Verbesserung der Nistmöglichkeiten -1-
Nisthilfen für Bewohner vorhandener Hohlräume

Am leichtesten und mit größtem Erfolg können wir solchen Arten eine Nistanlage bieten, die vorhandene Hohlräume verschiedenster Form und Größe besiedeln. Die einfachste Möglichkeit besteht darin, Stücke aus Bambusrohr anzubieten, das in Baumärkten oder beim Gartenbedarfs-Handel erhältlich ist. Dazu wird Bambusrohr mit einem Innendurchmesser von 3-10 mm jeweils hinter den Knoten (Verdickungen) so durchgesägt, daß das hintere Ende durch diesen Knoten einen natürlichen Abschluß hat, während das vordere Ende für den Nestbau zugänglich bleibt. Das Mark wird vom Eingang her etwas ausgeräumt. Hierzu verwende ich entweder einen entsprechend langen Bohrer, dessen Bohrweite etwas geringer als die des Bambusröhrchens ist oder ein Stück stärkeren Drahtes. Die 10-20 cm langen Bambusstücke kann man einzeln in die Löcher von Lochziegeln, die es in jedem Baumarkt zu kaufen gibt, stecken. Ebenso kann man sie als Bündel dicht gepackt in Resten von Kunststoff-Rohren oder Konservendosen regensicher unterbringen. Notfalls kann man die fest zusammengeschnürten Bündel auch ohne diesen Schutz aufhängen.
Auf jeden Fall sollten die Bambusröhrchen waagrecht orientiert sein.
In ähnlicher Weise könnte man auch Schilfstengel, Strohhalme oder Pappröhrchen verwenden. Hier besteht aber die Gefahr, daß Meisen oder Spechte während des Winters die relativ dünnen Stengelwände aufhacken und die Brut fressen, es sei denn, die Nester sind in der kalten Jahreszeit mit einem Stück Maschendraht geschützt.
Bambusröhrchen mit Männchen der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta), die schon im März (an besonders warmen Orten manchmal auch schon Ende Februar) schlüpfen und hier auf ihre Weibchen warten.
Acrylglasröhrchen oder Glasröhrchen sind als Nisthilfen nicht zu empfehlen, da sie luftundurchlässig sind und das sich bildende Kondenswasser den Nahrungsvorrat in den Brutzellen leicht verpilzen läßt.
Dies gilt insbesondere bei Arten, die mit Harz bauen (z.B. Löcherbiene Osmia truncorum). Solche Materialien sollten nur in besonderen Fällen und von erfahrenen Personen eingesetzt werden, z.B. zur Untersuchung des Nestbaus, der Eiablage oder Parasitierung. Für Beobachtungszwecke ist es günstiger, in ein Holzstück eine Nut in einer Weise zu fräsen, daß sie etwa zwei Drittel einer Bohrung entspricht. Auf die Seite mit dem fehlenden Drittel klebt man ein Stück Plexiglas, so daß man sowohl einen Einblick gewinnt, als auch das Verpilzen des Pollenvorrats oder der Brut vermeidet. Natürlich sollte die lichtdurchlässige Seite abgedunkelt werden. Wenn wir ein Tier bei der Arbeit beobachten wollen, entfernen wir die Verdunkelung ganz langsam und so, daß kein direktes Sonnenlicht auf den Nistgang fällt. Der beste Zeitpunkt ist in diesem Fall dann, wenn das Tier bereits in den Gang geschlüpft ist. Bei der Verwendung von Acrylglasröhrchen für ganz spezielle Beobachtungzwecke, z. B. für wissenschaftliche Untersuchungen, sollte auf jeden Fall die hintere Öffnung mit Watte verschlossen werden.
