Förderung und Beobachtung von Wildbienen am Haus, im Garten und in der Schule
Das Original!
Als ersten Komplex der verschiedenen Aspekte des Schutzes und der Förderung von Wildbienen finden Sie auf den folgenden Seiten detaillierte Informationen darüber, wie man Wildbienen am Haus, im Garten und in der Schule fördern und durch regelmäßige Beobachtungen viel Neues entdecken kann. Die einzelnen Methoden wurden von mir alle praktisch erprobt. Sie beruhen auf Erfahrungen, die ich erstmals 1985 in der Broschüre »Wildbienen-Schutz in Dorf und Stadt« veröffentlicht habe.
Dieses Wildbienenportal und die nachfolgend empfohlenen Maßnahmen sollen dazu beitragen, für die Wildbienen und damit für die Natur im Kleinen Begeisterung zu wecken.
Nur was man kennt, kann man, und was man liebt, will man schützen.
Mit den hier beschriebenen Nisthilfen können vom Frühjahr bis zum Herbst viele verschiedene Beobachtungen angestellt werden. Dies gilt für alle Altersstufen. Kindern bietet sich hier eine besonders gute Möglichkeit nicht nur zu Hause, sondern auch in der Schule faszinierende Phänomene aus allernächster Nähe zu beobachten. Gerade die Beschäftigung mit Wildbienen hilft, wie unzählige Projekttage und meine eigenen Schulungen gezeigt haben, Kinder und Jugendliche für komplexe Beziehungszusammenhänge zu sensibilisieren und ein Bewußtsein eigener Verantwortlichkeit durch das persönliche Betroffensein zu entwickeln.
Die Kinder von heute sind die Wildbienenschützer von morgen!
Mit allen Maßnahmen der Förderung von Wildbienen verbessern wir gleichzeitig auch die Lebensbedingungen vieler anderer Insekten. Von unseren Nisthilfen und dem besseren Nahrungsangebot profitieren z.B. auch verschiedenste Arten der
- Grabwespen (Sphecidae)
- Wegwespen (Pompilidae)
- Faltenwespen (Eumenidae)
- Schlupfwespen (Ichneumonidae)
- Schmalbauchwespen (Gasteruptionidae)
- Erzwespen (Torymidae, Eurotymidae, Leucospididae, Eulophidae)
- Goldwespen (Chrysididae)
zur Fotogalerie - Keulenwespen (Sapygidae)
- Käfer (u.a. Melioidae, Cleridae) und
- Fliegen (u.a. Bombyliidae, Conopidae, Drosophilidae)
Die folgende Zusammenstellung zeigt beispielhaft einige Arten der
vorstehend aufgeführten Gruppen, die an Nisthilfen mehr oder weniger regelmäßig
zu beobachten sind. Dabei handelt es sich sowohl um nestbauende Arten als auch
um deren Gegenspieler, z.B. Futterschmarotzer.
[Bitte auf ein Vorschaubild klicken.]
Die recht unscheinbare, schwarz-glänzende Grabwespen-Art Passaloecus eremita zeigt eine starke Bindung an Kiefern, wo man die Nester leicht in den Verpuppungsräumen einer Blattwespe in der Kiefernrinde findet. Sie nutzt aber auch die Fraßgänge von Anobien (»Holzwürmern«) in totem Holz und nimmt Bohrungen mit einem Durchmesser von 3-4 mm in Nisthilfen gern an (vor allem in der Nähe von Waldrändern). Die Nester sind leicht von denen anderer Passaloecus-Arten zu unterscheiden durch die Verwendung von Kiefernharz für den Bau der Zwischenwände und den Nestverschluß. Der frische Nestverschluß ist weißlich und wird nach dem Aushärten matt und gelb. Schon vor Beginn der Verproviantierung des Nestes wird der Nesteingang ringsum mit Harztröpfchen versehen.
Wegwespen jagen Spinnen als Nahrung für ihre Brut. Nur wenige Arten besiedeln auch Nisthilfen. Hierzu gehören Dipogon hircanum, Dipogon nitidum und Auplopus carbonarius. Viele Arten sind lediglich anhand eines Fotos nicht zu bestimmen.
