Zwei neue Wildblumen-Mischungen

Attraktiv – nicht nur für Wildbienen

Um dem zunehmenden Nahrungsmangel zumindest im Siedlungsbereich etwas abzuhelfen, habe ich in Zusammenarbeit mit dem Diplombiologen Bernd Dittrich (Kräutergärtnerei Syringa, Binningen im Hegau) zwei Mischungen entwickelt, die nicht nur farblich attraktiv und teilweise von ästhetischen Wert sind, sondern in besonderem Maße die Ansprüche vieler Wildbienenarten an ihre Pollenquellen berücksichtigen.

Darin enthaltene Pflanzenarten fördern vor allem die Pollenspezialisten unter den Wildbienen!

Deren Abhängigkeit von bestimmten Pflanzen ist so groß, daß z. B. ohne bestimmte Glockenblumen die Glockenblumen-Scherenbiene keine Nachkommen erzeugen kann. Selbstverständlich profitieren davon auch die Arten, die weniger spezialisiert sind. Daher können die meisten der in den Mischungen enthaltenen Pflanzenarten auch von Honigbienen als Nektar- und/oder als Pollenquelle genutzt werden. Allerdings bevorzugen Honigbienen eher sogenannte Massentrachten, also große Blumenmengen der gleichen Pflanzenart (Raps, Senf, Ölrettich, blühende Bäume etc.) an ein und demselben Ort.

Den für Wildbienen attraktiven Pollenquellen wurden sechs Arten hinzugefügt, die einen höheren Schauwert (Blütenform und -farbe) haben. Schließlich gibt es aktuell Mischungen (»Mössinger Sommer«), die vor allem wegen ihrer Buntheit gekauft und ausgesät werden, aber für Wildbienen fast wertlos sind.

Wildblumenmischung 13
Wildblumenmischung 13

Wildblumenmischung mit einjährigen Arten.

Wildblumenmischung 13
Wildblumenmischung 13

Wildblumenmischung mit ein-, zwei- und mehrjährigen Arten.

Wo aussäen?

Die käuflichen Wildblumenmischungen sind sowohl für die Aussaat im Hausgarten, als auch für Blühstreifen und -flächen in Dörfern und Städten gedacht. Aussaaten in der freien Landschaft sollten mit der Naturschutzbehörde besprochen und abgestimmt werden, um eventuelle Konflikte mit anderen Naturschutzzielen zu vermeiden.

Während der Blütezeit können hier vielfältige Beobachtungen des Brutfürsorgeverhaltens, vor allem des Pollensammelns vieler heimischer Bildbienenarten angestellt werden. Einige der hier anzutreffenden Wildbienen nehmen sehr gerne Nisthilfen der unterschiedlichen Typen an (Bohrungen in Holzblöcken, Schilfhalme, Pflanzenstengel, Totholz, Steilwände). Die Aussaat unserer Mischungen in der Nähe entsprechender Nistgelegenheiten ermöglicht daher im Garten, aber auch in der Schule, vielfältige Beobachtungen der Brutfürsorge von Wildbienen und trägt bei Kindern viel zum Verständnis ökologischer Zusammenhänge bei. Die beste Nisthilfe nützt nichts, wenn in der Umgebung nicht ein ein den Ansprüchen der Besiedler gerechtwerdendes Pollenangebot blüht. Mit einer reichen Flora im Garten kann man auch viel mehr für die Förderung von Wildbienen tun als mit Nisthilfen, die vor allem der Beobachtung dienen.

Wie sind die Wildblumenmischungen zusammengesetzt?

Die in den Mischungen enthaltenen Arten sind entweder Ackerwildkräuter oder wachsen an Wegrändern, auf Böschungen, in Schuttfluren oder in Sand- und Kalkmagerrasen. Fast alle sind mehr oder weniger Pioniere auf offenen, meist durch den Menschen geschaffenen Standorten oder kommen natürlicherweise auf Fels- und Schuttfluren vor.

