Blütenbesucher der Gold-Aster (Aster linosyris)
9. September 2009
Heute war ich im Kaiserstuhl westlich von Freiburg im Breisgau, um an verschiedenen Stellen solche Arten zu erfassen und möglichst auch zu fotografieren, die die Blüten der Gold-Aster (Aster linosyris) besuchen, ein erst gegen Ende der Vegetationsperiode erscheinender Korbblütler.
Bestand der Goldaster auf einer Großböschung im Rebgelände des Kaiserstuhls.
Die in Deutschland seltene und nur in besonders warmen und trockenen Gebieten vor allem der südlichen Landeshälfte vorkommende Gold-Aster (Aster linosyris) ist eine ausdauernde, bis 50 cm hohe Pflanze mit Blütenköpfen in Doldentrauben. Die 15–40 in einem Köpfchen vereinten Blüten sind goldgelb und röhrig. Die Blütezeit beginnt Ende August und dauert bis Ende September. Der an Trockenheit sehr gut angepaßte Korbblütler (Asteraceae) ist in Trockenrasen, an Rändern von Steppenheidewäldern, an Wegrändern und auf Böschungen zu finden, vielfach in Herden.
Die Blüten der Gold-Aster sind protandrisch (vormännlich). Die im ersten (männlichen) Zustand (A) befindlichen Blüten breiten ihre Zipfel auseinander und sind daher auffälliger als die im zweiten (weiblichen) Zustand, deren Kronzipfel aufgerichtet sind (B). Die Unterseite der Blütenbesucher wird bei den Blüten im ersten Stadium mit Pollen bepudert, den sie beim Besuch der im zweiten Zustand befindlichen Blüten auf deren Narben bringen und so bestäuben. [Abbildung aus Knuth, Handbuch der Blütenbiologie, 1898]
In der älteren blütenökologischen Literatur (v.a. Knuth) werden Vertreter mehrerer Insektenordnungen als Besucher genannt.
Im Verlauf meiner mehrstündigen Beobachtungen stellte ich selbst vor allem Vertreter der folgenden Insektengruppen als Besucher fest:
- Bienen (Apidae): 8 Arten
- Grabwespen (Sphecidae): 2 Arten
- Goldwespen (Chrysididae): 1 Art
- Schwebfliegen (Syrphidae): 3 Arten
- Tagfalter (Pieridae, Lycaenidae): 5 Arten
Die Arten, von denen mir ein Foto gelang, sind in der folgenden Galerie zusammengestellt und mit Kommentaren versehen. [Zum Betrachten der Großansichten bitte auf eines der Vorschaubilder klicken.]
Die Honigbiene ist ein regelmäßiger Besucher der Gold-Aster. Die Arbeiterinnen sind nicht nur am Nektar interessiert, sondern sie sammeln auch den leuchtend gelben Pollen, was auf diesem Foto die mit Nektar durchtränkte und daher feuchte Pollenladung zeigt.
Erst im Spätsommer bis weit in den Herbst fliegen die recht unscheinbaren Männchen dieser staatenbildenden Schmalbienen-Art, deren Völker 6 Jahre alt werden (Näheres siehe hier). Weibchen (Königinnen, Arbeiterinnen) werden in dieser Jahreszeit nicht beobachtet. Sie bleiben in den Erdnestern, wo auch die Paarung der Männchen mit den Jungköniginnen stattfindet.
Das Männchen einer häufigen und wenig anspruchsvollen Schmalbienen-Art. Die Männchen der Gattung Lasioglossum sind gut an dem schmalen Körperbau und den meist deutlich längeren Fühlern zu erkennen.
Diese Furchenbienen-Art ist in den wärmeren Landesteilen häufig. Dieses Weibchen trinkt nicht nur Nektar, sondern sammelt auch Pollen. Links ist ein Köpfchen (Blütenstand eines Korbblütlers) zu sehen, dessen Blütchen noch vollständig geschlossen sind.
