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Lebensraum Magerrasen

Verbesserung des Nahrungsangebots -3-
Blumenwiesen

Gartenwiese

Wiese in einem Hausgarten ein Jahr nach der Umstellung. Zwar blühten zu diesem Zeitpunkt noch zahlreiche Löwenzahn-Exemplare und viele Gänseblümchen, im Laufe der Zeit kamen jedoch aufgrund der nur noch zwei- bis dreimaligen Mahd und Entfernen des Mähguts viele weitere Arten hinzu.

»Blumenwiesen« sind artenreiche, ertragsarme Mähwiesen mit hohem Kräuteranteil. Ihr Schnitt ist so abgestimmt, daß möglichst viele erwünschte Pflanzen ihre Blütenbildung und Samenreife abschließen können. Dem Stadtbewohner bieten sie nicht nur mehr Naturerlebnis, sondern sind auch ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Erhaltung vielfältiger Lebensgemeinschaften. Straßen- und Wegränder sowie Teilflächen in Parks und Grünanlagen sind geeignete Standorte. Hausgärten sind für diese Art des Nahrungsangebots nicht immer geeignet; vor allem, wenn sie zu klein sind. Als Spiel- oder Liegefläche können sie nämlich nicht genutzt werden.

Blumenwiese

Magerwiese im botanischen Garten in Tübingen fünf Jahre nach der Umstellung vom häufig gemähten Rasen zur Blumenwiese (Mai). Es blühen Scharfer Hahnenfuß, Rotklee, Margerite, Wiesen-Glockenblume und Pippau.

Wiesenbesitzer sollten auf den oftmaligen Einsatz des Rasenmähers verzichten und statt dessen nur zweimal im Jahr mit der Sense bzw. Motorsense oder mit dem Balkenmäher mähen. Das Mähgut darf nicht liegen bleiben und sollte separat kompostiert werden. Zahlreiche Wiesenkräuter sind wichtige Nahrungsquellen für Wildbienen. Sie vertragen aber das regelmäßige Mähen mit dem Rasenmäher nicht und bleiben nach wenigen Jahren ganz aus. Ideal wäre es, wenn benachbarte Wiesenbesitzer während des Sommers nicht zur gleichen Zeit mähen würden, damit den blütenbesuchenden Insekten nicht schlagartig die gesamte Nahrungsgrundlage entzogen wird, sondern wenn sie den Mähtermin entsprechend miteinander abstimmen würden.

Eine empfehlenswerte Methode ist auch eine gestaffelte Mahd: zuerst wird eine Hälfte der Wiese gemäht. Sobald sich auf dieser Fläche wieder die ersten Blüten zeigen, mäht man die andere Hälfte. Ist die zur Verfügung stehende Wiese groß genug, kann man sie auch dreiteilen: ein Drittel wird viermal, ein Drittel dreimal, ein Drittel zweimal jährlich gemäht. Dadurch wird für eine große Vielfalt an Wiesenkräutern gesorgt. Gemäht werden muß auf jeden Fall, da sonst konkurrenzschwache Wiesenarten verschwinden und die Wiese durch das Brachfallen und die sich bildende Streudecke deutlich artenärmer wird.

Für die Neuanlage einer blumenreichen Magerwiese eignen sich am besten nährstoffarme Standorte. Bei der Neugestaltung eines größeren Gartens z.B. ist es daher günstiger, wenn man für die Blumenwiese eine Rohbodenfläche ohne Humusüberdeckung vorsieht. Aber auch die Saatmischung hat entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung einer Blumenwiese. Im Handel erhältliche Wiesenmischungen enthalten oft Samen fremdländischer Arten und Ackerwildkräuter, die nur einmal blühen und im zweiten Jahr verschwinden, und meist auch zu viele Gräser. Auch Weißklee ist regelmäßig enthalten, der aber für die Wieseneinsaat ungünstig ist, weil er sich sehr schnell ausbreitet. Wenn wir überhaupt solche Saatmischungen verwenden, dann sollte dünn gesät werden, d.h. die Aussaatmenge sollte 5 g pro Quadratmeter nicht überschreiten. Ziel ist letztlich eine lockere Wiesennarbe, damit sich noch weitere Arten von selbst ansamen können. Besser ist es aber, vorher in der näheren Umgebung selbst gesammelte Samen heimischer Arten einzusäen. Die Aussaat kann von April bis September erfolgen.

Welche Artenzusammensetzung sich letztendlich aber einstellen wird, hängt von den jeweiligen Standortbedingungen ab. Die Entwicklung einer Blumenwiese mit stabiler Artenzusammensetzung fordert jedenfalls Geduld, denn sie braucht viele Jahre. Der günstigste Mähtermin ist dann, wenn die Wiese ihre höchste Entwicklung erreicht hat. Besonders bei nährstoffreicheren Verhältnissen kann dies bedeuten, daß im ersten Jahr viermal gemäht werden muß. Später sollte zweimal pro Jahr gemäht werden (Juni/Juli und September/Oktober). Bei ganz mageren Bodenverhältnissen genügt ein Schnitt pro Jahr im September/Oktober. Das Mähgut ist grundsätzlich abzuräumen. Auf jegliche Düngung wird verzichtet. Einen vorhandenen Rasen durch weniger häufiges Mähen oder durch Nachsaat zu einer artenreichen Blumenwiese entwickeln zu wollen, ist meist aufgrund der Wurzelkonkurrenz der Gräser ohne durchschlagenden Erfolg. Wenn man den Rasen nur noch zwei- bis viermal im Jahr mäht, kommen zumindest Gänseblümchen, Günsel, Löwenzahn, Hahnenfuß, Gundelrebe, Weißklee oder Ehrenpreis zum Blühen, was bereits eine Verbesserung ist. Empfehlenswerter ist aber ein nachträgliches Einpflanzen von Wiesenstauden oder ein kleinflächiges Abstechen der Rasendecke und Neueinsaat in diese Flächen.


Für Blumenwiesen geeignete Wildblumen

Trockenwarmer Standort

  • Hornklee (Lotus corniculatus)
  • Esparsette (Onobrychis viciifolia)
  • Zaunwicke (Vicia sepium)
  • Wiesen-Platterbse (Lathyrus pratensis)
  • Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys)
  • Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)
  • Kriechender Günsel (Ajuga reptans)
  • Witwenblume (Knautia arvensis)
  • Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria)
  • Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia)
  • Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus)
  • Wilde Möhre (Daucus carota) - zweijährig
  • Rauher Löwenzahn (Leontodon hispidus)
  • Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea)

Frischer Standort

  • Wiesen-Glockenblume (Campanula patula)
  • Scharfer Hahnenfuß (Ranunculus acris)
  • Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris)
  • Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
  • Wiesen-Pippau (Crepis biennis) - zweijährig
  • Wiesen-Löwenzahn (Taraxacum officinale)
  • Gewöhnliches Ferkelkraut (Hypochoeris radicata)
  • Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis)

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