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| Links ein »Schaukasten« des Lehrerseminars im Schweizer Kreuzlingen. Auf mehrere übereinander liegende Bohrgänge ist eine Plexiglasplatte montiert, die normalerweise abgedunkelt ist. — Oben ein Plexiglasröhrchen mit einem begonnenen Nest der Luzerne-Blattschneiderbiene (Megachile rotundata). |
Für eine weitere Art von Nisthilfen benötigen wir abgelagertes, entrindetes Hartholz (z.B. Eiche, Buche, Esche), das keinesfalls mit Holzschutzmitteln behandelt sein darf. Nadelholz (Fichte, Tanne, Kiefer) kann nur ein Notbehelf sein, da sich dessen Fasern nach dem Bohren bei Feuchtigkeit wieder aufrichten, die Bienen aber glatte Innenwandungen bevorzugen. Größe und Form des Nistblocks sind unerheblich. Angefangen von etwa ziegelsteingroßen Hartholzresten (von einer Schreinerei, einer Sägerei oder einer Stielfabrik) bis hin zu dicken Ästen, wie man sie im Wald findet oder beim Förster bekommt, kann alles Verwendung finden. In das Holz werden Gänge von 5-10 cm Tiefe und 2-10 mm Durchmesser gebohrt. Empfehlenswert ist die Kombination verschieden großer Gänge in einem Holzstück, doch sollten Bohrweiten von 3-6 mm anteilmäßig überwiegen. Die einzelnen Arten wählen dann die ihrer eigenen Größe entsprechenden Bohrgänge zum Nestbau aus. Wenn bestimmte Arten die Nisthilfen nicht besiedeln, kann dies daran liegen, daß »ihre« Bohrweite nicht vorhanden ist.
Die Holzoberfläche wird nach dem Bohren mit feinem Sandpapier geglättet, damit die Nesteingänge nicht durch eventuell querstehende Fasern versperrt werden.
»Profis« nehmen hierzu einen elektrischen Schwingschleifer. Leider wird gerade das Abschleifen allzu oft vernachlässigt. Das Bohrmehl wird herausgeklopft. Bei Buchenholz und Bohrlöchern weiter als 4 mm kommt es durch Witterungseinflüsse zu Rissen. Gespaltene Gänge werden aber von den Bienen kaum angenommen, weil hier die Gefahr einer Parasitierung viel höher ist. Wer also Buchenholz verwendet, sollte die Bohrgänge nicht zu dicht (Mindestabstand 2 cm) anordnen. Bei Durchmessern von 2-4 mm können die Gänge dicht nebeneinander gesetzt werden. Oft erweist sich außerdem als besser, nicht in das Stirnholz zu bohren, sondern quer zur Holzmaserung.

Mehrere Arten von Nisthilfen (Bambusröhrchen, Strangfalzziegel und Holzblöcke mit Bohrungen) auf einem Holzregal.
Beide Formen von Nisthilfen sollten an einem besonnten Platz angebracht werden, z.B. an der Hauswand, der Pergola, einer Mauer, einem Zaunpfahl oder der Balkonbrüstung und zwar so, daß die Gänge waagrecht orientiert und für die Bienen frei zugänglich sind. Südost- bis südwestexponierte Orte eignen sich am besten, reine Nordexpositionen sind dagegen ungünstig. Die Nisthilfe darf nicht frei hin und her baumeln. Wählt man einen Baum als Anbringungsort, darf sie nicht im Blattwerk oder an einem Ast aufgehängt werden, sondern am besten unmittelbar am Stamm noch unterhalb der Baumkrone (siehe Abbildung ganz oben links). Holzstücke, die länger als ein Meter sind, kann man auch frei im Garten senkrecht aufstellen. Wir sollten uns stets an dem natürlichen Verhalten der Bienen bei ihrer Suche nach Nistgelegenheiten orientieren. Findet man alle Gänge mit gleichem Durchmesser belegt, sollte man die Nistgelegenheiten entsprechend erweitern. Ferner ist zu beachten, daß einige Arten erst im Laufe des Sommers erscheinen. Diese sollten dann auch noch Nistmöglichkeiten vorfinden. Die Nisthilfen werden im übrigen bei ungünstiger Witterung und bei Nacht auch als Unterschlupf aufgesucht, vor allem von den Männchen und selbst von bodennistenden Arten (z.B. Frühlings-Pelzbiene Anthophora plumipes). Alte Nestgänge, aus denen die Brut bereits geschlüpft ist, werden von den Weibchen einiger Arten wie der Hahnenfuß-Scherenbiene Osmia florisomnis (= Chelostoma florisomne), Gewöhnlichen Löcherbiene Osmia truncorum (= Heriades truncorum) vor einer Neubelegung oft selbst gesäubert. Alle Nisthilfen müssen auch im Winter draußen bleiben. In der Wärme der Wohnung würden die Bienen vorzeitig schlüpfen und zugrundegehen.
