Bestimmung der Nestverschlüsse der wichtigsten Arten
Wenn ein Nest in einer Nisthilfe für Bewohner von Bohrungen in Holz oder anderen röhrenförmigen Hohlräumen (Bambusröhrchen, Schilfstengel) fertiggestellt ist, wird man keine Nestbauaktivitäten mehr beobachten können und somit auch nicht anhand des Bienenweibchens feststellen können, um welche Art es sich handelt. Dies gilt erst recht für die Herbst- und Wintermonate, wenn man seine Nester kontrolliert und wissen will, von wem denn nun eigentlich die verschiedenen Nester stammen. Da außer Wildbienen fast immer auch andere Stechimmen an den Nisthilfen auftreten und diese selbstverständlich auch bestimmte Baumaterialien verwenden, habe ich nachfolgend einen Bestimmungsschlüssel erstellt, der helfen soll, die Nestverschlüsse den häufigsten an Nisthilfen auftretenden Arten zuzuorden.
Vorgehensweise: Schritt für Schritt wird ein Merkmal
nach dem anderen geprüft, bis die gesuchte Art bzw. Hautflügler-Gruppe
gefunden ist.
2
bedeutet: weiter bei der angegebenen Zahl in Spalte 1. Zu den jeweiligen Aussagen
gibt es zwei mögliche
Antworten (Alternativen), nach denen zu weiteren Aussagen verzweigt wird (sogenannter »dichotomer
Schlüssel«). Man fährt solange fort, bis keine Auswahl mehr möglich
ist und man das Bestimmungsergebnis hat. Im Anschluß an den Schlüssel
habe ich Fotos verschiedener Nestverschlüsse zusammengestellt,
die mit den Angaben Abb. 2 usw. korrespondieren. Zu beachten sind nicht nur das
Baumaterial und das Aussehen des Nestverschlusses, sondern auch, welcher Durchmesser
der Gang hat, in dem sich das Nest befindet.
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1 |
Nestverschluß aus einem dünnen oder dickeren Häutchen bestehend |
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1* |
Nestverschluß aus anderem Material |
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2 |
Nestverschluß aus einem transparenten, dünnen (cellophanartigen)
Häutchen: |
Abb. 1 |
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2* |
Nestverschluß aus einem dicken, seidigen Häutchen bestehend, ähnlich dem Material eines Spinnenkokons. Manchmal schließt der Nestverschluß nicht vollständig ab oder er wird im Innern des Hohlraums gebaut: Psenulus fuscipennis (Grabwespe) |
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3 |
Nestverschluß ausschließlich aus pflanzlichem Material |
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3* |
Nestverschluß aus mineralischem Material oder Harz |
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4 |
Nestverschluß aus Pflanzenmörtel (zerkaute Blattstückchen), frisch grün, später dunkelbraun bis schwarz, Durchmesser 5–6 mm: Osmia caerulescens, O. leaiana, O. niveata, O. brevicornis (Mauerbienen). Nestverschluß bei O. brevicornis ca. 5-10 mm vom Eingang entfernt. |
Abb. 2 |
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4* |
Nestverschluß aus rundlichen Blattstückchen meist von grünen Laubblättern, in seltenen Fällen (Megachile rotundata) auch von roten oder gelben Blüten: Megachile (Blattschneiderbienen) |
Abb. 4 |
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5 |
Nestverschluß aus sandigem oder lehmigem Mörtel |
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5* |
Nestverschluß aus Harz |
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6 |
Nestverschluß enthält außer Sand oder Lehm noch weitere
sichtbare Beimengungen |
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6* |
Nestverschluß ohne Beimengungen |
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7 |
In den noch weichen Nestverschluß werden kleine Steinchen (Quarzkörnchen)
gesetzt; der Verschluß wird nach dem Trocknen steinhart; Durchmesser 3,5–4
mm: |
Abb. 5 |
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7* |
Auf den Nestverschluß wird eine Schicht aus feinem, meist grauem bis gelblichen Material aufgetragen, das von verwittertem Holz aus der unmittelbaren Umgebung abgeschabt wird: Osmia adunca (Glänzende Natterkopf-Mauerbiene) |
Abb. 6 |
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8 |
Mörtel um den Nesteingang herum glatt verschmiert, der runde Nesteingang ist nicht mehr zu erkennen; Durchmesser 6 mm: Ancistrocerus antilope und Euodynerus quadrifasciatus (solitäre Faltenwespen) |
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8* |
Mörtel um den Nesteingang herum nicht wie verputzt |
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9 |
Nestverschluß sehr locker, grob, rauh und nicht steinhart werdend
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Abb. 7,8 |
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9* |
Nestverschluß feiner und glatter |
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10 |
Gangdurchmesser 3-5 mm: Trypoylon spec. (Grabwespe), Anicstrocerus nigricornis, Odynerus mutinensis, Microdynerus nugdunensis (solitäre Faltenwespen) |
Abb. 11 |
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10* |
Gangdurchmesser 2-3 mm: Osmia campanularum, Osmia cantabrica (Scherenbienen) |
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11 |
Um den Nesteingang ein »Ring« aus Harztröpfchen, Nestverschluß aus weißlichem bis gelblichem Harz Passaloecus eremita (Grabwespe) |
Abb. 12 |
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11* |
Nestschluß mit Beimengungen in Form von Bohrmehl oder anderen Holzpartikeln oder kleinen Steinchen: Osmia truncorum (Gewöhnliche Löcherbiene), Osmia crenulata (Gekerbte Löcherbiene), Passaloecus corniger, Passaloecus gracilis (Grabwespen) |
Abb. 13 |
Als bildliche Ergänzung des obigen Schlüssel habe ich nachfolgend Fotos von Nestverschlüssen solcher Arten zusammengestellt, die mehr oder weniger regelmäßig an Nisthilfen zu beobachten sind.
