Zum Inhalt springen
Lebensraum Magerrasen

Wildbienen auf begrünten Flachdächern

26. Juni 2009

Im Frühjahr hatte ich bei der Staatlichen Vermögens- und Hochbauverwaltung Baden-Württemberg beantragt, begrünte Flachdächer von Gebäuden der Universität Tübingen auf der Morgenstelle begehen und auf die Anwesenheit von Wildbienen kontrollieren zu dürfen. Freundlicherweise wurde mir die Genehmigung unter bestimmten Auflagen erteilt. Am 12. Juni war ich erstmals auf den Flachdächern des großen Hörsaalgebäudes, die vor rund 30 Jahren begrünt wurden; eine weitere Begehung erfolgte am 17. Juni. Heute nun bekam ich die Gelegenheit, auch das Dach eines erst vor wenigen Jahren errichteten Gebäudes (H-Bau) aufzusuchen, das erst vor etwa vier Jahren begrünt wurde. Meine fotografischen Eindrücke und die Bienenarten, die ich während der drei Besuche beobachtet habe, möchte ich nachfolgend präsentieren.

Blühendes Flachdach

Flachdach des H-Gebäudes mit Blick nach Südosten (26. Juni). Es blühen Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre) (gelb) und Heide-Nelke (Dianthus deltoides) (rot).

Weitere Eindrücke von den besuchten Flachdächern liefert folgende Galerie:

  • Flachdach des Hörsaalgebäudes
    Die Kaukasische Fetthenne (Sedum spurium) ist auf den Flachdächern des Hörsaalgebäudes die häufigste Pflanze. (12. Juni).
  • Südliches Flachdach des H-Baus
  • Nördliches Flachdach des Hörsaalgebäudes
    Der Wundklee (Anthyllis vulneraria) ist in der 2. Juni-Hälfte eine vielbesuchte Nahrungsquelle von Hummeln. (12. Juni).
  • Flachdach des H-Baus
    Die noch relativ junge Begrünung dieses Flachdachs bietet in dieser Jahreszeit einen farbenprächtigen Anblick. (26. Juni).
  • Flachdach des H-Baus
    Auch der Blick nach Norden Richtung Schönbuch zeigt die Buntheit dieser Bepflanzung. (26. Juni).
  • Fetthennen auf dem Flachdach des H-Baus
    Bei der gelb blühenden Pflanze handelt es sich um den Scharfen Mauerpfeffer (Sedum acre), einer für solche Extremstandorte besonders geeigneten Pflanze. Rötlich glänzen die fleischigen Blätter des Weißen Mauerpfeffers (Sedum album). (26. Juni).
  • Fetthenne und Heide-Nelke auf dem Flachdach des H-Baus
    Neben dem gelben Scharfen Mauerpfeffer blühen auf dem Dach auch zahlreiche Exemplare der rotblühenden Heide-Nelke (Dianthus deltoides). (26. Juni).
  • Ysop auf dem Flachdach des H-Baus
    Zwischen den Fetthennen und Heide-Nelken blühen auch einzelne Exemplare des Ysop (Hyssopus officinalis), der ebenfalls von Bienen verschiedener Arten besucht wird. (26. Juni).
  • Heide-Nelke
    Die Blüte der Heide-Nelke ist besonders apart.
  • Scharfer Mauerpfeffer
    Wenn die Kaukasische Fetthenne verblüht ist, ergänzt in der Blühzeitfolge der Scharfe Mauerpfeffer das Blütenangebot. (12. Juni).
 

Da das Substrat der Flachdächer überwiegend aus Lava und am Rande aus einem Kiesstreifen bestand, ist es für bodennistende Bienenarten völlig ungeeignet. Die zum Zeitpunkt der Begehungen reichblühenden Pflanzen ließen jedoch einige Bienenarten als Blütenbesucher erwarten, abhängig von deren Attraktivität und Nutzbarkeit als Nektar- und/oder Pollenquelle. Daher sollten auch bodennistende Arten anzutreffen sein.

Anthidium oblongatum MännchenMegachile rotundata auf Sedum acre

Links: Ein Männchen von Anthidium oblongatum (Spalten-Wollbiene) sonnt sich auf einem Kiesel des Flachdachs. Rechts: Ein Weibchen von Megachile rotundata (Luzerne-Blattschneiderbiene) verköstigt sich mit Nektar am Scharfen Mauerpfeffer (Sedum acre).

Coelioxys echinata Männchen

Zu meiner großen Überraschung entdeckte ich auf dem Flachdach ein Männchen der Kegelbienenart Coelioxys echinata. Dies ist der erste Nachweis im Naturraum »Schönbuch und Glemswald«, den ich seit 35 Jahren durchforsche. Den Wirt dieser Kuckucksbiene, Megachile rotundata, hatte ich nur wenige Minuten vorher fotografiert. Daher muß die Wirtsbiene bereits 2008 im Umfeld des Flachdachs genistet haben.