In den Hohlräumen sogenannter Strangfalzziegel, wie sie auch heute noch gelegentlich zum Dachdecken verwendet werden, nisten bisweilen die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis = Osmia rufa) (6-7 mm Durchmesser), die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) (7-9 mm Durchmesser), die Natterkopf-Mauerbiene (Osmia adunca) (6 mm Durchmesser) oder die eine oder andere Blattschneiderbienen-Art (Megachile). Solche Ziegel können ebenfalls in einer Trockenmauer untergebracht oder einfach aufeinander gestapelt werden (erhältlich beim Dachdecker). Die Öffnungen von Lochziegeln, wie sie für den Hausbau Verwendung finden, sind meist zu groß. Gasbetonsteine (“Ytong”) und ähnliche Materialien eignen sich wegen ihrer Wasseraufnahme nicht.


Ein Stapel alter Strangfalzziegel dient hier seit Jahren den drei Mauerbienen-Arten Osmia bicornis, Osmia cornuta und Osmia adunca als Nistplatz. Gelegentlich nisten hier auch die zwei Blattschneiderbienen-Arten Megachile willughbiella und Megachile versicolor. Der vergrößerte Ausschnitt unten rechts zeigt die Nestverschlüsse von Osmia bicornis. Rechts oben verschließt Megachile willughbiella ihr Nest mit einem runden Blattstück.
Nisthilfen für Hohlraumbesiedler kann man käuflich erwerben. Die am ehesten geeigneten bietet die Firma Schwegler an (www.schwegler-natur.de)
Charakteristische Besiedler vorhandener Hohlräume sind:
- Hylaeus communis und weitere Hylaeus-Arten
- Megachile centuncularis (Blattschneiderbienen-Art)
- Megachile rotundata (Luzerne-Blattschneiderbiene) *
- Megachile versicolor (Blattschneiderbienen-Art)
- Megachile willughbiella (Garten-Blattschneiderbiene)
- Osmia adunca (Natterkopf-Mauerbiene)
- Osmia bicornis (= Osmia rufa) (Rostrote Mauerbiene) [ Steckbrief ]
- Osmia brevicornis (Schöterich-Mauerbiene) * [ Steckbrief ]
- Osmia caerulescens (Blaue Mauerbiene)
- Osmia campanularum (Scherenbienen-Art)
- Osmia cantabrica (= Chelostoma distinctum) (Scherenbienen-Art)
- Osmia cornuta (Gehörnte Mauerbiene) [ Lebensweise ]
- Osmia crenulata (= Heriades crenulatus) (Gekerbte Löcherbiene) *
- Osmia florisomnis (= Chelostoma florisomne) (Hahnenfuß-Scherbenbiene)
- Osmia rapunculi (= Chelostoma rapunculi) (Glockenblumen-Scherenbiene)
- Osmia truncorum (= Heriades truncorum) (Gewöhnliche Löcherbiene)
Anmerkung: Die
mit * gekennzeichneten Arten kommen in Deutschland nicht in
allen Bundesländern vor.
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auf Seite 3 von 6 (Nester in markhaltigen Stengeln)




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