Eupatorium cannabinum (Wasserdost) als Pollenquelle der Sandbiene Andrena flavipes
1. August 2008
Schon seit 10 Jahren blüht alljährlich im Juli und August in meinem Garten ein prächtiges Exemplar des Gewöhnlichen Wasserdosts (Eupatorium cannabinum). Dessen Blüten und Besuchern habe ich in diesen Tagen meine besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Gewöhnlicher Wasserdost (Eupatorium cannabinum) in meinem Garten.
Auffällig viele Besucher
Auffällig viele Blütenbesucher aus verschiedenen Insektenordnungen nutzen das reiche Blütenangebot. Bei trockenem Wetter lassen sich problemlos zwanzig bis dreißig verschiedene Arten von Fliegen unterscheiden, unter denen Schwebfliegen einen hohen Anteil haben. Regelmäßig verköstigen sich auch verschiedene Tagfalter mit Nektar. Weil diese so häufig zu beobachten sind und sie der Nektar aufgrund der Verengung der nektarführenden Kronröhre für sie gut zugänglich ist, zählt Kirchner (1911: 352) den Wasserdost zu den Tagfalterblumen. Was die Hautflügler (Hymenoptera) betrifft, so kann man oft sowohl Arbeiterinnen als auch Männchen verschiedener Hummelarten beim Nektartrinken antreffen. Auch Knuth (1898) führt neben Halictus-Arten auch Hummeln als Blütenbesucher auf, gibt aber nicht die Zwecke des Blütenbesuchs an. Honigbienen, die Nektar oder auch Pollen sammeln, sieht man ebenfalls häufig. Immer wieder sah ich auch Grabwespen (Cerceris rybyensis) und Faltenwespen (Polistes dominulus). Hornissen gehen hier oft erfolgreich auf Jagd.
Blütenbau und Bestäubung
Jedes Köpfchen des zu den Korbblütlern (Asteraceae) zählenden Wasserdosts enthält 4–5 trübrötliche Blüten. Da mehrere hundert Köpfchen zu dichten, doldenrispigen Blütenständen zusammengefaßt sind, sind sie sehr auffällig. Dies wird noch durch die weit herausragenden weißen Griffeläste und die Umrandung der rötlichen Hüllblatter betont. Im ersten (männlichen) Blütenzustand befindet sich der mit Narbenpapillen besetzte Teil des Griffels noch in der Kronröhre. Nur die mit Fegehaaren besetzten oberen drei Viertel der Griffeläste ragen frei hervor. Die an den Fegehaaren haftenden Pollenkörner können von Insekten abgestreift werden. Im weiblichen Blütenzustand treten auch die unteren Teil der Griffeläste aus dem Kronglöckchen hervor, sodaß am Nektar interessierte Insekten die Narben berühren müssen (Knuth 1898). Fremdbestäubung ist dadurch gesichert, ebenso gut ist aber Selbstbestäubung möglich, wenn die Fegehaare noch mit Pollen behaftet sind, wenn die unteren Teile der Griffel hervortreten. Fremdbestäubung ist bei ausbleibendem Insektenbesuch auch dann möglich, wenn sich die Griffeläste so weit auseinanderspreizen, daß sie die Narben benachbarter Blüten berühren. Dies nennt man Geitogamie.
1. Ein vierblütiges Köpfchen im männlichen Zustand.
2. Eine einzelne Blüte im weiblichen Zustand. Jeder Griffelast ist von a bis
b an jedem der beiden Ränder mit einem Streifen Narbenpapillen, von b bis c ringsum
mit Fegehaaren besetzt (aus Knuth 1898: 571).
Andrena flavipes als Pollensammlerin
Zwar sind immer wieder Honigbienen als Pollensammler zu finden, jedoch habe ich bislang noch keine pollensammelnde Wildbiene am Wasserdost beobachtet, vielleicht, weil ich bislang noch nie so richtig darauf geachtet habe. Heute jedoch fielen mir drei Weibchen der weitverbreiteten Sandbiene Andrena flavipes* auf, die während des gesamten Tages eifrig den weißen Pollen des Wasserdosts sammelten. Unterscheiden konnte ich die drei zur 2. Generation gehörenden Weibchen anhand ihres »Erhaltungszustandes«, vor allem an den mehr oder weniger abgeriebenen Endbinden der Tergite.