Einjährige (annuelle) Pflanzen durchlaufen ihr Wachstum in einer Vegetationsperiode (Frühjahr bis Herbst), d.h. in dieser Zeit keimen sie, wachsen, blühen, fruchten und sterben dann ab. Zweijährige (biannuelle) Pflanzen sind krautige Pflanzen, die von der Keimung bis zur Samenbildung zwei Vegetationsperioden benötigen.

Die Mischungen enthalten einheimische und eingebürgerte Sippen, aber keine, die als invasiv gelten (vgl.  www.bayernflora.de Externer Link Abruf 21. April 2013)

Wegerichblättriger Natterkopf (Echium plantagineum) und Weiße Resede ( Reseda alba) stammen aus dem Mittelmeerraum und sind in Deutschland unbeständig. Sie werden deshalb nur für den Siedlungsbereich empfohlen. Echium plantagineum ist nicht winterhart.

Hier finden Sie eine Zusammenstellung der Pflanzenarten mit jeweiligen Angaben zu den besonders geförderten Wildbienen.

Die folgende Galerie zeigt einige der in den Mischungen enthaltene Pflanzenarten und deren Nutznießer. [Zum Start der Galerie auf eines der Vorschaubilder klicken.]

  • Anthemis arvensis
    Acker-Hundskamille (Anthemis arvensis)
  • Anthemis tinctoria, Colletes similis
    Ein Weibchen der Rainfarn-Seidenbiene (Colletes similis) sammelt Pollen auf der Färberkamille (Anthemis tinctoria).
  • Berteroa incana
    Graukresse (Berteroa incana)
  • Campanula patula
    Wiesen-Glockenblume (Campanula patula)
  • Campanula patula, Andrena pandellei
    Ein Weibchen der Grauschuppigen Sandbiene (Andrena pandellei) beim Blütenbesuch an der Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), ihrer wichtigsten Pollenquelle.
  • Campanula rapunculus
    Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus)
  • Campanula rapunculus, Andrena bicolor
    Ein Weibchen der Zweifarbigen Sandbiene (Andrena bicolor) sammelt Pollen in der Blüte der Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus).
  • Campanula rapunculus, Lasioglossum costulatum
    Ein Weibchen der Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum) sammelt den weißen Pollen der Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus).
  • Centaurea cyanus
    Kornblume (Centaurea cyanus)
  • Centaurea stoebe, Halictus pollinosus
    Ein Weibchen der Puder-Furchenbiene (Halictus pollinosus) sammelt Pollen an der Rispen-Flockenblume (Centaurea stoebe).
  • Cichorium intybus
    Wegwarte (Cichorium intybus)
  • Cichorium intybus, Dasypoda hirtipes
    Ein Weibchen der Braunbürstigen Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) sammelt den weißen Pollen der Wegwarte (Cichorium intybus) und transportiert ihn in auffälligen Haarbürsten der Hinterbeine.
  • Crepis capillaris
    Grüner Pippau (Crepis capillaris)
  • Vaccaria hispanica
    Kuhkraut (Vaccaria hispanica)
  • Daucus carota
    Wilde Möhre (Daucus carota)
  • Echium plantagineum
    Wegerichblättriger Natterkopf (Echium plantagineum), ein aus dem Mittelmeerraum stammendes Boretschgewächs, das von Wildbienen genauso intensiv genutzt wird wie der Gewöhnliche Natterkopf. In Deutschland ist die Art unbeständig.
  • Echium vulgare
    Gewöhnlicher Natterkopf (Echium vulgare)
  • Isatis tinctoria
    Färber-Waid (Isatis tinctoria)
  • Isatis tinctoria, Andrena flavipes
    Ein Weibchen der Gelbfüßigen Sandbiene (Andrena flavipes) sammelt Pollen im Blütenstand des Färber-Waids (Isatis tinctoria).
  • Matricaria inodora
