Zum Inhalt springen
Lebensraum Magerrasen

Nestbau und Beuteeintragen von Isodontia mexicana (Stahlblauer Grillenjäger)

11. September 2009

Familie Königer (Emmendingen) gab mir freundlicherweise die Gelegenheit, in ihrem strukturreichen Garten »ihre« Isodontia mexicana zu beobachten und zu fotografieren. Dafür sei ihr auch an dieser Stelle recht herzlich gedankt. Die heutigen Beobachtungen bestätigen die Befunde vom 2. September 2009. Sie werden mit Fotos zum Nestbau und zum Beuteeintragen sowie mit Notizen über eine mögliche 2. Generation ergänzt.

  • Isodontia mexicana Weibchen
    Isodontia mexicana male
    Ein Weibchen hat sich in der Mittagszeit auf einem dürren Blatt in der Nähe des Nestes niedergelassen, um sich zu sonnen. Im September dauert es aufgrund der jetzt tiefer stehenden Sonne länger, bis die Mindestemperaturen erreicht sind, die für die Brutaktivitäten erforderlich sind.

Ein Weibchen hat sich um die Mittagszeit auf einem dürren Blatt in der Nähe des Nestes niedergelassen, um sich zu sonnen. Im September dauert es aufgrund der jetzt tiefer stehenden Sonne länger, bis die Mindestemperaturen erreicht sind, die für die Brutaktivitäten erforderlich sind.
[Großansicht: Auf das Bild klicken.]

 
  • Isodontia mexicana Weibchen
    Isodontia mexicanamalemit Baumaterial
    Auf diesem Foto ist zu sehen, warum die Art in der amerikanischen Literatur »Grass-carrying wasp« heißt. Das Weibchen beißt einen dürren Grashalm ab und transportiert ihn im Flug zwischen den Beinen zum Nest. Stück für Stück wird der Grashalm mit Hilfe der Mandibeln in den Nistgang geschoben und zu kürzeren Stücken verarbeitet. Auf diese Weise entsteht der Boden einer Brutzelle, später auch eine Zwischenwand oder ein Nestpropf.

Auf diesem Foto ist zu sehen, warum die Art in der amerikanischen Literatur »Grass-carrying wasp« heißt. Das Weibchen beißt einen dürren Grashalm ab und transportiert ihn im Flug zwischen den Beinen zum Nest. Stück für Stück wird der Grashalm mit Hilfe der Mandibeln in den Nistgang geschoben und zu kürzeren Stücken verarbeitet. Auf diese Weise entsteht der Boden einer Brutzelle, später auch eine Zwischenwand oder ein Nestverschluß. [Großansicht: Auf das Bild klicken.]

 
  • Isodontia mexicana Weibchen mit Beute
    Isodontia mexicanamalemit erbeuteter Eichenschrecke

Nach dem Bau der Rückwand ist das Weibchen auf die Jagd gegangen und mit einem mit dem Giftstachel gelähmten Weibchen der Südlichen Eichenschrecke (Meconema meridionale) zurückgekommen. Es landet in der Nähe des Nestes, rastet kurz und schleppt dann das Beutetier zum eigentlichen Nest.
[Großansicht: Auf das Bild klicken.]

 
  • Isodontia mexicana Weibchen mit Beute
    Isodontia mexicanamalemit erbeuteter Eichenschrecke
    Das Weibchen schleppt die Beute »zu Fuß« zum Nest, das sich in einer 8 mm weiten Bohrung in einer Nisthilfe aus Hartholz befindet.

Das Weibchen schleppt die Beute »zu Fuß« zum Nest, das sich in einer 8 mm weiten Bohrung in einer Nisthilfe aus Hartholz befindet.
[Großansicht: Auf das Bild klicken.]

 
  • Isodontia mexicana Weibchen mit Beute
    Isodontia mexicanamalemit erbeuteter Eichenschrecke
    Ganz im Gegensatz zu manchen anderen Grabwespen schleppt Isodontia mexicana die Beute ohne Hektik zu dem Nest.

Ganz im Gegensatz zu manchen anderen Grabwespen schleppt Isodontia mexicana die Beute ohne Hektik zu dem Nest.
[Großansicht: Auf das Bild klicken.]

 
  • Isodontia mexicana Weibchen mit Beute
    Isodontia mexicanamalemit erbeuteter Eichenschrecke
    In diesem Fall dauerte es eine Minute vom Landen der Grabwespe bis zum Hineinziehen der Beute in den Nestgang.

In diesem Fall dauerte es eine Minute vom Landen der Grabwespe bis zum Hineinziehen der Beute in den Nestgang.
[Großansicht: Auf das Bild klicken.]

 
  • Isodontia mexicana Weibchen mit Grashalm
    Isodontia mexicanamalemit Pollen
    Wenn die Verproviantierung der letzten Zelle eines Nestes abgeschlossen ist, wird das Nest verschlossen. Das Weibchen beißt einen dürren Grashalm ab und schleppt ihn im Flug zwischen den Beinen zum Nistplatz. Dabei wird der Grashalm an seinem Vorderende mit den Mandibeln festgehalten.

Wenn die Verproviantierung der letzten Zelle eines Nestes abgeschlossen ist, wird das Nest verschlossen. Das Weibchen beißt einen dürren Grashalm ab und schleppt ihn im Flug zwischen den Beinen zum Nistplatz. Dabei wird der Grashalm an seinem Vorderende mit den Mandibeln festgehalten.
[Großansicht: Auf das Bild klicken.]