Im Verlauf meiner drei Begehungen konnte ich insgesamt 13 Bienenarten nachweisen, die nachfolgend aufgelistet sind. Die Halictus- und Lasioglossum-Arten nisten in selbstgegrabenen Hohlräumen im Boden und sind mir aus dem nahegelegenen Botanischen Garten bekannt. Trotz ihrer teils geringen Größe sind sie in der Lage, auf die Flachdächer zu fliegen.

Hylaeus nigritus Coelioxys echinata
Halictus tumulorum Bombus humilis
Lasioglossum calceatum Bombus hortorum
Lasioglossum malachurum Bombus lapidarius
Lasioglossum nitidulum Bombus lucorum
Anthidium oblongatum Bombus pascuorum
Megachile rotundata  

Mit Ausnahme dreier Hummelarten (Bombus humilis, B. lucorum, B. pascuorum) sind alle anderen nachgewiesenen Arten in der folgenden Bildergalerie enthalten.

  • Anthidium oblongatum
    Ein Männchen von Anthidium oblongatum auf einem Kiesel.
  • Anthidium oblongatum
    Ein Männchen von Anthidium oblongatum sonnt sich auf einem Kiesel des Flachdachs. Im Verlauf meiner Beobachtungen kam es immer wieder an die gleiche Stelle zurück, ein Verhalten, das die Männchen vieler Bienenarten zeigen, wenn sie sich sonnen.
  • Megachile rotundata
    Ein frisch geschlüpftes Weibchen von Megachile rotundata verköstigt sich mit Nektar in den Blüten des Scharfen Mauerpfeffers.
  • Megachile rotundata
  • Megachile rotundata
    Auf diesem Foto sieht man die charakteristische weiße Bauchbürste des Weibchens und die relativ dichten weißen Endbinden auf den Tergiten (Rückensegmenten).
  • Megachile rotundata
    Auch das Weibchen dieser Blattschneiderbiene hat sich zwischen seinen Blütenbesuchen immer wieder auf einem Kiesel gesonnt.
  • Coelioxys echinata
    Belegfoto des Erstnachweises von Coelioxys echinata (= Coelioxys rufocaudata) (Männchen) im Naturraum »Schönbuch-Glemswald«, in dem Tübingen liegt.
  • Halictus tumulorum
    Auch der Ysop wurde als Pollenquelle genutzt. Halictus tumulorum sammelt hier den weißen Ysop-Pollen.
  • Lasioglossum malachurum
    Zwar inspizierte Lasioglossum malachurum die Ysop-Blüten, sammelt jedoch während der kurzen Beobachtungszeit keinen Pollen. Der gelbe Pollen in der Transportbehaarung dürfte vom Scharfen Mauerpfeffer stammen. Diese Bienenart nistet in der Nähe des Gebäudes auf einem Erdweg.
  • Lasioglossum nitidulum
    Ein Weibchen der grünschillernden Schmalbienenart Lasioglossum nitidulum versuchte, in einer Blüte des Leinkrauts (Linum vulgare) den verborgenen Pollen zu sammeln. Ob es dabei erfolgreich war, konnte ich nicht klären, da es kurz nach der Aufnahme wegflog.
  • Hylaeus nigritus
    Ein durch sein elfenbeinfarbenes Gesicht gut kenntliches Männchen von Hylaeus nigritus sonnte sich längere Zeit auf einer Nelkenblüte. Auf dem Flachdach findet die auf Korbblütler spezialisierte Art allerdings keine geeigneten Pollenquellen.
  • Bombus hortorum
    Der Wundklee wurde von zahlreichen Hummeln mehrerer Arten als Nektar- und als Pollenquelle genutzt.
  • Bombus lapidarius
    Besonders häufig sah ich die Arbeiterinnen der Steinhummel beim Pollensammeln am Scharfen Mauerpfeffer.
 

Die hier mitgeteilten Beobachtungen bestätigen frühere Untersuchungen, daß begrünte Flachdächer im Siedlungsbereich von einigen Wildbienenarten als Nahrungsraum genutzt werden. Das Angebot an Pflanzenarten ist allerdings aufgrund der extremen Standortverhältnisse begrenzt. Auch wenn zu gewissen Zeiten (Juni, Juli) das Blütenangebot für einige, meist häufige Arten attraktiv ist und ein begrüntes immer besser ist als ein reines Kiesdach, so sind begrünte Flachdächer kein Ersatz für Trockenrasen oder Magerwiesen!

Zurück zur Übersicht

Nächste Seite

 Seitenfang