Campanula poscharskyana (Hängepolster-Glockenblume), eine attraktive Pollenquelle
27. Juni 2010
Heute war mein Beobachtungsziel im Botanischen Garten der Universität Tübingen eine Glockenblumen-Art, der ich schon länger meine besondere Aufmerksamkeit gewidmet habe: Campanula poscharskyana. Schon in der Vergangenheit war mir aufgefallen, daß sie von den verschiedensten Bienenarten als Pollenquelle genutzt wird. In meinem Garten wird sie alljährlich u.a. von Osmia rapunculi und der verwandten Scherenbienenart Osmia cantabrica intensiv besammelt. Am nächsten Tag (28. Juni) sah ich auf meiner Terrasse an einer hellblauen Form der Glockenblume auch die Schmalbienenart Lasioglossum nitidulum und dokumentierte deren Pollensammeln ebenfalls mit der Kamera.
Campanula poscharskyana im Botanischen Garten der Universität Tübingen.
Campanula poscharskyana stammt aus Dalmatien (Kroatien). Sie ähnelt im Wuchs Campanula garganica, doch ist sie wüchsiger. Die langgestielten, weitgeöffneten, fast sternförmigen Blüten sind lavendelblau und finden sich an flach ausgestreckten, bis 70 cm langen Trieben. In der Gartenkultur sind mehrere Sorten und Typen erhältlich, von denen sich die Form »Blauranke« mit hellblauen Blüten als sehr robuste, stark wüchsige Form besonders für die Balkon- und Schalenbepflanzung eignet. Aufgrund ihres Wuchses erhielt sie den deutschen Namen »Hängepolster-Glockenblume«. Daneben gibt es Sorten mit lavendelrosa, dunkellila, mittelblauen und sogar weißen Blüten. Obwohl von den von mir beobachteten Bienenarten auch weiße Blüten genutzt werden, scheinen blaue Blüten am attraktivsten zu sein.
Glockenblumen sind bei vielen Bienenarten als Pollenquellen sehr beliebt. Mehrere Arten sind sogar ganz von diesen Pollenlieferanten abhängig. Um auch diese Campanula-Spezialisten zu fördern, sollte man Glockenblumen im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon kultivieren. Dann kann man aus nächster Nähe mehrere Arten bei der Pollenernte beobachten.
Im Botanischen Garten habe ich heute insgesamt 10 Bienenarten beobachtet, die alle an Campanula poscharskyana intensiv Pollen gesammelt haben. Sie sind zusammen mit der am 28.6. beobachteten Schmalbienenart in der nachfolgenden Galerie in Wort und Bild aufgeführt.
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Ein Weibchen der 2. Generation, die sehr gerne Glockenblumen besucht, auch wenn sie nicht oligolektisch ist.
Eine recht seltene, mittlerweile in Deutschland gefährdete Art, die ich schon seit Jahren alljährlich im Botanischen Garten beobachte. Besonders typisch ist die hellbraune Färbung der wie geschoren wirkenden Behaarung des Mesonotums.
Sehr gut ist auf diesem Bild zu sehen, in welchen Haarstrukturen des Mesonotums und der Beine bei den Arten der Gattung Andrena der bei dieser Campanula-Art weiße Pollen für den Heimtransport gespeichert wird.
Für das Weibchen dieser attraktiven Art typisch ist neben der kurzen Mesonotumbehaarung die Binden am Hinterrand der Tergite.
Auch von häufigen und ausgesprochen polylektischen Arten wird die Hängepolster-Glockenblumen gerne genutzt. Hier hat sich das Weibchen an die Griffelstange gehängt, um den Pollen abzuernten.
Auch diese Art gehört zu den vergleichsweise anspruchslosen Bienenarten, was die Nutzung der Pollenquellen betrifft. Auch auf diesem Bild ist gut zu sehen, wie das Weibchen von der Griffelstange der Glockenblume den dort von den Staubbeuteln abgelagerten Pollen sammelt.
Diese Blattschneiderbienenart ist häufig an Glockenblumen zu beobachten, selbst auf dem Balkon, sofern dort Glockenblumen kultiviert werden. Sie nistet hier gerne in der Erde von Blumenkästen.
Ein Weibchen von oben betrachtet.
Die Bauchbürste ist bereits mit dem weißen Campanula-Pollen reich gefüllt. Beachte die Stellung der Hinterbeine, die den Pollen von der Griffelstange entnehmen, um ihn dann in die Bauchbürste umzulagern.
Diese wie Andrena curvungula auf Campanula spezialisierte Art kann man leicht mit Glockenblumen fördern, sofern man ihr in erreichbarer Nähe auch Nisthilfen (Bambusröhrchen, Schilfhalme, Bohrungen in Hartholz mit 3,5 bis 4 mm Durchmesser) anbietet.
Eine Arbeiterin der Bombus-lucorum-Gruppe.
In diesem Jahr sind die Arbeiterinnen von Bombus pratorum aufgrund des verregneten und kühlen Frühlings immer noch aktiv, während in Jahren mit besserem Witterungsverlauf die Volkentwicklung Ende Juni bereits abgeschlossen ist.
Diese Hummelart bevorzugt, wo immer man sie antrifft, Glockenblumen als Pollenquellen. Im Botanischen Garten kann man die Arbeiterinnen im Sommer an allen mööglichen Campanula-Arten beobachten.
An der untersuchten Stelle betrug die Zahl der Honigbienen etwa das Zehnfache der der anderen Bienenarten. Da die meisten Honigbienen auch Pollen gesammelt haben, konkurrieren sie hier mit den anderen Arten um die Ressource Pollen. In dieser Blüte ist der Pollen bereits von der Griffelstange abgeerntet und die Arbeiterin entnimmt aus dem Blütengrund nur noch Nektar. Die hellgraue Pollenladung zeigt uns aber, daß die Arbeiterin bereits zuvor an anderen Campanula-Blüten Pollen gesammelt hat.
Ein grün-metallisch schimmerndes Weibchen beginnt, mit den Mandibeln den Pollen von der Griffelbürste zu klauben.
Da die Blüten von Campanula poscharskyana weit geöffnet sind und daher die Griffelstande besser angeflogen werden kann, ist diese Campanula-Art bei den Pollensammlern beliebter als z.B. Campanula portenschlagiana.
Mit den Antennen betastet das Weibchen die Griffelstange, um den weißen Pollen mit den Mandibeln zu ernten.
Das Weibchen taucht nach der Pollenernte in den Blütengrund, um dort Nektar zu saugen.
Campanula poscharskyana kann man leicht im Topf oder Container kultivieren und so einigen Bienenarten auch auf der Terrasse oder auf dem Balkon als Pollenquelle verfügbar machen.

