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Lebensraum Magerrasen

Verteidigung

Zahlreiche Bienen verteidigen ihre Nester gegenüber eindringenden Insekten, z.B. Nestkonkurrenten der eigenen Art oder Räubern und Parasiten.

Gegenüber Menschen zeigen unter den heimischen Arten lediglich die Honigbiene und wenige Hummelarten wie Bombus hypnorum und Bombus terrestris ein Verteidigungsverhalten im Nestbereich. Die übrigen Bienen einschließlich der staatenbildenden Schmalbienen (Lasioglossum) verteidigen ihre Brut nicht, selbst wenn man sich an Stellen aufhält, wo Tausende von Weibchen dicht beieinander nisten.

Zur Verteidigung wird meist der Stachel eingesetzt, der ein Kennzeichen fast aller Stechimmen (Name!) (Hymenoptera Aculeata) ist. (Die Stachellosen Bienen der Tropen verteidigen sich durch Bisse oder durch die Abgabe von Sekreten.) Stammesgeschichtlich leitet sich der Stachel, den nur die Weibchen besitzen, aus einem Organ zur Eiablage ("Legebohrer") ab. Bei den Grab‑, Weg‑ und Faltenwespen dient der Giftstachel in erster Linie zur Lähmung ihrer Beutetiere. Bei den blütenbesuchenden Bienen hat er diese Funktion jedoch eingebüßt und dient nur noch als Waffe zur individuellen Verteidigung oder der Brut bzw. Futtervorräte. Während Honigbienen und manche Hummelarten in der Nähe des Nestes einen Störenfried gezielt angreifen und zu vertreiben versuchen, kommt es bei den anderen heimischen Bienen nur dann zu einem Stich, wenn sich die Weibchen individuell bedroht fühlen, z.B. wenn man die Tiere zwischen den Fingern drückt, mit bloßen Füßen auf sie tritt oder sie zwischen Bekleidung und Haut geraten. Während die Stiche von Honigbienen wie die der staatenbildenden Wespen wegen ihrer Schmerz und Schwellungen erzeugenden Wirkung gefürchtet sind, verursachen die Stiche der meisten Wildbienen mit Ausnahme der Hummeln nur einen geringen und nur wenige Minuten anhaltenden Schmerz. Zudem ist der Stich harmlos, es sei denn die gestochene Person ist spezifisch allergisch, ein allerdings seltener Fall. Bei vielen Wildbienen, z.B. bei den Maskenbienen (Hylaeus) und den Sandbienen (Andrena), ist der Stachel so schwach, daß damit die menschliche Haut nicht durchdrungen werden kann. Selbst bei jahrelanger intensiver Beschäftigung mit Wildbienen kommt es nur selten zu einem Stich, in der Regel nur dann, wenn man die Weibchen mit den Fingern festhält, z.B. um sie für Beobachtungszwecke zu markieren oder um den Pollen für Untersuchungen abzunehmen.

Der Stachel von Honigbienen, Hummeln und anderer Stechimmen hat kleine Widerhaken. Während jedoch Wespen und Wildbienen ihren Stachel nach dem Stich wieder aus der Haut herausziehen und mehrmals zustechen können, bleibt der Stechapparat der Honigbienen‑Arbeiterin hängen, reißt aus dem Bienenkörper heraus und pumpt selbständig die gesamte Giftmenge in die Einstichstelle. Eine Honigbiene kann deshalb in der Regel nur einmal stechen und stirbt an den Verletzungen, die durch das Herausreißen des Stachels im Hinterleib entstehen. Die Hummeln und die übrigen Bienen können mehrfach stechen, nehmen dadurch aber keinen Schaden. Dieser Unterschied im Stechvorgang beruht auf einer verschiedenartigen Ausbildung der Muskulatur und nicht, wie oft angenommen, auf unterschiedlich großen Widerhaken am Stachel dieser Hautflügler.

 

 

 

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