Nisthilfen, die nicht geeignet oder nicht zu empfehlen sind
Acrylglasröhrchen
Die Firma Schwegler bietet ein sogenanntes »Insekten-Nisthaus für solitär lebende Insekten zur Beobachtung« an. Dieses Nisthaus enthält durchsichtige Acrylglasröhrchen (auch bekannt unter dem Markennamen Plexiglas®) und »garantiert Ihnen erholsame Beobachtungen«. Zwar lassen sich hierdurch tatsächlich Wildbienen und andere Besiedler bei ihren Aktivitäten im Röhrchen beobachten, doch besteht durch die Verwendung dieses wasserdampfundurchlässigen Materials stets die Gefahr der Verpilzung des Larvenfutters und damit des Absterbens der Brut.
Nisthilfen mit durchsichtigen Röhrchen sind zur Ansiedlung und Förderung nicht zu empfehlen!
Die Fa. Schwegler empfiehlt solche Nisthilfen sogar für Kindergärten. Verantworliche Erwachsene setzen eine solche Beobachtungsmöglichkeit aber nur in Ausnahmefällen und mit größter Zurückhaltung ein. Nur Röhrchen mit einem Durchmesser von 6–8 mm, wie sie von den beiden Mauerbienen-Arten Osmia bicornis und Osmia cornuta genutzt werden, können eventuell zur Beobachtung herangezogen werden, weil diese Bienen ihre Zellwände mit Lehm bauen, der einen besseren Gasaustausch ermöglicht. Röhrchen mit geringerem Durchmesser (3-5 mm) sollten keinesfalls verwendet werden, weil sie u.a. von Arten besiedelt werden, die Harz als Baumaterial verwenden. Hier besteht eine besonders große Gefahr der Verpilzung, was zum Absterben der Brut führt.
Zwei Brutzellen mit verpilztem und daher abgestorbenem Inhalt in einem Acrylglasglasröhrchen mit 4 mm Durchmesser.
Auf meinen Seiten sind genügend andere Möglichkeiten beschrieben, Kindern das Brutfürsorgeverhalten der Wildbienen näher zu bringen, ohne daß deswegen Tiere sterben müssen.
Falsche Vorgehensweise
Verwendet man nicht ausreichend getrocknetes Holz oder setzt die Bohrgänge zu dicht, dann kommt es, vor allem bei der Verwendung von Stirnholz, zu Rissen, die viele Bohrgänge unbesiedelbar machen. Allzu leicht könnten durch die Risse Parasiten eindringen. Deshalb nehmen die Wildbienenweibchen solche Gänge nicht an.
Dürre markhaltige Stengel in waaagrecht gelagerten Bündeln anzubieten, ist wenig sinnvoll, weil die Besiedler in der Natur sich vor allem vertikale, einzeln stehende Stengel suchen.
Lochziegel
Die Öffnungen von Lochziegeln oder Hohlziegeln, wie sie
für den
Hausbau Verwendung finden, sind viel zu groß. Sie können höchstens
der Aufnahme von Bambusröhrchen dienen (Beispiel auf
dieser Seite).
Unverständlicherweise
wurden sie in vielen sogenannten »Wildbienenhotels«, die mir als
Belegfoto zugeschickt wurden, eingebaut. In solchen Fällen haben ihre Erbauer,
wie mir berichtet wurde, ihre Informationen leider von Internetseiten bezogen,
die nicht von großer Sachkenntnis zeugen (z.B. leider auch manche Seiten
großer
Naturschutzverbände).
Gasbetonsteine (»Ytong«) und ähnliche Materialien eignen sich ebenfalls nicht, weil sie dazu neigen, Wasser aufzunehmen.
Steilwände aus hartem Lehm oder Ton
Solche Wildbienen, die in natürlichen Steilwänden nisten, sind meistens solche, die ihr Nest selbst graben. Deshalb muß das Sediment (Sand, Löß) weich genug sein, daß das Bienenweibchen einen Hohlraum graben kann, andererseits aber auch fest genug, damit der Hohlraum nicht in sich zusammenfällt. Allzuoft wird beim Bau von Steilwänden zur Förderung von Wildbienen (z.B. Weidenruten-Lehmwände) der Fehler gemacht, fetten Lehm oder Ton zu nehmen, der nach dem Trocknen viel zu hart wird und deshalb den grabenden Wildbienen nichts nützt. Werden dann Löcher hineingedrückt, können diese nur von Hohlraumbesiedlern genutzt werden, aber für diese Arten gibt es weitaus geeignetere Nisthilfen. Steht kein Lößlehm zur Verfügung, dann sollte man lieber auf diese Art der Nisthilfe verzichten und andere Möglichkeiten wahrnehmen.
Das Internet als Informationsquelle
Ein Wort der Kritik sei mir hier erlaubt: Zwar gibt es im Internet auf diversen Websites Tips zur Ansiedlung von Wildbienen. Manche von ihnen lassen jedoch schnell erkennen, daß ihren Autoren der fachliche Hintergrund oder die Erfahrung fehlt. In solchen Fällen wurde meist von anderen Quellen ohne Prüfung auf deren Richtigkeit abgeschrieben oder es werden eigene, aber nie ausprobierte Ratschläge gegeben. Ich verzichte hier auf die Nennung entsprechender Adressen. Bei anderen Seiten spürt man zweifellos die gute Absicht, aber auch hier finden sich teilweise nicht funktionierende Empfehlungen. Das Problem für den Internetnutzer ist aber, daß er ohne eigene Erfahrung nicht erahnen kann, welche Ratschläge nun zu einem Erfolg führen und welche unsinnig sind. Auch Suchmaschinen bewerten nicht nach der fachlichen Richtigkeit oder der Informationsfülle, sondern ordnen ihre Treffer nach ganz anderen Kriterien an. Wie bei den Websites kann man auch bei einer Reihe von Faltblättern oder Broschüren feststellen, daß sie nur gedruckt wurden, um eine eigene Schrift zu diesem Thema herauszugeben. Ich kann daher nur raten, alle Empfehlungen kritisch zu prüfen. Zwar sind eigenen Experimenten keine Grenzen gesetzt, doch sollte das Ziel unserer Bemühungen sein, ein möglichst großes Spektrum an Arten zu fördern und dies kann nur funktionieren, wenn praktikable Lösungen realisiert werden.


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