Mehrere Arten solitärer Faltenwespen sind als Besiedler von Bohrungen von Nisthilfen bekannt. Hierzu gehören vor allem Vertreter der Gattungen Ancistrocerus, Euodynerus, Microdynerus und Symmorphus. Als Nahrung für ihre Brut tragen sie gelähmte Larven von Kleinschmetterlingen oder Rüsselkäfern ein. Die hier abgebildete Art nistet vorwiegend in Gängen mit einem Durchmesser von 6 mm. Sie besiedelt sowohl Bambusröhrchen als auch Bohrungen in trockenem Holz. Die Beutetiere sind Kleinschmetterlingsraupen. Ein Weibchen ist gerade dabei, den Pollen aus einem bereits von Osmia bicornis zuvor genutzten Nest auszuräumen, um selbst darin zu nisten.
Diese Schlupfwespe ist ein Parasitoid (Raubparasit) vorwiegend bestimmter Osmia-Arten, insbesondere von Osmia florisomnis und Osmia rapunculi, deren Brutzellen sie an meinen Nisthilfen alljährlich mit Eiern belegt. Auf dem Foto ist zu erkennen, wie der Legebohrer in den Nestgang geführt wird, in dessen Innern sich Zellen von Osmia florisomnis befinden. Wahrscheinlich handelt es sich um die Art Ephialtes manifestator, doch lassen sich die sehr ähnlichen Arten der Gattung Ephialtes auf einem Foto ohne Belegexemplar nicht sicher zuordnen.
Wegen ihrer keulenartig verdickten Hinterschienen werden sie (wenig glücklich) auch Gichtwespen genannt. Der Legebohrer des Weibchens kann je nach Art sehr kurz oder mehr als körperlang sein. Alle Arten der Gattung Gasteruption sind Futterparasiten von Wildbienen. In Mitteleuropa sind die Wirte der 18 Gasteruption-Arten meist Maskenbienen (Hylaeus), aber auch Seidenbienen (Colletes), Löcherbienen (Osmia partim), Mauerbienen (Osmia), Keulhornbienen (Ceratina) und Spiralhornbienen (Systropha). [Die abgebildete Art hat vor der Occipitalleiste am Hinterrand des Kopfes im Gegensatz zu Gasteruption pedemontanum und G. tournieri keine grubenartigen Vertiefungen.]
Diese Hautflügler-Familie enthält nur wenige, verhältnismäßig große, auffällig schwarzgelb gefärbte Arten, die sich durch stark verdickte, bezahnte Hinterschenkel und im weiblichen Geschlecht durch einen über den Rücken des Abdomens nach vorn gebogenen Legebohrer auszeichnen. Aus Deutschland sind bisher vier Arten bekannt. Leucospis dorsigera ist weitverbreitet, wird aber meist nur einzeln beobachtet. Regelmäßig habe ich sie an meinen Nisthilfen festgestellt, wo sie vor allem bei Osmia adunca schmarotzt.
Die prachtvoll rot, blau, grün oder golden metallisch glänzenden Tiere gehören zweifellos zu den schönsten Hautflüglern. Einie Arten sind regelmäßig an Nisthilfen anzutreffen, wenn hier auch ihre Wirte nisten. Zu diesen gehören Grab- und Faltenwespen, aber auch Wildbienen. Die im Foto gezeigte Chrysis austriaca schmarotzt u.a. bei Osmia adunca.
Diese Familie ist in Mitteleuropa nur mit vier Arten verteten. Drei lassen sich regelmäßig auch an Nisthilfen beobachten. Am häufigsten ist die im Foto gezeigte Sapyga clavicornis, die bei Osmia florisomnis als Futterparasit schmarotzt. Die ganz schwarze Sapygina decemguttata lebt bei Osmia truncorum und Osmia crenulata. Sapyga quinquepunctata ist deutlich seltener. Im Bereich unserer Nisthilfen ist meist Osmia caerulescens der Wirt. Die seltenste Art ist Sapyga similis, die vor allem an Waldrändern und im Gebirge vorkommt und u.a. bei Osmia parietina und Osmia inermis schmarotzt.