 
  • Isodontia mexicana Weibchen mit Grashalm
    Isodontia mexicanamalemit Baumaterial
    Nun beginnt das Weibchen, den Grashalm in den Nestgang zu stecken. Wenige Zentimeter tiefer ist ein bereits verschlossenes Nest zu erkennen. Beim Nektarerwerb auf dem Blütenstand eines Korbblütlers wurde das Weibchen reich mit Pollen bepudert.

Nun beginnt das Weibchen, den Grashalm in den Nestgang zu stecken. Wenige Zentimeter tiefer ist ein bereits verschlossenes Nest zu erkennen. Beim Nektarerwerb auf dem Blütenstand eines Korbblütlers wurde das Weibchen reich mit Pollen bepudert.
[Großansicht: Auf das Bild klicken.]

 
  • Isodontia mexicana Weibchen mit Grashalm
    Isodontia mexicanamalemit Baumaterial
    Stück für Stück wird der Grashalm mit Hilfe der Mandibeln in den Nistgang geschoben und zu kürzeren Stücken verarbeitet. Auf diese Weise wird ein mehrere Zentimeter dicker Nestverschluß gebaut. Manchmal schauen einzelne längere Halstücke heraus.

Stück für Stück wird der Grashalm mit Hilfe der Mandibeln in den Nistgang geschoben und zu kürzeren Stücken verarbeitet. Auf diese Weise wird ein mehrere Zentimeter dicker Nestverschluß gebaut. Manchmal schauen einzelne längere Halstücke heraus.
[Großansicht: Auf das Bild klicken.]

 
Isodontia mexicana - Nest in Metallgerüst

Isodontia mexicana nimmt mit röhrenförmigen Hohlräumen aller Art als Nistplatz vorlieb. Hier wurde in der Stütze eines Metallgerüsts ein Nest gebaut. Aufgrund der aus dem Gang herausragenden Grashalme gibt es keinen Zweifel daran, wer hier tätig war.


Nach dem Deponieren des oben zu sehenden Beutetiers in dem Gang dauerte es 10 Minuten, bis die Grabwespe wieder aus dem Nestgang herauskam. Da sie anschließend sofort mit einem Grashalm zurückkam und daher mit dem Verschließen des Nestes begann, ist anzunehmen, daß auf die Eichenschrecke ein Ei abgelegt wurde und daß eine einzige ausgewachsene Heuschrecke für einen Nachkommen, vermutlich ein Männchen, ausreicht. Wenn in andere Zellen drei Eichenschrecken eingetragen wurden, wie Herr Königer beobachtet hat, dann kann man davon ausgehen, daß sich in einer solchen Zelle ein Weibchen entwickelt.

Zur Frage einer 2. Generation

Herr Königer hat in Emmendingen in seinem Garten im Jahr 2009 das erste Exemplar am 14. Juni beobachtet (Uhrzeit: 10:09 h, Lufttemperatur: 30,5°C). Aus Zürich (Schweiz) meldete mir Frau Dobler-Gross die erste Beobachtung am 28. Juni.

Das erste Nest wurde in Emmendingen am 4. Juli fertiggestellt. Am 28. August beobachtete Herr Königer, wie aus diesem Nest die erste Wespe schlüpfte; am 1. September wurde erneut eine Wespe beim Verlassen dieses Nestes beobachtet. In der ersten Septemberwoche schlüpfte aus anderen Nestern zumindest ein Teil der Exemplare, die sich 2009 in ihnen entwickelt hatten. Diese und die letztjährigen Beobachtungen deuten auf eine zumindest partielle 2. Generation hin. Um dieses Phänomen zu klären, sollen im kommenden Jahr weitere Untersuchungen angestellt werden.


Neuere Hinweise zur Biologie der amerikanischen Populationen finden sich in folgender Arbeit (in englisch):
O'Neill, Kevin M. & O'Neill, Ruth P. (2003): Sex allocation, nests, and prey in the grass-carrying wasp Isodontia mexicana (Saussure) (Hymenoptera: Sphecidae). – Journal of the Kansas Entomological Society, 76, Nr. 3: 447–454.

Nachtrag am 21. September 2009

Heute erhielt ich vom Autor einen Sonderdruck der folgenden, jüngst erschienenen Publikation:
Amiet, F. (2009): Zur Biologie von Isodontia mexicana (Saussure, 1867) (Hymenoptera, Sphecidae, Sphecini). - Entomo Helvetica, 2: 155-159.
Darin beschreibt der Autor seine Beobachtungen zum Nestbau, zum Beuteeintragen und zur Larvalentwicklung in Nisthilfen, die er in seinem Garten in Solothurn (Schweiz) angeboten hatte. Als Larvennahrung wurde auch bei Amiet Meconema meridionale eingetragen. Die Eiablage erfolgte nach dem Eintragen der ersten Heuschrecke, was mit meinen Beobachtungen insofern übereinstimmt, als ich die frisch geschlüpfte Larve im Brombeerstengelnest dort fand, wo das erste Weinhähnchen deponiert war. Mit meinen Beobachtungen stimmt ebenfalls überein, daß es nur wenige (bei Amiet vier) Tage dauert, bis die Larven die Heuschrecken aufgefressen haben. Da es bei der Verwendung und Verarbeitung von Grashalmen gewisse Unterschiede zu meinen (wenigen) Beobachtungen gibt, sind weitere Beobachtungen hierüber wünschenswert. Amiet dokumentiert seine Beschreibung mit sechs Farbfotos vom Nest, vom Nestbau, vom Beuteeintragen und von den Larven.

Zurück zur Übersicht

Nächste Seite

 Seitenfang