    Geruchlose Kamille (Matricaria inodora)
  • Matricaria inodora, Lasioglossum calceatum
    Ein Weibchen der Gewöhnlichen Schmalbiene (Lasioglossum calceatum) sammelt Pollen auf Geruchloser Kamille (Matricaria inodora).
  • Orlaya grandiflora
    Großblütige Strahldolde (Orlaya grandiflora)
  • Papaver rhoeas
    Klatsch-Mohn (Papaver rhoeas)
  • Papaver rhoeas, Halictus scabiosae
    Ein Weibchen der Braunbindigen Furchenbiene (Halictus scabiosae) sammelt Pollen in der Blüte des Klatsch.Mohn (Papaver rhoeas).
  • Picris hieracioides, Cupido argiades
    Auch Tagfalter besuchen gerne viele der in der Mischung enthaltene Arten. Hier saugt der Kurzschwänzige Bläuling Nektar am Gewöhnlichen Bitterkraut (Picris hieracioides).
  • Picris hieracioides, Halictus scabiosae
    Ein Weibchen der Braunbindigen Furchenbiene (Halictus scabiosae) im Blütenstand des Gewöhnlichen Bitterkrauts (Picris hieracioides).
  • Picris hieracioides, Osmia truncorum
    Ein Weibchen der Gewöhnlichen Löcherbiene (Osmia truncorum) sammelt den gelben Pollen des Gewöhnlichen Bitterkrauts (Picris hieracioides).
  • Raphanus raphanistrum
    Hederich (Raphanus raphanistrum)
  • Reseda alba
    Weiße Resede (Reseda alba), eine aus dem Mittelmeerraum stammende Pflanze, die früher vielfach in Bauerngärten kultiviert wurde. In Deutschland ist die Art unbeständig.
  • Reseda alba, Andrena nigroaenea
    Ein Weibchen der Sandbienenart Andrena nigroaenea sammelt Pollen an der Weißen Resede (Reseda alba). Diese Sandbiene nutzt Reseden besonders gerne.
  • Reseda luteola
    Färber-Resede (Reseda luteola)
  • Sinapis alba
    Gelbsenf (Sinapis alba)
  • Sinapis arvensis, Lasioglossum marginellum
    Ein Weibchen der extrem seltenen Schmalbienen-Art Lasioglossum marginellum sammelt Pollen in einer Blüte des Acker-Senfs (Sinapis arvensis).
  • Sinapis arvensis, Andrena agilissima
    Ein Weibchen der Blauschillernden Sandbiene (Andrena agilissima) sammelt den hellgelben Pollen des Ackersenfs (Sinapis arvensis).
  • Tragopodon pratensis
    Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis)
  • Tragopogon pratensis, Andrena fulvago
    Ein Weibchen der Pippau-Sandbiene (Andrena fulvago) im Blütenstand des Wiesen-Bocksbarts (Tragopogon pratensis).
  • Silene Armeria
    Nelken-Leimkraut (Silene armeria). (Foto: SPHL, Creative Commons Attribution-Share).
 

Wie säen und pflegen?

Saatzeit
Die beste Saatzeit für die Einjährigen-Mischung Nr. 12 ist ab Anfang März, sobald der Boden soweit abgetrocknet ist, daß eine Bodenbearbeitung möglich ist. Zu empfehlen ist ein Umgraben bereits im Herbst. Ab Mitte Mai sollte diese Mischung nicht mehr ausgesät werden, weil die verbleibende Zeit der Vegetationsperiode für eine Vollblüte nicht mehr ausreicht.
Ab Mitte Mai bis in den September kann die Zweijährigen-Mischung gesät werden. Abhängig vom Zeitpunkt der Aussaat kommen hierbei unterschiedliche Arten zur Entwicklung und im nächsten Jahr zur Blüte. Sät man zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf verschiedenen Flächen aus, fördert man eine größere Vielfalt auf der Gesamtfläche. Früher ausgesäte Arten (z.B. Gewöhnlicher Natterkopf, Färber-Resede) entwickeln größere Rosetten. Bei einer späten Aussaat keimen auch solche einjährige Arten, die als Jungpflanze den Winter überdauern und im nächsten Jahr blühen (z.B. Kornblume, Klatschmohn).