Trichodes alvearius und Trichodes apiarius, zwei metallisch blau und rot gefleckte Cleriden von 10-16 mm Körpergröße entwickeln sich in Nestern solitärer Wildbienen, vor allem oberirdisch nistender Blattschneider- und Mauerbienen, wo sie die eingetragenen Nahrungsvorräte oder die Brut fressen. Sie heißen daher auch Immenkäfer oder Bienenwölfe (Namensgleichheit mit bestimmten Grabwespen) und können zum Typ des Räubers gerechnet werden. Ihre Larven können lange Hungerperioden überstehen.
Als Adulte sind Wollschweber typische Blütenbesucher, die sich mit Hilfe ihres langen Saugrüssels von Blütennektar ernähren. Ihre Larven leben, soweit bekannt, als Raubparasiten (Parasitoide) vor allem an Larven verschiedener Wildbienen, die sie aussaugen, aber auch an Wespen- oder Käferlarven und anderen Insekten. An Nisthilfen tritt meistens der Trauerschweber (Anthrax anthrax) auf. Vor dem Nesteingang steht das Weibchen im Schwebflug und bewegt sein Abdomen blitzschnell nach unten und nach vorne in Richtung Eingang. Vermutlich wird hierbei das Ei abgelegt. Nach dem Schlüpfen kriecht die Fliegenlarve in eine Brutzelle des Wirtes. Dort wartet sie, bis die Wirtslarve den Futtervorrat verzehrt hat und macht sich dann über sie her.
Die besten Nisthilfen und ein noch so blütenreicher Garten ersparen bzw. ersetzen nicht die Schutzmaßnahmen in der freien Landschaft
Warum? Viele Arten der Wildbienen können aufgrund ganz spezieller ökologischer Ansprüche nicht im Wohnumfeld des Menschen existieren. Arten mit einer Bindung an ganz bestimmte Lebensräume können nur erhalten werden, wenn Trockenrasen, Magerwiesen, Dünen, Sandheiden, Felsfluren und Schilfröhrichte geschützt und sachgerecht gepflegt werden.
Allerdings können wir eine ganze Reihe von Wildbienenarten fördern, indem wir einerseits ihre Nistmöglichkeiten verbessern, was letztlich auf die Nachahmung natürlicher Nistplätze hinausläuft, andererseits das Nahrungsangebot bereichern.
Die Navigation auf der linken Seite bietet Ihnen verschiedenste Möglichkeiten an. Prüfen Sie, ob eine der Möglichkeiten auch von Ihnen umgesetzt werden kann.
Anmerkungen:
Viele der auf den folgenden Seiten gemachten Empfehlungen finden sich
bereits in meinem Grundlagenwerk zum Artenschutzprogramm des Landes Baden-Württemberg
»Die Wildbienen Baden-Württembergs« (Westrich
1989, 1990). Sie sind in veränderter Form auch enthalten in
den Broschüren »Wildbienen-Schutz in Dorf und Stadt« (von
1983 bis 1989 in drei Auflagen erschienen) und »Wildbienen am Haus
und im Garten« (zwei Auflagen von 1997 bis 1999), die von der
Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg
herausgegeben wurden und die die Erstellung der Broschüren finanziell gefördert
hat. Diese sind leider vergriffen und können auch über mich nicht
mehr bezogen werden. Lediglich die zweite Broschüre wurde von
der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg als
PDF zum Download (13,7 MB)
ins
Internet gestellt.
Leider muß ich immer wieder feststellen, daß meine Texte, teils sogar wortwörtlich, von Dritten für »eigene« Dokumente oder für Websites kopiert werden, fast immer ohne jeglichen Hinweis auf die Quelle und natürlich, ohne mich vorher um Erlaubnis zu fragen. Für die Sache selbst wäre dies weniger problematisch, würden nicht eigene oder von anderen Websites übernommene Empfehlungen hinzugefügt werden, die alles andere als sinnvoll sind (siehe die Hinweise auf dieser Seite). Deshalb sei auch an dieser Stelle nochmals deutlich auf folgendes hingewiesen: Alle zu diesem Kapitel gehörigen Seiten, die Texte und sämtliche Fotos bzw. Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Die Seiten dürfen nicht z.B. in Form einer Broschüre zusammengestellt und verteilt werden. Wer dies dennoch wünscht, sollte zuerst mit mir Kontakt aufnehmen. Der Ausdruck einzelner Seiten für den persönlichen Gebrauch ist jedoch erlaubt.


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