Ein charakteristisches Häutchen als Nestverschluß von Maskenbienen.
Osmia leaiana, Osmia niveata und Osmia caerulescens verwenden Pflanzenmörtel zum Bau des Nestverschlusses. Sie lassen sich voneinander nicht unterscheiden. Die grüne Farbe verändert sich nach einiger Zeit. Dann sehen die Nestverschlüsse dieser Arten eher braun aus.
Charakteristisch am Nestverschluß dieser Art ist, daß dieser nicht am Beginn des Eingangs zum Nest gebaut wird, sondern ca. 5–10 mm davon entfernt im Innern.
Die Blattschneiderbienen, die in vorhandenen Hohlräumen nisten, verwenden unterschiedliche Blattmaterialien zum Nestbau. Megachile rotundata verwendet eher weiche, schon leicht verwelkte Blattstücke von krautigen Pflanzen, während Megachile willughbiella das Material eher von Sträuchern gewinnt.
Auf dem linken Foto sieht man, wie das Weibchen von Osmia rapunculi in den weichen und sehr feuchten Nestverschluß kleine (helle) Steinchen einbaut. Das rechte Foto zeigt einen Nestverschluß der nahverwandten Art Osmia florisomnis im Winterzustand, der durch Pilzbefall schwarz geworden ist, was für diese Art typisch zu sein scheint.
Die beiden Nestverschlüsse in unterschiedlichen Nisthilfen aus Holz zeigen schön die Verwendung von abgenagtem Holz zusätzlich zu dem mineralischen Mörtel.
Frisch verschlossenes Nest in einem Bambusröhrchen. Beachte die reliefartige Oberfläche des Verschlusses.
Sechs verschlossene Nester der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta) in zwei Strangfalzziegeln mit einem Gangdurchmesser von 6 mm. Die Oberfläche der Nestverschlüsse ist meist ziemlich rauh.
Die Nestverschlüsse der beiden häufigsten Mauerbienenarten kann man kaum voneinander unterscheiden, es sei denn, man hat die Erbauerinnen bei ihrer Arbeit beobachtet.
Der Nestverschluß dieser Mörtelbienenart unterscheidet sich von dem für den Zellenbau verwendeten Material. Er ähnelt außerordentlich dem von Osmia bicornis und Osmia cornuta. Der von der Art bevorzugte Innendurchmesser bei Nisthilfen ist 6 mm.
Das Nest wurde in einem Bambusröhrchen angelegt. Der Nestverschluß ist nur mit Erfahrung von dem von Osmia bicornis zu unterscheiden. Seine Oberfläche ist aber stärker geglättet.
Charakteristisch für diese Grabwespenart ist nicht nur die Verwendung von Kiefernharz, sondern auch das Aufbringen kleiner Harztröpfchen rund um den Nesteingang bereits vor Beginn des Eintragens von Blattläusen als Beutetiere (vergrößerter Nestschluß links oben).
Die Gewöhnliche Löcherbiene verwendet als Grundbaustoff für den Nestverschluß Harz, setzt aber in das Harz allerlei Kleinmaterial wie Sandkörnchen, winzige Steinchen oder kleinste Holzspäne.
Manche Besiedler unserer Nisthilfen fertigen keinen Nestverschluß, obwohl sie in Hohlräumen, z.B. Bambusröhrchen, nisten. Ein Beispiel hierfür ist die Wegwespe Auplopus carbonarius, die charakteristische Brutzellen aus mineralischem Mörtel baut. In den zwei geöffneten Zellen (unteres Bild) sind die in seidigen, leicht durchsichtigen Kokons liegenden Ruhelarven (Überwinterungsstadium) der Wegwespe zu erkennen.


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