Halictus maculatus ist nicht selten und gehört zu den staatenbildenen Bienenarten. Die Weibchen sind an dem kubischen Kopf und den weißen, unterbrochenen Binden der Rückensegmente zu erkennen.
Die auf Korbblütler als Pollenquellen spezialisierte Seidenbienen-Art nutzt vorwiegend den Rainfarn (Tanacetum vulgare) als Pollenquelle, besammelt aber auch die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) und die Gold-Aster.
Die Weibchen dieser Art ähneln denen der Buckel-Seidenbiene (Colletes daviesanus). Ihnen fehlt aber die glänzende, bucklige Erhebung des Mesonotums.
Wenn das Doldige Habichtskraut (Hieracium umbellatum) weitgehend verblüht ist, nutzt diese in Deutschland nur am südlichen Oberrhein verbreitete Seidenbienen-Art auch die Goldaster. Weiteres zum Blütenbesuch findet sich auch in dieser Publikation.
Zu Beginn ihrer Flugzeit sind die Männchen von Colletes hederae außer an Efeu auch an anderen Nektarquellen in der Nähe der Nester anzutreffen. Das Männchen besucht gerade ein im Aufblühen befindliches Köpfchen. Zu dieser Bienenart gibt es in dieser Website viele Informationen. Geben Sie in das Suchfeld "Colletes hederae" ein.
Regelmäßig sieht man den Bienenwolf auf der Goldaster, die er als späte Nektarquelle nutzt. Die Weibchen gehen aber auch im Bereich der Blütenstände auf die Jagd nach Honigbienen, ihrer artspezifischen Beute, die gelähmt als Larvenfutter in die Nester eingetragen wird.
Auch eine Reihe von Schwebfliegen-Arten gehört zu den regelmäßigen Besuchern der Goldaster-Blüten.
Für mehrere, um diese Jahreszeit noch aktive Tagfalter ist die Gold-Aster als Nektarquelle sehr attraktiv.
Da an dem Fundort dieses Gelblings der Hufeisenklee (Hippocrepis comosa) besonders charakteristisch ist, könnte es sich bei ihm durchaus um Colias alfacariensis handeln, dessen Raupennahrung besagter Hufeisenklee ist. Wegen der außerordentlichen Ähnlichkeit mit Colias hyale, dessen Raupennahrungspflanzen in der näheren Umgebung wachsen, ist die Sache allerdings nicht ganz sicher.
Der Wandergelbling, der auch Postillion genannt wird, gehört zu den fast alljährlich bei uns einfliegenden Wanderfaltern. Das hier zu sehende Exemplar dürfte eines der Nachkommen der 1. oder 2. Generation sein, die im Sommer und Herbst deutlich häufiger als die Einflieger zu beobachten sind.
Der Kleine Feuerfalter hat mehrere Generationen. Dieser Falter steckt gerade seinen Rüssel in eine der vielen Gold-Aster-Blütchen eines Köpfchens, um Nektar zu saugen. Unter den zahlreichen Pflanzen, die in der Literatur als Nektarquellen dieses Feuerfalters verzeichnet sind, ist Aster linosyris nicht enthalten. Auf die Schnecke achten! Schnecken kriechen in Trockenbiotopen gerne an höheren Strukturen wie z.B. krautigen Pflanzen hoch, um der bodennahen Hitze und Trockenheit zu entgehen.
In der Umgebung des Goldaster-Bestandes blühten im Frühjahr Herden des Hufeisenklees (Hippocrepis comosa), der Raupennahrungspflanze dieses hübschen Tagfalters.
Das frisch geschlüpfte Männchen dieses Bläuling bildet einen wunderschönen Farbkontrast zu den leuchtend gelben Blüten der Gold-Aster.
Die hier geschilderten Beobachtungen zeigen, daß die Gold-Aster im September für die um diese Zeit noch aktiven und auf den Besuch von Blüten angewiesenen Insektenarten eine attraktive Nahrungsquelle darstellt. Durch zusätzliche, sich über die gesamte Blütezeit erstreckende Beobachtungen dürften sich zweifellos noch eine Reihe weiterer Arten feststellen lassen.

