia punctata (Punkt-Gilbweiderich), einer als Zierpflanze kultivierten Art. Daher ist diese Bienenart stellenweise auch in Gärten anzutreffen. [D, Tübingen, Juni 2005]
Bisher ist aus Europa nur eine Bienenart bekannt, die auf Ranunculus spezialisiert ist: Osmia florisomnis (= Chelostoma florisomne, Hahnenfuß-Scherenbiene) ist zumindest in Mitteleuropa ausgesprochen häufig und besiedelt sehr gerne auch sogenannte Nisthilfen. Ihre Häufigkeit ist auch darauf zurückzuführen, dass Ranunculus acris (Scharfer Hahnenfuß), R. bulbosus (Knolliger Hahnenfuß) und R. repens (Kriechender Hahnenfuß), die wichstigen Pollenquellen dieser Bienenart, sehr häufig sind. [D, Tübingen, Mai 1986]
Die Familie der Resedaceae enthält nur eine Gattung Reseda auf die Hylaeus signatus (Reseden-Maskenbiene) als streng oligolektische Art spezialisiert ist. Die nur 6-8 mm großen Bienchen sind schwarz, kaum behaart und durch gelbe Gesichtsflecken charakterisiert, aber dadurch zumindest als Angehörige der Gattung Hylaeus gut zu erkennen. [D, Kusterdingen, Juni 2005]
Andrena potentilla (Fingerkraut-Seidenbiene) besammelt nur Vertreter der Gattungen Potentilla (Fingerkraut) und der nahverwandten Fragaria (Erdbeere), Gattungen der Rosaceae (Rosengewächse). Im Bild sammelt ein Weibchen den Pollen an Potentilla heptaphylla (Rötliches Fingerkraut). [D, Vogtsburg, April 1994]
Eine typische Frühlingsbiene ist Andrena praecox (Frühe Sandbiene), die auf Salix spezialisiert ist, aber mehrere Salix-Arten nutzt. Im Oberrheingebiet kann man sie regelmäßig an Salix cinerea (Grauweide), wie hier im Bild, oder an Salix purpurea (Purpurweide) antreffen. [CH, Leuk, April 1997]
Melitta tricincta (Zahntrost-Sägehornbiene) fliegt erst am Ende des Sommers. Sie ist nur an Odontites-Arten (Familie Scrophulariaceae) pollensammelnd zu beobachten. Ihre wichtigste Pollenquelle in Mitteleuropa ist Odontites vulgaris (Später Zahntrost), vereinzelt wird auch Odontites luteus (Gelber Zahntrost) genutzt. [D, Tübingen, August 2006]
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