Dieses Weibchen von Andrena flavipes hat
schon einiges von dem weißen Wasserdost-Pollen gesammelt und in seinen
Transporteinrichtungen gespeichert.
(Zusätzlich zur Beobachtung hat die mikroskopische Pollenanalyse die Herkunft
des Pollens bestätigt, der zur Gruppe der Helianthus- oder Sonnenblumen-Form
gehört.)
Das obere Weibchen von hinten betrachtet. Hier ist gut erkennbar,
daß der Pollen außer in der Schienenbürste (Scopa) auch
in der Haarlocke des Hinterschenkels (Femur) gespeichert wird.
Diesem Weibchen fehlen die typischen
Endbinden der Rückensegmente (Tergite) des Hinterleibs. Letztere sind bei
dem oberen Tier noch erhalten. Dies erschwert Unerfahrenen
die Bestimmung. Die Pollenspeicher sind
bereits stark mit weißem Wasserdost-Pollen gefüllt.
Sehr gut zu sehen ist auch, daß der Pollen
außer
in der Scopa und den Haarlocken des Femurs auch in den Haaren des hinteren
Teils des Thorax (Stutz) gespeichert wird. Dadurch kann diese Sandbiene auf einem
Sammelflug besonders viel Pollen sammeln.
Die Pollenspeicher dieses Weibchen sind mit leuchtend gelbem Pollen gefüllt. DIeser kann demnach nicht vom Wasserdost stammen. Tatsächlich hat das Weibchen vorher wenige Meter entfernt an meinem Bestand des Bitterkrauts (Picris hieracioides) gesammelt und besucht den Wasserdost offensichtlich nur, um vor dem Heimflug noch einmal Nektar zu trinken. Dieses Weibchen ist schon ziemlich »abgeflogen«, wie es im Fachjargon heißt. Seine Flügelränder sind schon stark ausgefranst. Die Aufnahme entstand um 10:38h und damit zu einer Tageszeit, in der die Köpfchen des Bitterkrauts noch geöffnet sind.
Es ist nicht überraschend, daß ausgerechnet Andrena flavipes Wasserdost als Pollenquelle zu nutzen vermag, gehört diese Sandbiene doch zu den polylektischen Bienenarten mit einer besonders großen Flexibilität beim Pollensammeln.
Weitere Wildbienen als Blütenbesucher
Andere Arten, die ich beobachtet habe, sind in nachfolgender kleiner Diaschau zusammengestellt und erläutert. Bitte mit der Maus über ein Bild fahren und durch Klicken auswählen.
Mehrfach sah ich sowohl Männchen als auch Weibchen der 2. Generation der häufigen Maskenbiene Hylaeus communis beim Besuch, konnte aber nicht klar erkennen, ob die Weibchen auch Pollen sammelten. Die Männchen suchten die Blütenstände nach paarungsbereiten Weibchen ab.
Nur wenige Meter entfernt vom Wasserdost nistet die grün-metallisch schimmernde Schmalbiene Lasioglossum nitidulum in meiner künstlichen Lößwand. Die Männchen mit ihren langen Antennen besuchen regelmäßig und in größerer Anzahl den Wasserdost.
Eine Arbeiterin der unscheinbaren Schmalbiene Lasioglossum pauxillum beim Pollensammeln.
Zahlreiche Männchen besuchten die Blütenstände. Wie viele andere Männchen in der Gattung Lasioglossum zeichnet sich auch Lasioglossum pauxillum durch längere Antennen aus. Im Feld sind sie nicht oder nur im Einzelfall und dann auch nur mit viel Erfahrung und Kenntnis der lokalen Fauna voneinander zu unterscheiden.
Fast täglich sah ich die Männchen von Erdhummeln (Bombus-lucorum-Gruppe), die meist von dem weißen Wasserdost-Pollen ganz bestäubt waren.
Arbeiterinnen der Bombus-lucorum-Gruppe sah ich nur beim Nektarsammeln.
Literatur:
Kirchner, O. (1911): Blumen und Insekten. 436 S.; Leipzig.
Knuth, P. (1898): Handbuch der Blütenbiologie. II. Band, 1. Teil. 697 S.; Leipzig.
* Über die häufige Andrena flavipes habe ich schon mehrfach berichtet. Die Suchfunktion meiner Website liefert die entsprechenden Seiten, wenn man in das Suchfeld "Andrena flavipes" eingibt.


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