Bodenvorbereitung
Der Boden sollte möglichst locker und unkrautfrei sein. Ist er feinkrümelig und gut planiert, können die Samen besser keimen. Samen nur auf offene Böden ausbringen. Aussaaten in bestehende Rasen oder Wiesen funktionieren nicht.

Aussaat
Mit dem Rechen eine Feinplanie herstellen. Zur besseren Verteilung des Saatguts die Aussaatmenge mit Sand im Verhältnis 1:2 oder 1:3 strecken. Es ist wichtig, die Einsaatfläche anschließend zu walzen oder mit einem Brett am Fuß anzudrücken.

Pflege der Aussaat
Unter günstigen Bedingungen keimen die meisten Samen innerhalb von 2 bis 4 Wochen. Während dieser Zeit darf die Fläche nie austrocknen.

Blüte
Etwa 8–12 Wochen nach der Aussaat ist mit dem Blühbeginn zu rechnen. Bei Aussaat Anfang/Mitte März sollte sich etwa Mitte/Ende Mai die Hauptblüte entfalten, die dann ca. 10–12 Wochen anhält. Um den Flor zu verlängern, sind noch Folgesaaten bis Ende April möglich.

Pflege
Es ist keine Pflege nötig, wenn Sie nicht in einen Boden ausgesät haben, der viele Samen unerwünschter Pflanzen enthält. Im Herbst mähen, die trockenen Pflanzen entfernen und die ausgefallenen Samen ein wenig in den Boden einrechen. Ein Großteil der Samen wird bereits im Herbst wieder neu keimen.

Entwicklung
Wurde die Wildblumenmischung Nr.13 ausgesät, so werden im 1. Jahr die einjährigen Arten blühen, während sich die Rosetten der zwei- und mehrjährigen Arten entstehen. Im 2. Jahr blühen dann die zwei- und mehrjährigen Arten, aber auch wieder neu versamte einjährige Arten. Ein Schnitt erfolgt im September des 1. und 2. Jahres.

Besonders zu beachten

Mit den ein- und zweijährigen Pflanzenarten unserer Mischungen lassen sich keine »klassischen« bunten Wiesen (ein- bis zweischürige Heu- und Öhmdwiesen trockener bis frischer Standorte, Feuchtwiesen, Extensivgrünland) schaffen! Sie setzen sich aus anderen, meist ausdauernden Arten zusammen und benötigen eine andere Art der Pflege bzw. Bewirtschaftung. Wo aber die Möglichkeit der Schaffung von artenreichem Dauergrünland mit ihren standörtlichen Besonderheiten besteht, sollte diese unbedingt genutzt werden. Bei richtiger Pflege oder Bewirtschaftung (jährlich ein- bis zweimal gemäht und wenig gedüngt) können solche Wiesen über lange Zeiträume mit einer hohen Artenzahl aufwarten und sind dann für zahlreiche Wildbienenarten, darunter viele Pollenspezialisten, ein attraktiver Nahrungsraum. Aufgrund der unterschiedlichen Ansprüche der Wildbienen an ihre Pollenquellen müssen aus Gründen eines nachhaltigen Artenschutzes in der Agrarlandschaft beide Vegetationstypen vorhanden sein: Kurzlebige Pionierfluren und langlebige Magerwiesen. Es wäre deshalb nicht im Sinne des Wildbienenschutzes, wenn eine Magerwiese oder eine andere für Wildbienen wichtige Fläche (ein Nistplatz zum Beispiel) umgebrochen würde, um eine unserer Mischungen auszusäen.

Wo sind die Wildblumen-Mischungen zu beziehen?

Syringa-Samen
Dipl. Biologe Bernd Dittrich
Bachstr. 7
D 78247 Hilzingen-Binningen
Telefon: 07739-1452
Telefax: 07739-677
E-Mail: info@syringa-samen.de
Website: www.wildbienen-futterpflanzen.de

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Stand: 21. April 2013