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Lebensraum Magerrasen

Wildbienen an einem Waldrand -1-

10. März 2007

Am 9. und 10. März 2007 habe ich einen Waldrand in der Nähe Tübingens aufgesucht, der mir schon seit über 30 Jahren bekannt ist. Um seine heutige Bienenfauna zu erfassen und eventuelle Veränderungen und die dafür maßgeblichen Gründe zu ermitteln, möchte ich diesen Lebensraum in diesem Jahr regelmäßig begehen.

Bienenlebensraum Waldrand

An dem Waldrand wurden im vergangenen Winter beschattende Gehölze beseitigt. Der hier anstehende Löß bietet vielen erdnistenden Bienenarten günstige Nistgelegenheiten.


Salix caprea - Salweide

Folgende Arten waren am 9. und 10. März bereits aktiv:

  • Andrena bicolor
  • Andrena clarkella
  • Andrena fulva
  • Andrena helvola
  • Lasioglossum fulvicorne
  • Nomada leucophthalma
  • Bombus pratorum
  • Bombus terrestris

Andrena clarkella Weibchen

Die Sandbienen-Art Andrena clarkella gehört zu den in manchen Jahren bereits Ende Februar erscheinenden Bienenarten. Ihr bevorzugter Lebensraum sind lichte Wälder und Waldränder, wo sie an unbewachsenen Stellen in der Erde nistet. Die Brutzellen werden ausschließlich mit dem Pollen von männlichen Weiden, insbesondere Salweiden (oberes Bild) verproviantiert.


Nomada leucophthalma Weibchen

Die Wespenbienen-Art Nomada leucophthalma, hier das sich auf einem Buchenblatt sonnende Weibchen, schmarotzt bei Andrena clarkella und nah verwandten Andrena-Arten. Sie wird meist nur am Nistplatz ihrer Wirte gefunden und mag daher als seltener gelten als sie es tatsächlich ist.


Lasioglossum fulvicorne Weibchen

Die Schmalbiene Lasioglossum fulvicorne, hier ein Weibchen, ist eine nur 6-7 mm große, recht unscheinbare Art, die außer am Waldrand auch in anderen Lebensräumen erfolgreich siedeln kann. Im Frühling sind nur Weibchen zu beobachten, die im Vorjahr begattet wurden und überwintert haben. Männchen werden erst im Hochsommer erzeugt.


Andrena fulva Weibchen

Ein Weibchen der Fuchsroten Sandbiene Andrena fulva hat bereits damit begonnen, in der Erde einen Gang für das Nest zu graben. Diese hübsche Art ist auch in unseren Gärten regelmäßig zu beobachten, wo sie vor allem die Stachel- und Johannisbeeren besucht (und bestäubt).


Andrena helvola - stylopisiertes Weibchen

Dieses Weibchen der Sandbienen-Art Andrena helvola ist vor ihren weiblichen und männlichen Artgenossen aus dem vorjährigen Nest geschlüpft. Ursache dieses Verhaltens ist ein Fächerflügler, der die Biene befallen hatte. Eine kurze Darstellung der Insektenordnung der Strepsiptera, zu der dieser Parasit gehört, und ein Foto des Abdomens der Sandbiene mit ihrem Parasiten finden sich auf dieser Seite.

Eine Königin der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) war vor allem beim Blütenbesuch auf einer Salweide zu beobachten, während eine Königin der Kleinen Waldhummel (Bombus pratorum) bereits am Waldrand auf Nistplatzsuche war.
Die Zweifarbige Sandbiene Andrena bicolor wurde bereits im vergangenen Jahr auf dieser Seite bildlich dargestellt.


Eine Anmerkung zur Verwendung der deutschen Namen für bestimmte Hummeln.
Warum »Kleine Waldhummel« und nicht »Wiesenhummel« als deutscher Name für Bombus pratorum? Als Linné diese kleine Hummelart beschrieb und ihr als erster einen bis heute gültigen Namen gab, nahm er wohl an, daß die Art vor allem auf Wiesen lebt (lateinisch pratum = Wiese). Ihr Hauptlebensraum sind aber gehölzdominierte Lebensräume, während der meist unter dem deutschen Namen »Waldhummel« geführte Art Bombus sylvarum gerade nicht im Wald zu finden ist, sondern eine besonders charakteristische Offenlandsart ist. Sollen deutsche Namen sinnvoll sein, dann sollten sie eine Art, soweit als in einem Namen überhaupt möglich, auch richtig charakterisieren und nicht durch einfache Übersetzung des wissenschaftlichen Namens falsche Vorstellungen vermitteln. Deshalb bevorzuge ich also für den im Wald und sonstigen baumreichen Lebensräumen lebenden Bombus pratorum »Kleine Waldhummel« und für den auf Wiesen und Magerrasen lebenden Bombus sylvarum wegen der schönen Färbung »Bunthummel« (Der Gattungsname Bombus ist übrigens männlich, daher der männliche Artikel). Verbindlich und eindeutig ist aber ohnehin nur der wissenschaftliche Name, ohne dessen Kenntnis und korrekte Anwendung eine Verständigung über Sprachgrenzen hinweg nicht möglich ist. (Zur Nomenklatur allgemein siehe auch die Erläuterungen auf dieser Seite)

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